Ordnungsamt räumt Kinderflohmarkt. Revolution!!

Seit 1990 gibt es am Arkonaplatz in Berlin Mitte einen Flohmarkt. So einen liebevoll organisierten, deutsch-reinlichen Markt mit leinenweiß bespannten Holzständen, die man sich für um die 30€ mit ausreichender Voranmeldungszeit mieten kann, um seinen Trödel zu verkaufen. Wobei etliche Stände sich auch nicht einfach so mieten lassen, weil diese, über die Jahre etabliert, von festen fliegenden Trödelhändlern okkupiert sind. Nun denn.

Just neben diesem inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten kleinen aber recht feinen Märktchen hat sich in den letzten Jahren, unbeobachtet von offiziellen Ansagen, eine Art kindliche Subkultur angesiedelt: Einträchtig nebeneinander verkaufen rund um den Platz auf Decken Kinder aus Mitte und Wedding in sonst selten bemerktem Miteinander freimütig ihren Spielkram. Von Ü-Ei-Figuren und Actionhelden über abgebrochene McDonalds-Spielsachen, Playmobil, Barbies mit verfilzten Haaren bis hin zu zu klein gewordenen Badehosen mit Seepferdchen-Abzeichen ist dort wirklich jeder Schatz zu haben. Gewesen. „Ordnungsamt räumt Kinderflohmarkt. Revolution!!“ weiterlesen

Wissenschaftliche Waschmaschinenanalyse

Erstes Problem: Die Waschmaschine ist kaputt.
Ergibt Problem: Zwei Leute mit Studienabschluss, eine der beiden Personen zudem mit Informatiker-Background, überlegen, was nun zu tun ist.

Lösung a: Eine neue Waschmaschine kaufen.
Lösung b:Wäsche im Waschsalon waschen.
Lösung c: Wäsche nicht mehr waschen.
Lösung d: Wäsche im Wechsel bei Nachbarn udn Freunden waschen.

Auswertung und Strategie:

Lösungen b, c und d werden als für die Bedürfnisse der betroffenen Individuen suboptimal bewertet; Lösung a – Kauf einer neuen Maschine – wird als beste der möglichen Lösungen präferiert.

Problem: Die Qual der Wahl der neuen Waschmaschine.
Lösung? Nun ja.
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Kinder teilen.

Letzte Woche in der Kindergarten-Garderobe: Ein Kind berichtet mir beschwerend von seinem Ärger darüber, dass ein anderes Kind gestern nur mit Tochter, nicht aber mit ihm gespielt habe. Es hätte nicht mitmachen dürfen, wie ungerecht!
Versuch der tröstenden Erklärung meinerseits, dass sich sowas manchmal doof anfühlt, dass man versuchen kann, mitzuspielen, dass das manchmal aber eben auch nicht so richtig funktioniert, bla bla. Und auch, dass das betreffende Kind sich aber sicherlich frei entschieden habe, denn Tochter könne ja nicht über es bestimmen. Nach kurzem Nachdenken der Einwand: „Die Erzieher haben aber gesagt, dass das Kind nicht nur für Tochter hier ist, sondern für alle Kinder!“ Darauf ich: „Nee, das Kind ist hier, weils es hier schön findet und weil die Eltern es hergebracht haben, aber nicht für einen oder alle von euch.“

Schlaue Antwort des klugen Gesprächspartners: „Stimmt, ein Kind ist ja kein Spielzeug.“ Genau.

Schulauswahlgespräche

Zwei Geschwister ins Gespräch vertieft auf dem Balkon. Thema: Einschulung. Die Kleine zum Großen: „Du, stell dir vor, xyz kommt in eine total gemeine Schule! Da darf man nur mit Holz spielen und nie mit Plastik, und da gibts nur Buntstifte und man darf nie raus, sondern muss den ganzen Tag drinnen bleiben und sich aus Holz und Papier Zeug selber bauen. Und wenn man was aus Plastik mitbringt, muss man vor der Tür warten zur Strafe.“
– Also, keine Ahnung, wo sie diese Klischeeinfos her hat, aber es ist doch recht offensichtlich: In die örtliche Waldorfschule möchte das Kind nicht..

Big Brother Award für VWI Verlag

Was heute noch passieren wird bei den BigBrotherAwards2011, verrät schon jetzt netzpolitik.org. Für mich aufgrund eines aufregenden Sommers 2010 besonders interessant folgende Auszeichnung:

Verbraucherschutz: Verlag für Wissen und Innovation in Starnberg

Der BigBrotherAward 2011 in der Kategorie Verbraucherschutz geht an den Verlag für Wissen und Innovation in Starnberg für das Abschöpfen von Adressen als Gegenleistung für Büchergutscheine. Der „Verlag“, von dem man im Buchhandel gar keine Bücher kaufen kann, der aber Geschäftsbeziehungen zu einem Vitaminpillenhersteller und Finanzdienstleistern unterhält, lässt Schulen in seinem Namen Büchergutscheine an Kinder verteilen. Die „Geschenke“ bekommt man aber nur, wenn man Namen und Anschrift des Kindes und mindestens eines Elternteils zurück meldet. Die Jury der BigBrotherAwards hält diese Praxis für besonders kritikwürdig, weil Schulen nicht als Datenpools für die Wirtschaft missbraucht werden dürfen. (laut telefonischer Aussage des Inhabers hat der Verlag die Tätigkeit vor einem Monat eingestellt; auch hätten sie Ihr Vorgehen aufgrund von Kritik selbst als „nicht so ok“ angesehen).

Da hab ich wirklich was angepiekst... (und hier) Hach.

