Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es im Grundgesetz. Was aber meint das praktisch, so in der ganz allgemeinen, durchschnittlichen deutschen Lebenswirklichkeits-Interpretation? Wie dürfen Menschen sich „ihrem Gefühl nach“ in Deutschland eigentlich „im Allgemeinen“ so verhalten? Welche Handlungsweisen, Redensarten, Verhaltensmuster anderen Menschen gegenüber sind durchschnittlich akzeptiert, welche verpönt, und wie deckt sich dies mit dem gesetzlichen Verständnis von einem angemessenen Miteinander? „Was erlaubt ist.“ weiterlesen
Autor: manu
Ornithologenfrage
Die Amsel vorm Fenster bricht sich vor Aufregung gleich die Stimme. Wahrscheinlich wegen der gefrorenen Eier.
Mit diesem Satz, der mir gestern angesichts der Temperaturverhältnisse und der krakeelenden Vögel in den Stadtbäumen vorm Haus durch den Kopf spukte, fing es an, und nun sind da Fragen. Fragen über Fragen und eigentlich keine Zeit zum Recherchieren. Vielleicht weiß ja jemand anderes da draußen die Antwort und schreibt sie mir?
My new darling
Seit Tagen wische, reibe, schmiere ich in jeder freien Minute, hantiere mit Spiritus und Petroleum. Lerne, dass sich in einem Elektromotor Kohle befindet (lacht nicht: Ich wusste das nicht bisher), ermittle Keilriemengrößen und versuche herauszufinden, wie das mit 220V- versus 230V-Anschlüssen ist. Meine Hände sehen aus wie die von meinem Papa, wenn er zu lange in der Werkstatt geschraubt hat. Und warum? Damit mein Geburtstagsgeschenk an mich bis zu meinem nahenden Geburtstag auch läuft. Es steht nämlich schon in meinem Büro, neben meinem Schreibtisch, der kurzfristig für dieses kleine neue Spielzeug auch komplett ausgetauscht werden musste, und lenkt mich mächtig ab…
Das neue alte Spielzeug: Eine eiserne Lady aus den 1950er Jahren. Eine Industrienähmaschine. Eine Pfaff 138-115.
Was ich damit, wenn sie erst mal läuft, nicht nähen kann, liegt dann wohl an mir und lässt sich nicht mehr aufs Maschinchen abwälzen. Aber bis sie wirklich läuft, ist es noch ein respektabler Weg.
Wollt ihr schon mal schauen? „My new darling“ weiterlesen
In Mathe bin ich Deko. Oder: Otto weiß, was Mädchen wollen. Not.
T-Shirts mit lustigen Sprüchen sind ja vielleicht ganz nett. Gar nicht nett ist es jedoch, wenn sie Sexismen und Vorurteile (re)produzieren. Ein ganz besonders „gelungenes“ Beispiel dafür hat aktuell der Versandhändler OTTO in seinem Programm. Das nebenstehende Long-T-Shirt „für Mädchen“ ab Größe 92/98 (ca. 2-3 Jahre).
(Bildcollage aus den Grafiken von Otto.de und den Bildern bei Artikel-Nr. 718531W)
„Ein modisches Shirt für Mädchen, das rundum begeistert!“, meint Otto. Yeah. Das lässt Vorurteile auferstehen. Viva!
Ach ja, falls nun direkt jemand meint: „Aber ICH kenne da eine, die war in Mathe ECHT schlecht, da MUSS doch was dran sein!“, verweise ich zum Anlesen mal auf einige Links. Kann ja nicht schaden.
Bittesehr:
Pädagogische Hochschule Ludwisburg: Mathematikdidaktik für Schüler/-innen
Landeselternausschuss Berlin: Auch Mädchen können Mathe
Deutsche Mathematiker Vereinigung: Frauen und Mädchen in der Mathematik
Universtität Essen: Gender-Aspekte im Mathestudium
Nachtrags-Ergänzungs-PS: Ja, ich habe durchaus wahrgenommen,dass Otto auch in der „Jungs-Abteilung“ ein Mathe-Dislike-Shirt mit dem Spruch „Mathe-Allergiker“ vertreibt. Das rechtfertigt aber nicht die „für die Mädchen“ ausgepackte Klischeekeule…
Datenklau die Xte, diesmal: Bertelsmann
Wie schützenswert sind „Kinderdaten“? Was dürfen Unternehmen, und was nicht? Ist diese alte Buchverschenk-Masche, die eigentlich zum Datensammeln dient, wie ich ja auch schon mal in anderem Zusammenhang feststellte, gesetzlich legitim? Und/oder moralisch? Wie genau, und in welchem Umfang, funktioniert das Ganze? Sehr interessant ist, was Gutjahr dazu in aktueller Angelegenheit ansehnlich aufbereitet verbloggt hat.
