Identität in Berlin: Eine Generalprobe

Berlinerin? Deutscher? Flüchtling? Immigiert? Hier geboren, aber andernorts aufgewachsen? Was macht uns zu Berlinern? Wer darf sich so nennen, wer nicht, wann kommt wer an, wird wieder weggeschickt, wird aus- oder eingegrenzt? Gestern hatte ich die Ehre, der Generalprobe des neuen Theaterstücks ECHTER BERLINER !!!! IHR NICHT FUCK YOU des English Theatre Berlin beizuwohnen (Fotos hier in meinem Flick-Stream). Das experimentelle Stück ist eine Art Dokumentations-Theater: Der gesamte Text ist aus Zitaten zusammengesetzt; hierfür wurden mehrere Wochen lang Interviews mit Menschen mit den unterschiedlichsten Herkunftshintergründen geführt. Deren Erfahrungen, von der Behandlung durch Behörden über Alltagsdiskriminierung und Auseinandersetzung mit Rassismus bis hin zu Sprachbarrieren und eigener wie umgebungsseitiger Infragestellung spiegeln sich nun in berührender Weise in dem sehenswerten Kunst-Stück wieder. Sie tauchen nicht nur in den Sprechtexten auf, sondern werden durch Projektionen ins Bühnenbild immer wieder auch direkt in die Aufführung einbezogen. „Identität in Berlin: Eine Generalprobe“ weiterlesen

Doch. Verschlüsselung geht noch. Echt jetze!

Die NSA hat SSL-Verschlüsselung „geknackt“, heißt es in bei Spiegel online, n-tv.de, in Blogs und an viel zu vielen anderen Stellen in Neuland. An die Wand gemalt wird von zu vielen, die es nicht verstehen, dass damit Verschlüsselung _generell_ nicht mehr funktioniert. Ich hielt mich bisher eigentlich für einen Nicht-Techi, aber heute wurde ich vom Leben eines Besseren belehrt. Da wird doch gerade die Realität verzerrt!?!

Mein Eindruck: Nachdem gerade das Interesse an Verschlüsselung und das Bewusstsein für den Sinn von unterschiedlichen Verschlüsselungsformen in der Bevölkerung wächst, soll versucht werden, hier massiv gegenzusteuern. Die Menschen sollen anscheinend glauben, dass Verschlüsselung sowieso nicht funktioniert – dann können sie es ja auch gleich lassen. So ein Blödsinn! Welt da draußen, lass dich nicht veräppeln! Hier werden Äpfel und Birnen und noch jede Menge anderes Obst und Gemüse in einen Topf geworfen.

Ja, wenn die NSA (oder andere Überwachungsorgane) tatsächlich ALLE großen anerkannten SSL-Zertifikatsschlüssel abgegriffen haben sollten, wäre für einen Moment SSL im sicher verschlüsselnden Sinne sozusagen temporär weitestgehend ausgehebelt. Wenn nun aber theoretisch z.B. die Banken, Gesundheitsinstitutionen, was-weiß-ich,.. alle NEUE Schlüsselpaare und Zertifikate anlegen würden UND die NSA diese privaten Schlüssel nicht bekäme, wären wir rein theoretisch wieder auf Null. Katz und Maus. Sie haben es nämlich eben NICHT geknackt. Sie haben mutmaßlich Schlüssel in ihre Gewalt gebracht. Und das gilt auch alles nur für SSL.

Es gibt aber viel mehr Formen der digitalen Verschlüsselung.

All die Diskussion um SSL heißt nicht, dass z.B. die für E-Mail-Chiffrierung genutzte PGP– oder GPG-Verschlüsselung oder bspw. Festplattenverschlüsselung via TrueCrypt unsicher wären. Das sind ganz andere Schuhe, sozusagen. Ich erlaube mir mal, hier ein bisschen was gerade zu rücken – und bin natürlich dankbar, wenn die echten Techis mögliche nicht aufs letzte I-Tüpfelchen ausgefeilte Formulierungen meinerseits entschuldigen und ggf. in den Kommentaren ergänzen und verbessern. „Doch. Verschlüsselung geht noch. Echt jetze!“ weiterlesen

Wir sind Spartakus.