Zensuskommission zu den BigBrotherAwards 2011

*lol* Da sitz ich gerade so schön in der Bloggerlounge bei den BigBrotherAwards in Bielefeld, weil im Plenum kein Platz mehr war, und checke schnell mal meine Mails. Und was finde ich da? Eine mir vom DIW zugesendete PM von heute Mittag, Sperrfrist 18:00 Uhr, die ich leider nicht leaken konnte, weil ich kein Netz hatte bis eben. Nun spricht der Vorsitzende der Zensuskommission gleich, nachdem er seinen Award entgegennehmen musste-durfte-hat.
(Oh, großer Fail in der Live-Kommunikation, er will ihn nur von „ner jungen Dame“ und bittet den Laudator darum, sich zu setzen, weil er jetzt viel sagen möchte…)

Nun ja, ich blogge hier jedenfalls jetzt im pdf-Abruf die PM, vielleicht interessierts ja wen 😉

Flik Flak. Schnickschnack.

Einer meiner ersten Konsumträume war eine Uhr. Flik Flak, die Schweizer Uhr für Kinder, tönte es in meiner DDR-Kindheit aus dem westlichen Fernsehprogramm, und wie bezaubert sah ich auf dem Bidlschirm die beiden befreundeten Zeiger, den kleinen roten und den langen blauen, im Kreis drehen und freundlich lächeln. So die Zeit zu messen, das musste es sein.

Nicht nur in Erinnerung an diese Träume stand, als das große Kind begann, die Zeit zu messen, für mich als Prenzlauer-Berg-Qualitätsorentierte-Gutproduktkaufende-Privilegienmutter natürlich fest, von welchem vertrauensvollen Markenunternehmen ich also das entsprechende Uhrwerk kaufen würde. „Flik Flak. Schnickschnack.“ weiterlesen

Nadia Plesner: Time for intervention


Die dänische Künstlerin Nadia Plesner hat mit Darfurnica ein hochpolitisches Kunstwerk geschaffen, mit welchem sie auf die furchbare Situation in Darfur aufmerksam machen will. Ihre Arbeit Darfurnica ist eine moderne Version von Picassos Guernica. In ihrem Werk stellt sie Ereignisse in Darfur mit zeitgleich aufgetretenem, weltweit beachtetem Hollywood-Klatsch parallel dar, um so auf die Absurdität dessen, was in der öffentlichen Wahrnehmung als wichtig wahrgenommen wird, hinzuweisen.

An der Schnittstelle zwischen Darfur und Hollywood steht in ihrem Bild ein halbverhungertes Kind mit einer Handtasche. Und genau diese Darstellung soll der vielbeachteten Künstlerin nun zum Verhängnis werden: Louis Vuitton hat die Künstlerin verklagt (bereits zum zweiten Mal übrigens, es gab zwischen dem Unternehmen und der Künstlerin schon einmal eine ähnliche Auseinandersetzung).

Das Anliegen von Nadia Plesner ist es, die Geschehnisse in Darfur in die weltweite Medienöffentlichkeit zu bringen, und die von ihr gewählte Ausdrucksweise sollte Teil ihrer künstlerischen Freiheit sein. Es ist gut zu wissen, dass das Dänische Museum HEART die Künstlerin hier unterstützt: Ab dem 21. März 2011 wird Darfurnica dort öffentlich ausgestellt.

Wer der Künstlerin helfen will, kann z.B. spenden, um sie in ihrem Prozess zu unterstützen.

Update: Eben einen Artikel vom Januar aus der WELT online gefunden – auch Henryk M. Broder hat sich mit Dafurnica und dem Vuitton-Konflikt (nun ja, dem alten und dem zu erwartenden, der im Januar noch nicht klar war) befasst. Und kommt zu dem Schluss, dass doch hoffentlich seitens Vuitton die Konsequenz eine „fette Spende für Darfur“ sein sollte.
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Schafft Infrastruktur: Internet für Libyen!

Einer der TopTweets auf Twitter heute lautet:
Und während alle auf eine Wolke starren, gegen die sie nichts machen können, fliegen in Libyen Flugzeuge, gegen die sie was machen können.

Mir gehts jetzt hier nicht um die Flugzeuge, sondern um Netz-Infrastruktur – um Möglichkeiten der Bereitstellung von offener Kommunikationsinfrastruktur. Für Berichte nach Außen, für freie Kontaktaufnahme, zum Hilfesuchen. Um Möglichkeiten der Meinungsbildung und der freien Meinungsäußerung. Telecomix bittet in Sachen Libyen dringend um Hilfe:

We are getting reports that the current modem lines are getting blocked in #libya. Plz set up your own proxy and post!

#Libya is blocking international calls to modem pools. Plz set up alternate proxies for the needy if you can!

Wer kann: Helft! Bitte.

Im Februar hatte ich hier ja auf entsprechendes Engagement schon für Ägypten verwiesen. Jetzt gilt ähnliches umso dringender für Libyen, wo die mediale Aufmerksamkeit für das, was dort aktuell vorgeht, aufgrund der dramatischen Ereignisse in Japan offensichtlich ebenso dramatisch abfällt.

Tragt dazu bei, Infrastrukturen aufzubauen, durch die mehr und mehr tatsächlich gilt, was sich Telecomix zum Ziel setzt:

We can write our own news. We are writing our own history as we speak. That is the full impact of the internets. In countries where correspondents are no longer allowed to report, citizens can themselves reach out for global support, and find ways to bypass the digital roadblocks built by their oppressors. We no longer need to be confined to what is „newsworthy“.