Wenn das Mutti dem Töchterlein zuruft, es möge seine Schneehose anziehen, jedoch im gleichen Augenblick der Sohn “Eins zwei drei vier Eckstein, alles muss versteckt sein“ brüllt, ist zu vermuten, welche Aufforderung den größeren unmittelbaren Reiz aufs kindliche Gemüt ausübt, oder?
Genauso war es heute morgen im Hause manubloggt, in welchem daraufhin etwas später während des doch noch stattfindenden Ankleideprozesses ein Mutter-Tochter-Disput über lange Wege im Schnee durch verpasste Busse entbrannte. An dessen Ende klappten wir fix und fertig die Wohnungstür zu.
Abwärts. Töchterlein, einsichtig und freundlich, ist bestrebt, die hohen Stufen zügig allein hinunterzulaufen. Rennt, während ich den Schlitten aus dem Geräteraum schnappe, schon zur Haustür vor. Nach Öffnung derselben ruft sie mir entgegen: „Maman, le bus!“ Ungläubig schaue ich in die vorgegebene Richtung. Tatsächlich, da steht er noch! Lauf, Forrest, lauf, das schaffen wir! Doch was ist das? Was bremst denn da? Ungläubig, wie in Zeitlupe, drehe ich mich, schon auf dem Treppenabsatz der Außentreppe, um. Starre auf den Schlitten. Verfolge mit den Augen das an diesem hängende Zugband, dessen Ende sich unter der uralten Haustür, vermutlich an der einzigen Stelle, an welcher diese nicht mindestens eine zentimetergroße Luftlücke zum Boden bietet, verkeilt hat. NEIN! Reißen, ziehen, es nützt nichts. Töchterlein, auf halbem Wege zwischen Bus und mir, schaut irritiert hin und her. Manteltaschengewühle. Schlüssel finden. Tür aufschließen, Schlitten befreien. Wieder umdrehen.
Um – natürlich: den Bus abfahren zu sehen. Wutschnaubend, doch mich selbst so gut es geht mäßigend, stapfe ich mit dem nunmehr befreiten Schneegefährt durch die kalte Masse. Halte wortlos neben dem Kind, welches sich ebenso wortlos setzt. Los geht die Hatz.
Wer hat letzte Nacht eigentlich hier überall Schnee geschoben? Nichts mit weichem Gleiten durch die Landschaft – die Fußwege sind alle entweder schneefrei oder steinbestreut, der Schlitten muss durch die aufgewühlten Tiefschneeberge am Bürgersteigrand gezogen werden.
Das Mutti schnauft. Ächzt. Keucht. Zieht verbissen an der Schlittenschnur und quält sich durch die ach so weiße Pracht.
Um dann, endlich, eine Viertelstunde später, laut zu lachen: Als nämlich in dem Moment, in dem wir um eine weitere Häuserecke schlittern, die Sonne durch den grauen Wolkenhimmel bricht und den Bus bescheint, der –welch göttliche Fügung!- zumindest erst im selben Moment wie wir dort ankommt, wo wir in ihm hingefahren wären.
Töchterlein lacht mit. Und sagt zu mir, die ich mit nassgeschwitztem Rücken und gefühlten 3000 Kalorien weniger im Schneematsch stehe: „Maman, mit dem Bus, da haben wir doch heute fast Glück gehabt, was?“