Pauline, die Flohmarktpuppe, lag in einer staubigen Kiste. Halb versteckt zwischen alten Tellern und Schüsselchen, DDR-Fundus. Tochter sah sie, nahm sie vorsichtig heraus, zeigte sie ihrem Bruder. Ein echter Schatz, da waren sich beide Kinder sicher. Eine Puppe mit Geschichte, Geschichten. Mit Herz. Sicherlich wäre sie sehr teuer, so eine alte Puppe. Steinalt musste sie schließlich sein, viel älter als sie selbst. Das Schild „Jedes Teil ein Euro“ konnte doch nicht für sie gelten? Es konnte doch. Unfassbar. Tochter kaufte sie, trug sie wie ein rohes Ei nach Hause. Wusch sie, kämmte ihr die Haare, kümmerte sich seitdem. Bis gestern.
Im Oma-Opa-Familienausflugsurlaub in Radebeul passierte es: Auf dem Karl-May-Museums-Kinderfest war sie noch da, die Puppe, doch auf dem Weg zwischen Museumsausgang und Auto ist sie verloren gegangen. Dem müden Kind, zwischen Mamas und Papas Armen wechselnd, aus dem Handgelenk geflitscht. Weg. Wie vom Erdboden verschluckt. Wir waren noch mal vor Ort, haben die Straße abgesucht, noch später am Abend. Keine Spur. Ach, Pauline. Wenn du auch nur ahntest, wie sehr eine Siebenjährige hier um dich weint, es würde dir das Puppenherz erweichen.
Wahrscheinlich ist nichts mehr zu machen, aber ich will es so doch noch einmal versuchen. Welt da draußen, hat jemand Pauline gesehen? Gefunden? Wir hätten sie so gerne wieder hier, in den Armen des traurigen Kindes. Natürlich gäbe es einen Finderlohn, natürlich gäbe es ein persönliches Dankeschön.
Pauline ist ungefähr 30, vielleicht 35 Zentimeter groß, hat kurze, helle, lockige Haare und braune Augen. Sie hat ein hellgelbes Kleid an. Ihr Körper ist aus Plastik, Arme und Beine sind beweglich.
Ach komm, Welt da draußen, müssen solche Geschichten denn wirklich traurig ausgehen? Oder schreibst du mit uns ein neues Märchen? Unsere Kleine wünscht sich Pauline zurück… (pdf)