The Bat II

Heute komme ich aus dem Bloggen gar nicht mehr heraus! Nun ja, aber Fortsetzungen sind (zumindest fürs Publikum) ja durchaus ab und an recht amüsant, und sehr ruhig schlafen werde ich heute Nacht wohl nicht; da kann ich meine somit gewonnene freie Zeit auch zum Schreiben nutzen.. 😉

Als mein liebes Töchterlein heute seinen Mittagsschlaf beendet hatte und gemütlich an mich gekuschelt mit mir auf der Wohnzimmercouch herumfläzte, war ich tout à coup hellwach: Da flog doch mitten durch unser Wohnzimmer mit ordentlich weit ausgefalteten Flügeln ein Tier! Im ersten Augenblick, ich konnte es ja noch gar nicht richtig erkennen, dachte ich an eine verflogene Meise oder so etwas. „Martin, komm SCHNELLLL“, presste ich schreiend-quietschend hervor, und von meinem schrillen Schrei oder aber der geschlossenen Balkontür oder beidem irritiert kreiste das kleine dunkle Etwas, welches ich im zweiten Gedanken natürlich als den Bruder unseres lieben toten Freundes vom Morgen enttarnt hatte, im Kamikazeflug pfeilschnell um meine Tochter und mich, um dann – ich schrie inzwischen wohl zum dritten Mal, und inzwischen kreischte auch Mademoiselle mit – durch unseren schmalen Durchgang in den Flur hinauszuschießen.
Ich rettete mich und meine Tochter erst einmal in die Küche, falls das Viech sich zum Rückschwenk entscheiden sollte, und wartete dort auf den fiepsend vor Lachen eintreffenden Martin. Hobbybiologe, der er ist, erklärte er mir, die ich fast ganz total ruhig qietschend darauf bestand, dass er JETZT SOFORT ALLE Fenster unserer Wohnung öffnen und dieses Tier hinausbefördern müsse, dass ich doch mal ganz ruhig bleiben und mit ihm nach dem kleinen Kerlchen suchen solle. Es hätte nämlich im Flur ziemlich genau vor seiner Nase gebremst, gewendet und sei im rasenden Blindflug ins Wohnzimmer zurückgesteuert.
Das KONNTE aber gar nicht sein, denn da hätte ich das Biest doch wohl bemerkt!!!! – behauptete ich, und bestand weiter auf meiner Fenster-Öffnen-Anordnung. Während sich mein Göttergatte vor Lachen fast nicht mehr einkriegen konnte und geistesgegenwärtig, wie er ja immer ist, erst einmal die Türen zum Schlaf- und zum Arbeitszimmer schloss, damit sich unser neues Haustier nicht noch dorthin verflog (seiner Meinung nach war es ja momentan nicht dort, sondern im Wohnzimmer), begann ich wilde Hypothesen über diese zweite Fledermaus an einem Tag bei uns aufzustellen.
Vielleicht gab es ja auch in der letzten Nacht einen üblen Fledermaus-Revierkampf in unserer Wohnung? Oder die beiden hatten irgendwo schon riesige Eier abgelegt, um hier eine große Fledermauskolonie zu gründen?
Nein, Fledermäuse sind ja wohl Säugetiere, also zumindest nix mit Eiern, ein Glück. Aber vielleicht säßen ja hier irgendwo hinter ’nem Möbelstück noch einige der flatternden Mausmänner? Jedes Loch, jede schlecht verputzte Ecke wurde plötzlich verdächtig, und mein Puls bewegte sich irgendwo bei gefühlten 400 zu 523.
Und das Schlimmste: Das blöde Viech war perfekt getarnt und nirgendwo mehr zu entdecken! Vielleicht war es ja auch doch schon wieder irgendwo durch eines der diversen extra für mich geöffneten Fenster ‚rausgeflogen? – Aber das würde ich dann zu meiner eigenen Beunruhigung leider nie erfahren, da es ja schlecht beim Hinausfliegen einen freundlichen Abschiedsbrief am Fensterkreuz anbammeln konnte. Genau, als mir dies einfiel und ich anfing, mich innerlich sowas von in den A…. zu beißen für meine tolle Idee mit den offenen Fenstern, rief Martin begeistert: „Ich hab se!“
Und -natürlich!- das ach so possierliche Tierchen (welches mit eingeklappter Spannweite plötzlich nur noch ungefähr so groß war wie ein größeres Geldstück) saß, wo sonst – im Wohnzimmer im Bücherregal. Und nicht etwa ganz oben unter der Decke, wie man es vielleicht vermuten würde, nein, auf einem Meter Höhe, in der Abteilung Jugendbuch, und klammerte sich an das Bändchen „Scheine, lieber Mond!“ aus dem Loewe-Verlag. Da war das Tierchen auch – nicht nur in Anbetracht des Titels – offensichtlich ganz richtig, denn es war deutlich kleiner als das geflügelte Pelzwesen, welches sich einige Stunden vorher auf unserem Kinderzimmerteppich zur letzten Ruh‘ gebettet hatte.

Ich verschanzte mich mit Mademoiselle im Spielzimmer, welches ja nun offenkundig „sicher“ war, und las ihr ein flugtierfreies Kinderbuch vor, während Göttergatte sich mit einem Glas an das Fledermäuschen heranpirschte. Nachdem er nach einigen Minuten immer noch keine Entwarnung gegeben hatte, lugte ich vorsichtig aus der Zimmertür und fragte kleinlaut nach. Und was machte er? Kniete gedankenversunken im Wohnzimmer vorm Esstisch und betrachtete völlig fasziniert das kleine Etwas, welches sich unter dem umgestülpten IKEA-Glas vor ihm befand, mindestens genauso panisch war wie ich, und mir ziemlich leid tat. Nachdem er endlich seine (missglückte) Fotoserie gemacht hatte, nahm er das Glas nebst seinem neu gewonnenen Freund, wartete noch geduldig, bis ich die Wohnzimmerfenster wieder geschlossen hatte, und entließ das Flatterwesen dann mit einem freundlichen „Tschü-hüß!“ auf dem Balkon in Richtung Freiheit. Töchterlein winkte, ich passte auf, dass das Viech auch wirklich nicht wieder zu uns zurückflog, und damit ist die Sache nun hoffentlich echt vorbei.

Ah ja, Sohnemann, der am Wochenende bei Oma und Opa untergebracht war, kaufte zeitgleich auf dem Flohmarkt völlig ahnungslos von den diversen flatternden Erlebnissen zu Hause zufälligerweise eine kleine Gummi-Fledermaus. Diese musste ich dann vorhin mit einem Bändchen versehen und im Spielzimmer an der Lampe anbammeln. Lecker!

2 Gedanken zu „The Bat II“

  1. KREIIIIIISCHHHHHHHHH. Spätestens JETZT wuerde ich mir Gedanken um eine neue Wohnung machen und in mich in der Zwischenzeit bei Freunden genauso einnisten, wie diese furchtbaren Viecher sich bei euch.

    oulalallllaaa…..

    1. Auf meine Aussage, dass ich das schon ein bisschen unangenehm finde, dass ja hier theoretisch noch welche irgendwo sitzen könnten, meinte Martin nur lakonisch: „Na wattn? Die fallen dann halt auch tot von der Wand irgendwann!“
      Na, schönen Dank auch…
      Jedenfalls schlafen wir heute mal zur Abwechslung bei fast komplett geschlossenen Fenstern (im Schlafzimmer ist ein Mückennetz, das sollte wohl auch gegen eventuelle neue Fledermänner schützen). Und die Tür zum Spielzimmer mach ich noch mal EXTRA zu!

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