Unfallstatistik: Tagesschau verwirrt

Gerade titelt die Tagesschau online anlässlich der neuen Zahlen zur Unfallstatistik: Unfallstatistik 2010 vorgestellt. Weniger Verkehrstote – mehr Kindern unter den Opfern.

Diese Überschrift ist mindestens missverständlich, denn sie referiert mit „mehr Kindern“ fälschlich gleichermaßen auf die Gesamt-Unfallstatistik wie auch auf die Verkehrstoten.Nachzulesen ist dann im Gegensatz zur Überschrift anschließend aber Folgendes:

Dabei ging die Zahl der verunglückten Mädchen und Jungen unter 15 Jahren insgesamt um 7,2 Prozent auf 28.629 zurück.

Insgesamt sind also, und das ist eine GUTE Nachricht!, weniger Kinder, und zwar 7,2%, das ist ganz schön viel!, von Unfällen betroffen.

Es waren also nicht mehr, sondern weniger Kinder unter den Opfern – bezogen auf die in der genannten Statistik gezählten Unfallopfer. Auch wenn die Zahlen offensichtlich belegen, dass von diesen wenigeren dann wiederum „mehr Unfälle aber tödlich“ waren und „bei Kindern (..)erstmals seit 2005 wieder ein Anstieg der Todesopfer“ festzustellen ist, gilt insgesamt: WENIGER KINDER verunfallen. Wäre das nicht einmal eine Schlagzeile wert gewesen? Nein. Stattdessen wird dann, um die Missverständlichkeit nochmals zu unterstreichen, durch Zwischenüberschrift und Hervorhebung noch ergänzt, dass „alle 18 Minuten ein Kind verletzt“ wird.

Diese Zahl jedenfalls müsste doch aber eine rückläufige sein, denn -es kann nciht oft genug wiederholt werden-:

Dabei ging die Zahl der verunglückten Mädchen und Jungen unter 15 Jahren insgesamt um 7,2 Prozent auf 28.629 zurück.

So schlimm und traurig jeder einzelne Unfall ist, erst recht, wenn mit Todesfolge: Solch verquere journalistische Aufmachung empfinde ich als Panikmache, die unserer Gesellschaft insgesamt schadet und zu mehr und mehr Kontrollbestreben, auch gegenüber Kindern, führt. Darüber hatte ich ja schon mal was geschrieben: Hier und hier und hier.

Der ganze Kinder-bezogene Absatz bei der Tagesschau lautet übrigens:

Alle 18 Minuten ein Kind verletzt

Bei Kindern wurde erstmals seit 2005 wieder ein Anstieg der Todesopfer registriert. Im Schnitt wurde alle 18 Minuten ein Kind verletzt. Dabei ging die Zahl der verunglückten Mädchen und Jungen unter 15 Jahren insgesamt um 7,2 Prozent auf 28.629 zurück. Mehr Unfälle waren aber tödlich. Von insgesamt 104 gestorbenen Kindern saßen 49 in einem Pkw, 28 waren zu Fuß unterwegs, 20 fuhren Fahrrad.

Alarmierend war vor allem ein Anstieg um 32 Prozent bei Kindern, die als Mitfahrer in Autos ums Leben kamen. Oft betroffen waren dabei kleinere Kinder unter neun Jahren. Die Zunahme der Verkehrstoten bei Kindern sei besorgniserregend, sagte der verkehrspolitische Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland, Gerd Lottsiepen. Eltern sollten darauf achten, Kinder auch auf kurzen Strecken angeschnallt mitzunehmen.

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