Warum es lohnt, für seine Überzeugungen auch auf die Straße zu gehen und zu kämpfen, spricht PGP-Erfinder Phil Zimmermann in einem sehr lesenswerten Interview in der Zeit aus:

„Ich glaube, der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen ist, sie selbst zu schaffen. Wir müssen uns entscheiden, was wir wollen. In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Dann müssen wir so hart wie möglich daran arbeiten, dieses Ziel zu erreichen. Wenn man vorhersagen will, wie ein Football-Spiel ausgeht, ist es besser, aufs Feld zu gehen und sich den Ball zu schnappen und ihn selbst in die richtige Richtung zu tragen.“

Setzt das um – kommt zur Demo Freiheit statt Angst morgen in Berlin. Ich werde dabei sein. Bis morgen?

Zum Thema Verschlüsselung von Mailverkehr erläutert Zimmermann im selben Interview eingangs übrigens treffend:

Eigentlich sollte jeder seine Alltagskommunikation verschlüsseln. Wir müssen an die Folgen unseres Handelns für die Gesellschaft denken. Nicht jeder Inhalt einer WhatsApp-Nachricht ist hochsensibel. Darum geht es aber auch gar nicht. Indem wir unsere Kommunikation verschlüsseln, tragen wir dazu bei, dass es zu einer sozialen Norm wird. Verschlüsselte Nachrichten werden dann als normal akzeptiert.

ZEIT ONLINE: Wieso ist das wünschenswert?

Zimmermann: Kennen Sie den Film Spartakus? Es geht um einen Sklavenaufstand im alten Rom. Der römische Feldherr verspricht allen Sklaven ihre Freiheit, wenn sie ihren Anführer, Spartakus, ausliefern. Bevor der sich zu erkennen geben kann, steht ein anderer auf und sagt: „Ich bin Spartakus“. Nach und nach stehen alle auf, um Spartakus zu schützen. Das ist es, was wir auch tun müssen: Wir alle müssen lernen, unsere Kommunikation zu schützen, denn damit bieten wir anderen Menschen Schutz. Wenn wir unsere Gesellschaft vor einer schlimmen Zukunft bewahren wollen, muss Verschlüsselung zur Bürgerpflicht werden.

Steht auf. Denn wir sind Spartakus.

PS: Demoroute der #FsA13: Karl-Marx-Allee/Otto-Braun-Straße/Alexanderstraße -> Alexanderstraße -> Stralauer Straße -> Spandauer Straße -> Anna-Louisa-Karsch-Straße -> An der Spandauer Brücke -> Rosenthaler Straße -> Weinmeisterstraße -> Münzstraße -> Memhardstraße -> Alexanderstraße
Los gehts um 13 Uhr.

Das Mädchen Wadjda: Geht ins Kino!

Dass es diesen Film gibt, grenzt fast an ein kleines Wunder, wie kinderfilmwelt.de erklärt:

„Wusstest du, dass bis zum April 2013 Frauen in Saudi-Arabien tatsächlich nicht Fahrrad fahren durften? Da ist es ganz schön mutig von der Regisseurin, trotzdem eine Geschichte über ein Mädchen und ihren Fahrradtraum zu verfilmen. Über den Alltag von Kindern wie Wadjda und Abdullah gibt es kaum Filme.(…)“

Der Film läuft ab dem 05.09.2013 in den deutschen Kinos. Das Haus @manubloggt geht den sicherlich in der kommenden Woche in Berlin ansehen – wer mit will, meldet sich zwecks Abstimmung schnell per Mail.

Na dann mal los.

(IG Metall Youtube Wahlclip. Gut gemacht, find ich. Da können die Parteien, die wir dann alle wählen sollen, mit ihren Spots meiner Meinung nach nicht wirklich mithalten… Es bleibt also die Qual der Wahl. Wer Anfangsinspiration braucht, könnte ja mal den Wahlomat befragen. Oder Programme lesen. Oder… Oder vielleicht doch entscheiden nach Bauchgefühl und Lieblingsfarbe, wenn am Ende sowieso was anderes umgesetzt wird als versprochen? Nun ja..)

