Orangefadeout

Im Frühjahr vor fünf Jahren ging ich zu meinem ersten Piratenstammtisch. Ich weiß nicht mehr, wie die Kneipe hieß, ein Astra-Schild hing draußen, sie lag an der Viadukt-Trasse der U1 irgendwo Nähe Schlesisches Tor. Da war ich dann ziemlich schnell öfter, und kurz vor der Bundestagswahl entschloss ich, gebranntes SPD-Ex-Mitglied, mich doch auch zu einer neuen offiziellen Partei-Liaison.

25.09.2009 steht als Eintrittsdatum auf meiner Mitgliedskarte. Ein Feld für den Austritt ist natürlich nicht vorgesehen, so hackt sie sich ihre Austrittsmarkierung mit Edding selbst. 11.07.2014 steht da nun, es ist ein letzter Schritt des Abschieds, nach einem längeren Rückzug in die immer größere Distanz. Nein, es ist nicht das Programm, und es ist auch nicht etwa die totale Enttäuschung über das, was Piraten inzwischen auch innerhalb von Parlamenten tatsächlich bewegen – klar, hier ließe es sich ungeduldig werden, aber das liegt nicht am Einsatz vor Ort sondern an den leider oft so dicken Brettern, die da zu bohren sind. Und die ja durchaus gebohrt werden.
Ja, da sind bei aller Kritik und Sorge angesichts der wiederkehrenden Konflikte und befürchteten Richtungswechsel auch nach wie vor gute Leute mit tollen Ideen (nicht nur dir, liebe Julia, wünsche ich für die nächsten Jahre viel Erfolg, Glück und starke Nerven).
Aber da ist auch so viel (zu viel) internes Kreisen um Nichtpolitik, Strudeln und Trudeln in gegenseitiger Hassumklammerung. Ein Gate jagt das andere, jedes gleich unwichtig-überdimensioniert, verglichen mit dem, was eigentlich politisch vereinen und zu gemeinsamen Taten ermutigen sollte. Zu viel andauerndes gegenseitiges Misstrauen, gesät von Ich-Weiß-Letztlich-Nicht-Von-Wem (ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Mit dem Keim des Misstrauens lassen sich ja ganze Bewegungen sprengen, scheint es.) Vielleicht auch schlicht zu viel Partei. Es gibt eben kein richtiges Leben im falschen.

Ich bin, seien wir ehrlich, schon lange ziemlich raus. Eigentlich wollte ich diesen letzten Schritt mal gehen, wenn nicht gerade irgendein streitsames „Gate“ offensteht, aber die Tore der Piratenpartei verhelfen selten zu Diskretion (ein lobenswertes Gegenbeispiel könnt ihr hier unterstützen).

Ich bewundere all die, die sich nichtsdestotrotz konzentriert weiter engagieren und sich in ihrem Ton und ihrer Attitüde dabei sogar nach wie vor produktiv-freundlich verhalten. Ja, es gibt euch, und ich danke euch für euer Engagement, ziehe meinen Hut vor euch und halte euch die Daumen. Aber ich winke auch zum internen Abschied.

Hej då, Piraten. C’est fini.