Der Ton macht die Musik

Donnerstag zwischen Job und einer Abendveranstaltung, eine kleine Frau läuft mit einem Stapel an Zeitschriften und Papieren durch die Berliner Friedrichstraße und spielt mit dem Gedanken an eine kleine Erholungspause zwischen ihren Programmpunkten, sprich: mit dem Gedanken an einen kurzen Shoppingabstecher. Nur: Was tun mit dem großen Unterlagenstapel? Damit shoppt es sich so schlecht. Wäre ja schön, wenn frau dafür eine Tüte zum Verstauen hätte. Also freundlich mit Augenaufschlag bei H&M gefragt. Aber, sieh an: „Ditt jeht aba nich, is jejen uns’re Firmfilosofie. Da müssense schon was kaufn, hier, vielleicht son Haargummi für einsneunzich?“. Da die kleine Frau bekanntlich streichholzkurze Haare und keine Verwendung für Haargummis hat, verlässt sie das philosophische Bekleidungsgeschäft. Ihr Weg führt sie vorbei an den Galéries Lafayette. Ach, da könnte sie doch schnell eine Packung Carambar für die lieben Kleinen besorgen. An der Kasse bittet sie höflich nach einer größeren Tüte, „damit ich meine Zettelwirtschaft mit einpacken kann.“ Der Verkäufer ist kein charmanter Franzose: „Also, dafüa sind unsre Tütn abe nich jedacht!“ „Nun, es wird schon gehen, ich laufe ja damit für Sie auf der Straße wie ein flammenrotes Werbeschild umher, das sollte es wert sein.“ – Ob soviel Schlagfertigkeit rückte der knauserige Verkäufer zerknirscht grummelnd eine größere Tüte heraus, nicht ohne sich dabei fest auf einen grimmigen Gesichtsausdruck zu konzentrieren.

Auf stöckeligen Absatzstiefeln, aber zumindest mit eingetüteten Unterlagen, tippelt die kleine Frau weiter. Zum Bundestag, eine Abendveranstaltung. Dort angekommen, schmerzen die Füße. Das kleine Persönchen erspäht hinter der Erleuchtungsabteilung, die sie mit Bravour absolviert, ohne sich bis auf die Unterwäsche ausziehen zu müssen, einen Stuhl. Endlich. Die Erlösung. Kaum sitzt sie, kommt ein freundlicher Berliner Ordnungshüter angelaufen und fragt charmant: „Sajense mal, wat glaubense eijentlich? Der Stuhl steht da für beschädichte Pasonen, nich für Sie!“ Kurze Pause, dann legt er nach einer kurzen Musterung die uncharmanteste Frage nach, die man einer nicht betroffenen Frau nur stellen kann: „Oda sindse vielleicht schwanger?!“ Also wirklich!

Balin, ick liebe Dir, aber das war wirklich ein Tag der Superlative, den selbst ich erst mal verkraften muss..