Was bewegen? Kann man schon mit sieben.

Neulich steckte in unserem Briefkasten ein Katalog von einem Kinderprodukte-Versandhandel. Jako-o. Wir blätterten den beim gemeinsamen Familienfrühstück durch – ja, das kann man an sich schon fragwürdig finden, Konsuminteressesteigerung und so.. – und ich bemerkte genervt, dass mal wieder bestimmte Spielsachen fast immer mit wie Jungs aussehenden Kindern, andere mit Mädchen abgebildet waren. Das glaubten mir die Kinder nicht und wollten es selbst überprüfen, blätterten dann den Katalog Seite für Seite durch – und fanden das ziemlich erstaunlich. Wir sprachen dann darüber, und irgendwann meinte der Große: „Das sollten die ändern. Aber das muss man denen erst mal sagen, sonst können die das ja nicht wissen. Deshalb schreib ich denen jetzt einen Beschwerdebrief. So!“

Setzte sich hin – und schrieb. Und schrieb. Und schrieb. Und dann war er fertig. Hier das Ergebnis. (Dem fügte er dann übrigens „zum Beweis“ noch Farbkopien einiger Katalogseiten bei.) „Was bewegen? Kann man schon mit sieben.“ weiterlesen

Tot ist tot.

Die Kinder schauen Logo-Kindernachrichten. Erst ein Bericht über ein Dorf in Afrika, in welchem es einen einfacheren Wasserzugang als vorher gibt, inklusive der Erklärung, dass das aber eben vielerorts nicht so ist und Menschen an Hunger und Durst sterben. Danach folgt ein Artikel zur Genfer Flüchtlingskonvention, inklusive der Erklärung, wann ein Flüchtling laut Konvention aufgenommen werden muss, nämlich bei Bedrohung durch Krieg, Verfolgung etc. Und die Bemerkung, dass Armut nicht dazugehört.

„Wie bescheuert. Ob man nun im Krieg stirbt oder verdurstet, ist doch egal. Tot ist tot. Das ist doch Beschiss mit diesem Vertrag“, stellt das Kind, den siebenjährigen Kopf schüttelnd, fest.

Von wegen, von solchen Sachen würden Kinder nichts verstehen.

Der Badewannenschreck

Töchterlein sitzt in der Badewanne, der große Bruder leistet ihr Gesellschaft im Badezimmer, beide sind lautstark zu hören, ebenso ihr Spritzen und Platschen. Okay, alles klar, das Badezimmer wird bei sowas gleich mitgewaschen, darauf bin ich inzwischen gefasst. Aber nicht darauf, dass plötzlich ein Schrei ertönt – und ich, als ich ins Bad gerannt komme, die Kleine tropfnass neben der Wanne stehen sehe, während der Große komplett bekleidet mit dem Gesicht nach unten im Wasser treibt. Himmel und Hölle!

Das Kind am Rücken gepackt, es aus dem Wasser gezogen, mich von seinem grinsenden Leben überzeugt und es zeitgleich vor Schreck angeschrien hab ich – und all das, während mich vier ziemlich angenervt-gewitzte Kinderaugen anblickten von zwei Halbstarken, die doch schließlich wirklich und echt schwimmen können, gemeinsam tauchen üben und es zudem sehr praktisch und für die Eltern hilfreich finden, einfach mal in Klamotten in die Wanne zu klettern.

Ich habe mir nunmehr von ihnen erbeten, dass Klamottenbäder nur noch nach Absprache stattfinden, damit mein junges altes Herz noch möglichst lange im Takt schlägt… Huu.

Unfallstatistik: Tagesschau verwirrt

Gerade titelt die Tagesschau online anlässlich der neuen Zahlen zur Unfallstatistik: Unfallstatistik 2010 vorgestellt. Weniger Verkehrstote – mehr Kindern unter den Opfern.

Diese Überschrift ist mindestens missverständlich, denn sie referiert mit „mehr Kindern“ fälschlich gleichermaßen auf die Gesamt-Unfallstatistik wie auch auf die Verkehrstoten. „Unfallstatistik: Tagesschau verwirrt“ weiterlesen

a world where people can make choices to be whoever they are

Heute habe ich einen sehr interessanten Artikel gelesen über eine Familie, die versucht, ihre Kinder möglichst gender-neutral aufwachsen zu lassen. Und die sich deshalb bei ihrem dritten Kind sogar dazu entschieden hat, das biologische Geschlecht des Kindes nicht der Gesellschaft öffentlich preiszugeben. Wie zu lesen ist, ein nicht einfaches Unterfangen in einer Welt, die sich so sehr an biologischem Geschlecht und Geschlechterkonstruktionen orientiert und hieran so vieles festmacht. Aber lest doch einfach selbst.

Was wir werden.

Am Wochenende in der U-Bahn: Neben Tochter (5) und mich setzt sich eine stylische Frau mit Kinderwagen, in welchem ein ebenso stylisches, niedliches Baby blubbert und lacht. Töchterlein beobachtet das etwa 4-monatige Kind eine Weile, mustert eingehend die Garderobe des kleinen Menschleins (schwarzes Doors-T-Shirt, karierte Hose, Käppie, dunkelblaue Söckchen) und meint dann profihaft:

„Da sieht man schon gut, dass das mal später ein Junge wird!“

Griff ins Klo

Der vorgestrige Rücktritt von Silvana Koch-Mehrin ist derzeit in aller Munde, und dass diese Politikerin sich mit ihrem Verhalten -sowohl bezüglich ihrer Doktorarbeit als auch hinsichtlich ihrer Präsenz im Europaparlament, durchaus auch verglichen mit der in Talkshows, sowie mit der geringen Menge von ihr initiierter politischer Initiativen – angreifbar gemacht hat, ist das eine.

Das andere aber ist der unglaublich schlechte Kommentar von Henryk M. Broder heute morgen in Radio1, in welchem dieser die in meinen Ohren nicht nur dämliche, sondern insgesamt übergeneralisierende, klischeehafte und frauenfeindliche Meinung vertrat, eine Mutter von drei Kindern gehöre eh nicht in die Politik oder/und Uni, sondern zu ihren Kindern und es sei ja nicht anders zu erwarten, als dass sich eine Frau mit so etwas übernähme. Und weitere Schoten bezüglich der These „hübsche Frauen“ und „Doktortitel“. Was habe ich gekotzt.

Wer auch mal würgen will: Hier könnt ihr den Kommentar noch mal hören.