Wer in Berlin auf den Hund kommt, oder besser gesagt: auf die Idee kommt, einen solchen halten zu wollen, der geht damit auch so einige Verpflichtungen ein. Nicht nur die (leider viel zu oft nicht einmal unter den grünen Teppich der Stadt gekehrte) Verpflichtung, sich um die Exkremente des tierischen Lieblings zu kümmern. Sondern unter anderem auch die Verpflichtung, das Tier „chippen“ zu lassen.Der Zoologische Zentralanzeiger schrieb hierzu schon 2007:
In Berlin gibt es seit 2004 Bestimmungen zur Kennzeichnung von Tieren mittels Mikrochip. So gilt für alle Hunde, die nach dem 1. Januar 2005 neu angeschafft wurden, eine Kennzeichnungspflicht mittels Mikrochip. Für alle Hunde, die vor diesem Zeitpunkt angeschafft wurden, gilt eine Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2010. Das heißt, spätestens 2010 muss jeder Hund in Berlin gechippt sein.
Im Gesetz über das Halten und Führen von Hunden in Berlin vom 29. September 2004 (GVBl. S. 424), zuletzt geändert durch Gesetz vom 23. Juni 2005 (GVBl. S. 338) heißt es hierzu im Abschnitt über Ordnungswidrigkeiten (§12 Abs.1 (4)):
Ordnungswidrig handelt, wer entgegen § 1 Abs. 5 einen Hund nicht mit einem Chip gemäß ISO-Norm fälschungssicher kennzeichnet oder das Auslesen der Chipnummer nicht duldet und unterstützt.
Erkenntnisse hieraus: Es gibt keine Diskussion, in Berlin jedenfalls müssen alle Hunde mit nem digitalen Speichermedium unter der Haut ‚rumlaufen – wer sich auf seinen Vierbeiner bezogen nicht daran hält, verstößt gegen das Gesetz.
Lässt sich nicht so einfach kontrollieren, weil es derzeit wohl nach meinen Informationen noch nicht genug entsprechende Lesegeräte bei den Ordnungsamtsmitarbeitern gibt, aber das ist sicher auch schon in Arbeit. Hach, herrlich – da freut sich eine ganze Industrie..
Und was erst mal an Hunden erfolgreich getestet ist, lässt sich dann herrlich ausweiten – (nicht nur) in den USA gibts das ja auch schon für Menschen (siehe Süddeutsche-Artikel vom 26.10.2004, unten verlinkt). Toll, dann brauchen wir für das Wiederauffinden verlorengegangener Kinder auch keine Transponder-Armbänder mehr, sondern setzen die Teile einfach standardisiert bei der Geburt. Oder vielleicht gleich pränatal im Zusammenhang mit einer Fruchtwasserpunktion oder so?
Aber ich schweife ab. Zurück zu den Erkenntnissen aus obigem Zitat. Darin steckt nämlich auch: Chips gemäß ISO-Norm sind also fälschungssicher. Ist das wirklich so? Ich warte ja darauf, dass der CCC bald mal einen Hund sozusagen digital zum Affen macht und diesem dann Zucker gibt. Das Ganze nennen wir dann „Datenskandal im Tierpark Berlin“. Oder so.
(Btw.: Irgendwie bin ich in diesem Zusammenhang ganz froh, dass der Berliner Landesverband der Piratenpartei die anstehende Landesmitgliederversammlung jetzt doch nicht im Tierheim abhält, wie es eine Zeitlang im Gespräch war…)
–
Kleiner Nachtrag
Ich habe da gerade so eine Zukunftsvision: Wenn dann der städtische Raum aus diversen Gründen – Diebstahlvermeidung, Fahrkartenprüfung, Erforschung des Konsumentenverhaltens, … – erst einmal flächendeckend mit RFID-Scannern ausgestattet ist, dann sollten nicht nur subversive Elemente, falls sie einen Hund geschenkt bekommen, vielleicht lieber ein wenig gründlicher über die Motivation des Schenkenden nachdenken.. (just kidding)
—–
Weiterlesen? Geht hier:
Senatsinfos auf berlin.de zum Thema Hundehaltung in Berlin
Hundeinfoportal/Ämter in Berlin
—
Man beachte die Ähnlichkeit der nachfolgenden Titel (besonders in Verbindung mit dem SZ-Artikel..):
Tagesspiegel, 06.01.2010: Chip für Hunde. Das geht unter die Haut.
B.Z., 11.01.2010: Dieser Pass geht unter die Haut.
Süddeutsche Zeitung, 26.10.2004: Mikrochips als Ausweise – Daten, die unter die Haut gehen.
—
Neues Deutschland, 29.12.2009: Kennzeichnung von Hunden
Süddeutsche Zeitung, 24.05.2007: Singapurs Fische mit eingebautem Mikrochip.