Erstes Problem: Die Waschmaschine ist kaputt.
Ergibt Problem: Zwei Leute mit Studienabschluss, eine der beiden Personen zudem mit Informatiker-Background, überlegen, was nun zu tun ist.
Lösung a: Eine neue Waschmaschine kaufen.
Lösung b:Wäsche im Waschsalon waschen.
Lösung c: Wäsche nicht mehr waschen.
Lösung d: Wäsche im Wechsel bei Nachbarn udn Freunden waschen.
Auswertung und Strategie:
Lösungen b, c und d werden als für die Bedürfnisse der betroffenen Individuen suboptimal bewertet; Lösung a – Kauf einer neuen Maschine – wird als beste der möglichen Lösungen präferiert.
Problem: Die Qual der Wahl der neuen Waschmaschine.
Lösung? Nun ja.
(Der nachfolgende Dialog ist absichtlich keinen klaren Rollen zugewiesen, da sich bei den meisten Aussagen nicht mehr zweifelsfrei herausfinden lässt, wem welches schlaue Argument zuerst eingefallen ist..)
„Lass uns doch einfach die hier bestellen. 329€, die kann für nen Aufschlag morgen geliefert werden.“
„Oh, ich hab die gerade mal gegoogelt, nee, die hat aber total schlechte Schleuderwerte. Die kommt nicht infrage.“
„Hmm.“
„Hmm.“
„Aber wir müssen doch eine kaufen. Also, was machen wir jetzt?“
„Lass‘ uns doch erst mal eine Liste machen, was das Teil unbedingt können soll.“
(Toter Baum und ein Stift werden hervorgekramt)
„Auf Papier?!“
„Klar, die soll ja dann auch nicht nur virtuell waschen!“
„Okay, erster Punkt: Sie soll Wäsche waschen.“ (Stift kratzt auf dem Papier umher)
„Du schreibst da jetzt aber nicht ernsthaft Wäsche waschen hin, oder?!“
Nach erheblicher Diskussion ergeben sich folgende Kriterien:
Hohe Schleuderleistung -mind. 1400 U/min, soll in Stufen verringerbar und abschaltbar sein; mindestens 7kg Wäsche-Ladungs-Vermögen, 8 kg bevorzugt; Schnellwaschprogramm; geringer Strom- und Wasserverbrauch; möglichst leise; Startzeitvorwahl.
„So, jetzt suchen wir mal nach ner Seite, die diese Kriterien vergleicht.“
„Hier, bei dem Versandhaus, da kann man ne Vergleichsliste erstellen.“
Modelle werden angeklickt, in die Liste aufgenommen.
„Toll, das geht nur bis 8 Geräte. Und schau dir mal die Ansicht an, das wird überhaupt nicht vergleichend lesbar ausgegeben!“
„Wieso, das geht doch, muss man halt ein bisschen scrollen.“
„Nee, ich schreib mal schnell ein Skript.“
(Pause, Getippsel einerseits, Weitergesurfe und -gesuche andererseits)
„UND?“
„Ich habs gleich!“
Tasten klickern.
„Ich hab jetzt mal währenddessen die Werte aus der Liste verglichen und 3 rausgesucht, die ganz okay zu sein scheinen. Und den letzten Test von Stiftung Warentest zum Thema.“
„Zeig mal her.“
Notebooks werden hin- und hergedreht.
