Da wohnen wir so schön vor uns hin in unserem gammeligen Eckhaus von 1907 oder so, mit relativ desinteressierter Hausverwaltung, günstiger Miete, aber auch immer mal wieder kaputtem Dach und freuen uns, dass es so was noch gibt in Pankow (wobei uns das öfter kaputte Dach dabei nicht so beglückt wie die günstige Miete, selbstredend). Um dann schockiert feststellen zu müssen: Hier wird, wie es so schön neudeutsch heißt, gentrifiziert, dass die Wände wackeln! Oder ist es einfach nur bürgerliche Spießigkeit, die unser Haus ergriffen hat?! Was geschah:Da war einmal ein Fahrradladen, den hatte so ein junger Typ eröffnet, ist schon einige Jährchen her. Der wohnte da in den hinteren Räumen, hatte vorne den Laden, ständig hingen da mindestens 5 Kumpels rum.
Man konnte sich da alles mögliche ausborgen, von Werkzeug bis zu selbstgebauten Fahrradanhängern zum Kram-Transportieren, und überhaupt waren die ziemlich entspannt, umgänglich, angenehm desinteressiert und dabei aber eigentlich immer gut drauf, auch noch in den späteren Abendstunden. (-Sehr praktisch für Leute wie mich, die ihr Fahrrad gerne abends reparieren lassen, weil sie’s tagsüber brauchen…)
Bis vor ein paar Tagen: Da wehte ihnen eine fristlose Kündigung ins Haus, anscheinend wegen gehäufter Lärmbeschwerden einiger Mieter.
Unnütz zu sagen, dass aber eine gemeinsame Hau-Ruck-Aktion, bei der alle Betroffenen mal gemeinsam überlegen, wie man friedlich koexistieren kann, vielleicht gemeinsam die total dünnen Decken isolieren oder so, nie stattfand.
Unnütz zu sagen, dass mindestens einige von denen das billige, entspannte, aber auch relativ unversorgte Haus vermutlich beim Einzug noch cool fanden und für die billige Miete sonen Fahrradladen-Jugendclub billigend in Kauf nahmen.
Unnütz zu sagen, dass so ziemlich alle, die sich beschwert haben, erst in das Haus eingezogen sind, als es den Fahrradladen schon lange gab, oder seitdem ihr Leben ziemlich umgekrempelt und vermutlich so manche Priorität im Leben verändert haben.
Unnütz zu sagen, dass ich, wenn ich wie so oft abends / nachts nach Hause kam, den Laden recht leise fand (im Vergleich zu den Orten, von denen ich gerade kam), und insofern die Beschwerden mancher nicht richtig nachvollziehen konnte geschweige denn diese verstärkt oder gar bestätigt hätte – aber ich wohn‘ auch unterm Dach.
Und natürlich, haben wir ja heute in der Extremen in der Liebig14 gesehen, völlig unnütz zu sagen, dass „rein rechtlich“ natürlich die anderen Mieter und die Hausverwaltung „Recht“ hatten und die Störenden gefälligst weg müssen, weil ein Fahrradladen eben kein Jugendclub ist und das Leben kein Ponyhof.
Unnütz zu sagen aber auch, dass die netten Fahrradladenjungs im Innenstadtbereich wohl kein vergleichbares Mietobjekt finden werden und nun erst mal – der Kurzfristigkeit geschuldet, wenigstens konnten sie die finden – eine ungeheizte Halle relativ in der Nähe auf nem Fabrikgelände bezogen haben, um ihren ganzen Krempel zu lagern. Kann man für sie nur auf die Erderwärmung hoffen.
Menno, nun seh ich die leere Traurigkeit also jeden Tag, beim Runter- und Hochgehen. Wer da wohl reinzieht, demnächst? Ich schwanke ja ein bisschen, zwischen Angst und Hoffnung. Soziales Tagsüber-Kiezprojekt, anyone?
(Wird wohl nix: Die Mieterwartungen dürften mit dem Fahrradladen-Auszug in gewisse Höhen steigen…)