Lieber Markt, der du alles regelst, wir müssen reden.
In Zeiten, in denen zu Recht und zum Glück alle alles machen können, Frauen und Männer sich gleichberechtigt um die drei K’s und das K Nummer Vier namens „K wie Kohle“ kümmern, verwundert mich doch eines:
Warum gibt es in keiner einzigen großen „Frauen“Zeitschrift die Rubrik „Technik“, schlicht und einfach verankert neben den altbewährten Rubriken „Beauty“, „Style“, „Kochen“, Backen“, Wellness“, „Reise“ und „Kinder“? Die Rubrik „Business“ oder auch „Beruf“ hat es, oh Jubel, inzwischen ja wenigstens vielfach in die fest integrierten Sparten dieser Zeitschriften geschafft, da wäre es doch nun mal ganz dringend Zeit für eine neue Neuerung!
Lieber Markt, ich sehe ein, dass so eine Entscheidung nicht überstürzt werden darf. Aber in einer Zeit, in der schon seit Jahren 79 Prozent aller deutschen Haushalte einen Computer besitzen, in einer Zeit, in der jeder vierte Haushalt hierzulande ein Smartphone sein eigen nennt und in der das Internet für alle möglichen und unmöglichen Fragen des Lebens und der gesellschaftlichen Teilhabe immer wichtiger wird – in einer solchen Zeit willst du mir noch glaubhaft machen, dass Frauen sich wirklich (außer, um die RSS-Feeds dieser für sie bestimmten Damenmoden-Koch-Reise-Zeitschriften zu abonnieren oder Bubbleshooter zu spielen) nicht für Technik interessieren (lassen)?!
Markt, ganz ehrlich: Selbst, wenn sie tatsächlich (was ich nicht glaube, aber sei es drum) ihre Anwenderkenntnisse nur nutzten, um bei Zalando oder amazon Schuhe zu kaufen, bei Ebay ihre Douglas-Parfumpröbchen zu vertickern, bei Dawanda selbstgestickte Kissenhüllenbilder hochzuladen, mit der besten Freundin am anderen Ende der Welt zu skypen oder um zwecks Kostümchenwahl für den nächsten Tag den Wetterbericht zu checken, bliebe eines gewiss:
Frauen benutzen hierfür – richtig: TECHNIK!
Sie brauchen einen Computer, vielleicht auch zwei, vielleicht auch ein Smartphone für unterwegs. Die Geräte müssen laufen, vielleicht auch miteinander synchronisiert werden, sollen sicher nicht nach kurzer Zeit virenverseucht sein, sondern möglichst solide funktionieren. Sicherlich bei den meisten Nutzenden ohne großen Aufwand, aber das ist eine geschlechtsneutrale Annahme.
Markt, lieber Markt, glaubst du wirklich, dass die meisten Frauen zum Beispiel von Festplatten-Backups keine Ahnung haben, weil ihnen die Daten auf diesen Rechnern in 79% aller Haushalte, vermutlich also auch in ihrem eigenen, total scheißegal sind? Meinst du wirklich, sie hätten kein Interesse daran zu erfahren, wie sie möglichst gut gesichert online shoppen können, um mal schön plakativ zu bleiben?
Wie kommt es nun also, dass nichtsdestotrotz viele Frauen irgendwie der Meinung sind, „Technik“ und insbesondere IT-Technik ginge sie nichts an, obwohl du und ich nach obigem nun definitiv wissen, dass das so eigentlich gar nicht stimmt?
Ich will ja keinen direkt anschauen, daher frag ich mal nur so durch die Blume: Könnte dieses latente Desinteresse vielleicht doch zumindest ein ganz klitzekleines bisschen mit daran liegen, dass bestimmte Themen – auch von dir – nie so richtig „für Frauen“ gedacht, geschrieben und gemacht waren?
Markt, ist ja gut: Die Ursprungsdebatte, wer hier die Henne ist und wer das Ei, brauchen wir in diesem Gespräch meinetwegen nicht klären. Fakt bleibt aber: Auch die klischeehafteste Mutti von nebenan hat inzwischen ’nen Rechner. Nun ja, und da wäre es doch wirklich schön, wenn sie mit dem auch handfest umgehen könnte.
Lieber Markt, ich möchte ja gar nicht zu viel verlangen: Eine zu erfindende Technik-Rubrik in diesen Zeitschriften, von denen ich sprach, bräuchte ja gar nicht besonders speziell zu sein! Es ginge doch eigentlich bloß darum, den Lauf der Zeit abzubilden und alle zum Einstieg einzuladen, die – warum auch immer, ich geb ja Ruhe – vorerst vielleicht noch eine gewisse Scheu verspüren, statt die Option „Technik und Frauen“ weiter so laut wie möglich totzuschweigen.
Es bräuchte für den Anfang doch bloß drei oder vier regelmäßige Seiten mit gut gemachten, informativen Einstiegsinhalten – bei um die 150, 200 Gesamtseiten mancher Zweiwochen- oder Monatszeitschriften wäre das doch eigentlich ein Klacks.
Ganz im Sinne des Konsums könnte dort neben den Artikeln meinetwegen auch Werbung für IT-Kram, für Software, für thematisch tiefer gehende Zeitschriftenformate geschaltet sein – Konsumkritik machen wir mal in einem anderen Artikel, lieber Markt, heute bin ich in dieser Hinsicht ganz bei dir. Stell dir das mal vor, eine Webhoster-Werbung in einer Frauenzeitschrift, mit dem Werbeslogan: „Auch SIE können ROOT sein!“ Das könnte ganze Generationen von unentdeckten Nerdines aus ihrem über Kochrezepten und Spitzenbodys eingetretenen Dornröschenschlaf wecken. (Allerdings, bitte beachte dies von Anfang an, meine Betonung in Sachen Werbung lag auf „NEBEN“ den Artikeln, ich meine also keinesfalls „STATT“ der Artikel. Und zur Präzisierung: Hinsichtlich der Artikel sprach ich von INFORMATIVEN Einstiegsinhalten, nicht von buntbebilderten Werbefotoausformulierungen).
Unter diesen Blogpost hier füge ich für dich zum Nachdenken und als Beweis noch ein paar weitere Screenshots ein. Ich hab, wie du dir denken kannst, für diese Bildchen nur mal schnell die Online-Auftritte diverser bekannter deutscher Frauenzeitschriften geknippst. Ne verbindliche Technik-Rubrik irgendwo? Pustekuchen. Kannste lange suchen.
Markt, sei nicht dumm: Es macht Sinn, deine Kundinnen weiterzubilden! Sie abzuhängen, schadet dir langfristig vermutlich sogar selbst. Hilf doch lieber mit, möglichst vielen Menschen, ob Frauen, Männern oder grünkarierten Eichhörnchen, einen guten Start auch in Sachen IT zu verschaffen.
Am Ende wird auch dir das nützen, verstehst du?
Denk doch mal nach, Markt!








