Terror im Spielzeugladen


Die Entwicklung von Spielzeug geht einher mit der Entwicklung der Menschheit. Von primitiven ersten Formen wie Steinen, Holzstücken, Knochen oder groben Tonpuppen der frühen Steinzeit bis zu den hochtechnisierten Spielgeräten der Gegenwart. Kinderspielzeug war oft Spiegelbild der vorherrschenden Kunstepochen, aber auch der sozialen und politischen Anschauungen und Ereignisse. Oft wurde die Wirklichkeit der Erwachsenenwelt in der Parallelwelt der Kinderstuben nachempfunden.

(Quelle: Planet Wissen – Geschichte des Spielzeugs)

In den aktuellen „Zeiten des Terrors“ finden sich natürlich die passenden Utensilien bereits im Spielzeugregal:Bundespolizeiähnliche Actionhelden in schwerer Kampfmontur und mit schnittiger Popperfrisur, dazu Terroristen mit völlig vorurteilsfrei etwas dunkler gezeichneten Augenbrauen, dunklen, aufgemalten Stoppelhaaren und als Beigabe mit Waffen und vor allem mit Sprengstoffpäckchen, die man ihnen auch prima unter den Anzug stecken kann. Dass die Puppen einen besonders langen, gebogenen Zeigefinger haben, der sich sogar in den Abzug der mitgelieferten Großkaliberwaffen schieben lässt, ist selbstverständlich. Es irritiert nahezu, dass dem Terroristen entgegen dem aktuellen Hype kein Bart beigelegt ist, für den besonderen Terror-Spiel-Effekt. Aber den können verantwortungsvolle, sich kümmernde Eltern dann ja in der quality time mit den lieben Kleinen aus Märchenwolle filzen. Und dann kann das fröhliche Terrorspielen losgehen unterm Weihnachtsbaum.

Und das lässt Manu so stehen? Ganz ohne happy end oder zumindest gewandelte Perspektive? Natürlich nicht, ich hab mir da mal was ausgedacht, so ganz ohne Erschießen, im ganz weihnachtlichen Sinne des Fests der Liebe.

Eine kleine Foto-Love-Story:

– A merry christmas and a happy new year, we hope it’s a good one without any fear….

Inzwischen hab ich die feschen Actionhelden der neuen Zeit übrigens zwecks zügiger Rückgabe wieder eingepackt. Ich bin gespannt, ob dabei vor Ort auffällt, dass der vermeintliche Terrorist – aus Trotz oder in Erinnerung an seine Erlebnisse außerhalb der Verpackung? – auf einmal in der Nase bohrt und mit der anderen Hand woanders kratzt? Und ob wohl jemand merkt, dass der Hohlkopf von einer Plastikfigur in blauer Uniform gerade dabei ist, sich ins Knie zu schießen, ohne das Gesicht zu verziehen?..

Betitelt im Laden mit: „Actionfiguren für Jungs“, €8,99. Ab drei Jahren, der Verpackung folgend. Käuflich zu erwerben bei Kaufland.

2 Gedanken zu „Terror im Spielzeugladen“

  1. Terror im Spielzeugladen:

    Das wäre natürlich eine Steilvorlage für Loriot:

    Statt des fröhlichen KKW/AKW-Baus unterm Weihnachts-Baum eine fröhliche Terroristenjagd rund ums Jahresendzeitgrün.

    Den einen habe ich noch: Als wir vor drei Jahren in Österreich in der Nähe der Eisriesenwelt unterwegs waren, kam uns ein Trupp österreichischer Gebirgsjäger entgegen. Die Frage eines unserer Kinder, damals 8/9 Jahre alt: Sind das Terroristen?
    Seine Frage begründete der Nachwuchs so: Na in der Zeitung und im Fernsehen sehen die doch alle gleich aus.

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