Da heißt es prägnant:
„Die Datenfänger von Gütersloh: Mit Millionen von Gutscheinen, die Bertelsmann an deutschen und österreichischen Schulen verteilt, geht der Medienkonzern gezielt auf Adressenjagd von Minderjährigen – und läuft Sturm gegen die geplante Datenschutzverordnung in Brüssel.“
„Deutsche Verlage bezeichnen Google und Facebook als Datenkrake. Recherchen von LobbyPlag haben ergeben: Zu den größten Datenkraken zählen die Verlage selbst, die in Berlin und Brüssel Druck ausüben, um auch weiterhin an die Daten – insbesondere von Kindern und Kleinkindern – zu gelangen.“
Es lohnt unbedingt, den gesamten Artikel zu lesen. Und ich bin auch gespannt auf die Antwort auf die Kleine Anfrage, die Martin Delius im Berliner Abgeordnetenhaus hierzu, wie auf Twitter verkündet, gestellt hat: Meiner Meinung nach dürften all diese Aktionen nämlich – auch im laut Berliner Schulgesetz eng gesteckten Rahmen für erlaubte Werbung – selbst bei Zustimmung der Schulleitung und/oder Schulkonferenz nicht zulässig sein. Laut der Allgemeinen Anweisung (AllA) Werbung vom 10.06.1997, ABl. 1997 S.3074 und RdSchr. vom 22.12.1997 an die Bezirksämter, an das Landesschulamt sowie alle Berliner Schulen gilt nämlich für Berlin:
„Kommerzielle und sonstige Werbung ist gestattet, sofern sie nicht gegen rechtliche Bestimmungen oder das öffentliche Wohl verstößt und mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag vereinbar ist. Ausschöpfung aller vertretbarer Einnahmequellen, keine Bevorzugung bestimmter Branchen und keine verdeckte Subventionierung. Die Entscheidung trifft die Schulleitung. Plakatwerbung, die mit Veränderungen am Schulgrundstück verbunden ist, bedarf des Einvernehmens mit dem Schulträger. Sponsoren dürfen keinen Einfluss auf die Unterrichtsorganisation nehmen. Die Gesamtkonferenz kann mit 2/3-Mehrheit Grundsätze zu Werbung und Sponsoring beschließen.“ (Unterstreichung / Hervorhebung von mir; Quelle: Kanzlei Meyer-Albrecht, Rechtliche Bestimmungen der Bundesländer zu Werbung und Sponsoring an Schulen, pdf-Abruf)
Was aus Carpe Diem wurde
Ha. Danke für diesen Kommentar heute – und ich erlaube mir mal, das prominent nach vorne zu ziehen. Ihr erinnert euch noch an Datenklau im Klassenzimmer und das Wespennest, in das nicht nur ich damit stach? Der NDR hat dazu jetzt was Neues. Solltet ihr anschauen, unbedingt.
Ach ja, die Anwaltskanzlei, die mich damals verklagen wollte, vertritt, wie der NDR im Bericht darlegt, auch Carpe Diem, und nachdem es, wie ebenfalls der NDR recherchierte, Carpe Diem nun so nicht mehr gibt, gibt es inzwischen wieder ein neues Unternehmen. So bleibt der Spruch „Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, muss sich alles verändern“ in nicht schöner Weise einmal mehr: Wahr.
FILMTIPP: Heute 22 Uhr auf arte WATER MAKES MONEY
Übermorgen Mittag (14.02.) beginnt in Paris der Prozess des Veolia-Konzerns gegen den Film Water Makes Money; der französische Veolia-Konzern fühlt sich durch den Sprachvorwurf der Korruption seitens der Filmschaffenden verleumdet (die gezeigten Inhalte, aus denen sich diese Schlussfolgerung ergab, werden anscheinend wohl nicht moniert; interessant..).
Der Film, in welchem es Wasserprivatisierung weltweit geht, ist auch ohne den aktuellen Klageanlass absolut sehenswert – das Thema geht uns ja, ganz aktuell auch hinsichtlich der Debatte um eine mögliche Wasserprivatisierung in der EU, alle an. Die Chance, diesen Film heute ganz offiziell und unproblematisch zu sehen, bevor dies zukünftig möglicherweise mindestens offiziell erschwert wird, solltet ihr euch keinesfalls entgehen lassen. Arte, 22 Uhr.
