Die Geschichte vom bösen, gemeinen, kriminellen Eiermann

Es war einmal eine nette ältere Nachbarin, die von ihrer jüngeren Nachbarin gefragt wurde, ob sie ihr zwei Eier fürs Abendbrot der lieben Kleinen geben könnte. Die nette ältere Nachbarin willigte, freundlich und zuvorkommend wie immer, ein. „Ja natürlich!“, flötete sie. „Gern, ich hole Ihnen zwei.“ Sie verschwand hinter ihrer Tür und kehrte kurz drauf mit zwei schönen landbraunen Eiern zurück. „Die sind frisch vom Markt, mein Mann und ich sind da ein wenig eigen.“ Die junge Nachbarin bedankte sich artig und stieg die Stufen zu ihrer Wohnung hinauf, um in ihrer Küche Crêpes-Teig anzurühren. Beim Aufschlagen der Eier fiel ihr Blick auf die rote Kontrollnummer, welche quer über den ovalen Schalen prangte: 3- undsoweiter.

Uuuups… da hatte wohl ein findiger Eiermann die nette Omi vom Lande (sie wohnt erst seit circa einem halben Jahr hier) ziemlich über den Tisch gezogen. Die erste Zahl der Zahlenreihe gibt nämlich bekanntlich Aufschluss über die Art der Tierhaltung, und Kategorie 3 hat mit dem glücklichen Landhuhn, welches im Kopfe der Dame vermutlich fröhlich über einen imaginären Bauernhof flatterte, ungefähr so viel zu tun wie Fanta mit frisch gepresstem Orangensaft:

„3“ ist genau genommen bei Eiern die schlechtest mögliche Kategorie und heißt: Fieses, tierquälerisch erzeugtes Hühnerei von einem gemein in einen Käfig eingequetschten armen Vogeltier (auch wenn, soweit ich weiß, seit diesem Jahr die Käfige ein bisschen größer sein müssen als vordem, immerhin.) Platz ist wohl in der kleinsten Hütte – auch in einem knapp A4-Blatt-großen Hühnerkäfig. Wenns langweilig wird: Einfach mal ein Ei legen…

Hmm – den Kindern haben die Crêpes trotz allem geschmeckt, und ich habe beim Braten fortwährend das Mantra vom guten Willen vor mich hingesagt. Denn der war bei diesem Landei-Landeier-Einkauf ganz sicher dabei. Aber diesen Eiermann, den müsste sich doch mal jemand vorknöpfen!


(Foto: [cc] Farmsanctuary.org)