„Andererseits – die Testsieger dort sind doch dann automatisch gleich wieder teurer, nur aufgrund ihres Testsiegerstatus‘!“
„Ja, das dachte ich auch – und zudem ist ja selbst schon die Auswahl der getesteten Geräte mindestens willkürlich.“
„Möglicherweise auch manipulativ.“
„Also beachten wir das jetzt nicht mit, ja? Aus Gerechtigkeitsgründen?“
„Hmm.“
„Hmm.“
„Also die hier kann 8 Kilo fassen und ist superleise, steht jedenfalls in der Produktbeschreibung.“
„Also bei Stiftung Warentest steht aber, dass die doch etwas laut-“
„Jetzt berücksichtigen wir die also doch?“
„Na, besser als gar keine Information!“
„Die hier wär auch was, gute Energiebilanz und 8 kg Trommel und kostet 450€.“
„Aber dazu gibts ja nun überhaupt keine Informationen, keine Testberichte,.. nicht mal über ein ähnliches Modell von der Firma.“
„Na, dann scheint sich ja aber keiner beschweren zu wollen!“
„Aber auch über den Hersteller findet man so gut wie nichts, das ist schon ein bisschen eigenartig. Dann doch lieber die Maschine von der Firma hier. Die kenn ich.“
„Ja, die Firma macht auch gute Monitore.“
„Na, das ist ja ein top Kriterium.“
„Die hier kostet 650 Euro und verbraucht mit Abstand von allen die wenigste Energie!“
„Wie viel weniger verbraucht die denn genau?“
„0,76kwh pro Waschgang, die anderen mit A oder besser als A bewerteten verbrauchen alle so mindestens 1,05, viele 1,18 kwh pro Wäsche.“
„Okay, in der Differenz sind das rund gerechnet 5 Ct pro Waschgang, wenn wir täglich waschen macht das im Jahr großzügig aufgerundet 20€ aus.“
„Ääähm – aber die kostet 200€ mehr als die erste. Da muss die 10 Jahre halten, bis wir das wieder rein haben.“
„Na, wenn die dann auch noch Wasser spart, sinds vielleicht nur 6 oder 7 Jahre.“
„Vielleicht. Wie lange hatten wir die letzte Maschine?“
„Ich glaub, 5 Jahre. Aber das war auch so’n Billigmodell.. – und jetzt brauchen wir schon ne neue, wenn du DAS jetzt wieder gegenrechnest..“
Schweigen, Suchen.
„Die hier wär auch was, gute Energiebilanz und 8 kg Trommel, Schleuderleistung okay, Strom und Wasser nicht ganz so niedrig, aber niedrig. Kostet beim günstigsten Anbieter 489,99.“
„Die Firma holt aber das alte Modell nicht kostenlos ab. Da kannste gleich noch mal 30€ für die Entsorgung der alten draufschlagen. Außerdem, schau mal auf die Waschzeiten: 200 Minuten eine Tour, die anderen Maschinen brauchen 130min.“
„Ist doch egal, solange das Schnellprogramm gut ist. Aber bei dem steht keine Minutenangabe und im Netz find ich auch nichts.“
„Ich maile den Hersteller mal an, die müssen das ja wissen.“
Drei Tage später.
„Was isn nun mit der Waschmaschine?“
„Die Firma hat noch nicht geantwortet wegen der Schnellwaschgangfrage.“
„Sollen wir heute mal in den Waschsalon..?“
„Nee, weißte, was das kostet? Wir bestellen heute eine, per Express.“
„Welche denn?“
„Ach ja.“
Ääähm, hat irgendwer so einen klitzekleinen Tipp parat?
Holt Euch ne gebrauchte. Is erstens gut für die Umwelt und gegen den blöden Alles-ständig-Neu-Produzieren-Wachstums-Wahn – und zweitens viel billiger. Es gibt da auch recht neue mit guter Energiebilanz. Hab ne Bosch WFP 3330 für 200 EUR bekommen, inkl. Lieferung und 1 Jahr Garantie.
Läden mit gebrauchten Maschinen gibts hier: http://www.gebrauchte-waschmaschinen-berlin.de/
sonst auch
http://www.billige-waschmaschinen-berlin.de/
http://www.qype.com/place/1623377-Workshop-Prenzlauer-Allee-Berlin?p_listing=1457528
Ihr habt eine reperatur gar nicht als mögliche lösung in betracht gezogen? Kann sich lohnen..
Oh, doch, natürlich – die haben wir schon hinter uns, irgendwas am Motor wurde schon mal repariert, war klar, dass das nicht ewig halten würde und die Kosten jetzt wären so hoch, dass es sich eben doch nicht mehr lohnt. Aber, ja, wir hätten genau genommen schon das letzte 3/4 Jahr intensiver nachdenken können in dem Wissen, dass das gute Stück dabei ist, sein Leben auszuhauchen – stattdessen sitzen wir nun rätselnd vor/hinter/über/auf Wäschebergen…
Oh Mist, noch eine Lösungsoption, und nicht mal ne schlechte. Na ich denke, bis Weihnachten haben wir’s dann.. Au wei 😉