„A transit lounge in Heathrow is a dangerous place to be.“

Was Alan Rusbridger, der Chefredakteur des britischen Guardian in diesem Artikel schreibt, ist unfassbar. Skurril, bizarr, fast möchte ich laut lachen – wäre es nicht die Realität, sondern eine aberwitzige Filmgeschichte, würde ich es tun.

Da will eine demokratisch legitimierte Regierung eine Zeitungsredaktion mit massivem Druck davon abhalten, im öffentlichen Interesse stehende Berichte weiterzuverfolgen und zu veröffentlichen. Sie kündigt an, hierfür gegebenenfalls auch gerichtliche Wege zu beschreiten – und damit explizit die Pressefreiheit zu zerstören – , falls die Redaktion nicht von sich aus mit dem Berichten aufhört. Um Druck aufzubauen, entsendet die Regierung „Experten“, die vor Ort eine Datenzerstörung absichern sollen: Sie fordern die Redaktion auf, unter ihrer Aufsicht im Verlagsgebäude Festplatten zu zerstören, im digitalen Zeitalter eine Farce, aber gleichzeitig auch ein bedrohlicher symbolischer Akt.

Gleichzeitig schafft und nutzt diese demokratisch legitimierte Regierung mit ihren Terrorgesetzen unsichere Räume, in denen sonst fest geltende rechtsstaatliche Prinzipien keine Anwendung finden, und versucht in diesen Räumen gezielt, Menschen einzuschüchtern und aus ihnen Informationen herauszupressen. So geschehen im Transitbereich des Londoner Flughafens Heathrow, auf welchem David Miranda, der Lebensgefährte und Arbeitspartner des im Snowden-Fall vielfach berichtenden Journalisten und Guardian-Kolumnisten Glenn Greenwald, festgehalten und verhört wurde, wie Rusbridger berichtet:

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SCHEISSE im Wohlstandskiez. Ein Rant.

Nebenan in den Spielzimmerhochbetten liegen gerade zwei Kinder, die lange nicht einschlafen konnten heute. Weil sie über Reichtum und Armut nachdachten, über Teilen und Nichtteilen, über Helfen und Nichthelfen, über Kindsein und Erwachsenensein und über diese Welt. Und hier, an diesem Rechner, sitze ich. Die Frau, die sich noch immer nicht beruhigt hat nach diesem Tag, der einfach zu viel war. Nach diesem Tag, in dem sie vielleicht eine Spur zu laut in der Tram verkündete, dass „ihr“ (die Kinder) so nicht aufwachsen sollt“, und dass diese „SCHEISS Wohlstands-Wir-Teilen-Nicht-Mentalität nicht das ist, was ich euch mit auf den Weg geben will für euer Leben!“. Empörte Blicke anderer Fahrgäste. Hat sie eben wirklich SCHEISSE vor den Kindern gesagt?! Steigerung galore. Aber von vorn.

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HÄNDE WEG von unseren Klubs! – ein Kinderkrimi

Am kommenden Montag, 19.August 2013 um 17 Uhr laden Kinder zweier Berliner Jugendeinrichtungen, die in den vergangenen Monaten an einem Filmprojekt mit dem Titel „Hände weg von unseren Klubs!“ gearbeitet haben, ins Kino ARSENAL zur Premiere ein.

In dem Film geht es um die Rettung von Kinderfreizeitorten vor der Verdrängung durch lukrative Hotels und vielversprechende Wohnprojekte. Den rücksichtslosen Immobiliengeschäften, bei denen öffentliche Einrichtungen meist den Kürzeren ziehen, setzen die Marzahner und Schöneberger Kinder gemeinsam etwas entgegen.

Hört sich spannend an? Finde ich auch. Sehr! Ich gehe hin, kommt doch mit!

Die ausführliche PM zur Filmpräsentation könnt ihr nachstehend nachlesen.

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