Am Donnerstag (14.02.) gibt es in Berlin übrigens im Regenbogenkino anlässlich der Prozesseröffnung gegen Film, Vertrieb und Protagonisten um 19:30 Uhr eine Live-Filmvorführung, mit der sich u.a. der Berliner Wassertisch solidarisiert hat.
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Lesen: Wissenschaftlicher Kommentar zur Sexismus-Debatte
Seit gestern macht dieser lesenswerte wissenschaftliche Kommentar (pdf-Abruf) von Prof. Dr. Gerd Bohner , Dipl.-Psych. Charlotte Diehl und Dipl.-Psych. Jonas Rees, alle tätig am FB Psychologie der Universität Bielefeld u.a. via Twitter die Runde. Sehr aufschlussreich. Solltet ihr gelesen haben, jedenfalls empfehle ich euch dies. Der Kommentar unterfüttert nämlich die #Aufschrei-Diskussion um wissenschaftlich belegte Daten und widerlegt damit die verschiedentlich geäußerte Behauptung, diese Debatte sei doch an der Realität vorbei oder gar hysterisch.
„Lesen: Wissenschaftlicher Kommentar zur Sexismus-Debatte“ weiterlesen
Menschenfeindliche Überwachungssoftware: „Made in Germany“
In der vergangenen Woche gaben Reporter ohne Grenzen eine lesenswerte Pressemitteilung anlässlich der OECD-Beschwerden gegen Hersteller von Überwachungssoftware, deren Auswirkung schlimmstenfalls tödlich sein kann, heraus:
„Die Münchener Trovicor GmbH und die britisch-deutsche Gamma Group produzieren Überwachungssoftware, die von autoritären Staaten zu Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden kann. Privacy International, Reporter ohne Grenzen, das Bahrain Center for Human Rights (BCHR), Bahrain Watch (BW) und das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) haben deshalb OECD-Beschwerden gegen beide Unternehmen eingereicht. Der entsprechende Schriftsatz zu Trovicor wurde heute der deutschen Nationalen Kontaktstelle für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen in Deutschland übergeben, der Schriftsatz zu Gamma am vergangenen Freitag der Nationalen Kontaktstelle in Großbritannien. (…)“
Ein ausführliches Hintergrundpapier könnt ihr zudem hier als .pdf abrufen.
Am 04.02. veröffentlichte Patrick Beuth bei Zeit online in einem Vorab-Artikel bereits zum Thema und der bevorstehenden Beschwerde.
Gestern berichtete das BR/B5-MedienMagazin. Aus der Sendung:
„In Deutschland würde eine solche Praxis sofort als verfassungswidrig verurteilt und verboten. In totalitären Staaten wie Bahrein oder Syrien verwandelt sich die Nutzung des Internets dadurch in eine Frage von Leben oder Tod. Daher müsse der Export solcher Überwachungstechnik gestoppt werden, sagt Wolfgang Kaleck, Generaldirektor des ECCHR.
Die gesamte Sendung vom 10.02. könnt ihr hier nachhören.
Ächtung von Kampf- und autonomen Drohnen
Ihr interessiert euch für „den durch Drohneneinsätze ausgelösten Wandel bei Kriegsführung und Repression von demokratischen Bewegungen“? Ihr habt am 02. März noch nichts vor? Ihr wolltet sowieso schon immer mal nach Hannover? Dann fahrt zum bundesweiten Vernetzungstreffen zum Thema „Drohnen“, koordiniert von den Friedensbüros Hannover und Berlin!
„Worum geht es?
Es gibt viele Gruppen und Einzelpersonen, die sich gegen den fortschreitenden Einsatz von Drohnentechnologie im Inneren wie im Äußeren einsetzen bzw. kritisch Stellung dazu beziehen. Deutschland ist hinsichtlich Forschung, Entwicklung, Produktion und Anwendung von Drohnentechnologie ein „Global Player“, doch werden die mit der Drohnentechnologie verknüpften Fragen der Ausweitung von Kriegs-, Tötungs- und Repressionsstrukturen in der Öffentlichkeit bislang nur sehr wenig diskutiert und kritisiert. Dieses Treffen soll eine Gelegenheit zum Kennenlernen und Vernetzen sein. Wir möchten uns austauschen und über gemeinsame Initiativen in der Arbeit zur Drohnentechnologie beraten und – wenn möglich – ganz konkret werden lassen.“
HIER könnt ihr die ausführliche Einladung abrufen (pdf).
