The Bat

Wer in einem Altbau unterm Dach wohnt, der lässt, recht sicher, dass durchs Fenster niemand einsteigt, schon mal selbige offen stehen. Auch über längere Zeit, wenn gesichert ist, dass durch das überstehende Dach selbst bei klimabedingt vermehrtem Starkregen und heftigen Windböen die liebevoll selbst abgeschliffenen Dielen im Inneren nicht nass werden.
In unserem Fall standen seit mehreren Tagen die oberen Flügelfenster im Spielzimmer offen. An diese kommen nämlich selbst bei wildesten Kletteraktionen die Kinder niemals nie heran, wo doch schon ihr herzallerliebstes kleines Mütterlein nur mit wildesten Stunts eine Chance hat, selbige zu erreichen.
Nun fand ich gestern mysteriöserweise eigenartige Spuren im Spielzimmer. Bei genauerer Betrachtung musste ich recht angewidert feststellen, dass es sich um kleine Kackwürstchen handelte, ungefähr einen Millimeter im Durchmesser und zwei bis fünf Millimeter lang. Diese klebten etwa in Höhe von einem Meter fünfzig an aufwärts an den Wänden (und kleben dort, dank meiner Körpergröße von genau einem Meter vierundfünfzig, zumindest weiter oben immer noch…). Wer oder was hatte denn da seinen Weg zu uns gefunden? Zuerst überlegte ich, ob Mäuse (also ganz normale) vielleicht an senkrechten Wänden entlanglaufen können, solange diese eine gewisse Struktur bieten (wir haben Rauhfasertapete). Aber selbst wenn, so hielt ich es doch für relativ unwahrscheinlich, dass diese während einer entsprechend akrobatischen Übung auch noch kacken UND diese Knötchen dann auch noch an den Wänden kleben bleiben. Mäuse also relativ ausgeschlossen. Dann folgte die Überlegung, ob Schmetterlinge oder Motten entsprechende Ausscheidungen verursachen könnten. Kacken die überhaupt? Hmm, aber wenn, dann sicher nicht so auffällig, das würde ich vielleicht einem tropischen Zehn-Zentimeter-Falter zutrauen, aber die flattern ja glücklicherweise nicht hier bei uns herum. (Ich stehe nicht allzu sehr auf Krabbel- und Flatterwesen gleich welcher Art…)
Martin vermutete gleich eine Fledermaus, was ich stirntippend belächelte.
Triumphierend zitierte mich Göttergatte dann heute Morgen ins Spielzimmer, damit ich ihm beeindruckt ob seines biologischen Fachwissens auf die Schulter klopfen sollte: Da lag sie nämlich, auf unserem schönen blauen Wollspielteppich. Eine kleine, zusammengefaltete Fledermaus, und sie war mausetot. Vermutlich von der Decke gefallen. Unsere Katze zeigte kein besonderes Interesse, Männe umso mehr, und das gute Tier wurde dann auch ausgiebig betrachtet. Hätte er ein Mikroskop gehabt, hätte er vielleicht auch noch irgendwelche Untersuchungen angestellt, so beschränkte sich sein Ehrgeiz auf die fotografische Dokumentation und –auf meine Bitte hin- auf die anschließende Entsorgung des Flügeltierchens. Die Fensterflügel werden wir nun wohl jedenfalls zumindest nachts genauso zusammenfalten wie die kleine Maus die ihrigen, nicht, dass unser Spielzimmer noch zum Friedhof der Kuscheltiere mutiert…

3 Gedanken zu „The Bat“

  1. Heute komme ich aus dem Bloggen gar nicht mehr heraus! Nun ja, aber Fortsetzungen sind (zumindest fürs Publikum) ja durchaus ab und an recht amüsant, und sehr ruhig schlafen werde ich heute Nacht wohl nicht; da kann ich meine somit gewonnene freie Zeit au

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