Schwimmen im Osten

Wer in Berlin Kinder im seepferdchentauglichen Alter hat, kann sich mit besten Absichten an die Berliner BaederBetriebe, den Verbund der hiesigen öffentlichen Schwimmbäder, wenden. So auch wir, nachdem unser kleiner Großer sich seit Monaten wünscht, endlich „richtig“ schwimmen zu lernen.

Aber: So einfach ist das nicht. Nachdem nämlich schon im Dezember alle ab Februar angebotenen Kurse in den umliegenden Hallen bereits restlos ausgebucht waren, musste das Kind auf den Frühling vertröstet werden. Und auch hieran wären wir ohne familiäre Unterstützung seitens eines patenten Schwiegervaters mit organisiertem Terminkalender, welcher am ersten Tag der Vorverkaufsfrist morgens um zehn vor acht in der Schwimmhalle unserer Wahl anrief und uns mit biblischen Überredungskünsten einen Platz im Anfängerkurs reservierte, kläglich gescheitert.Es oblag nun mir, den Kurs am Tag der getätigten Reservierung in der Schwimmhalle zu bezahlen und die Kurskarte abzuholen. In Unwissenheit darüber, wie sehr ich mich für den uns gewährten Schwimmkursplatz glücklich schätzen musste, hatte ich auf dem Weg zur Halle noch in Erwägung gezogen, nach einem zeitlich günstiger gelegenen Kurs in derselben Staffel zu fragen. Doch in dem Kindheitserinnerungen weckenden chlorigen Klima der Welldach-Schwimmhalle wurden mir seitens der Kassenaufsicht habenden Bademeisterin solche Flausen mit einem einzigen scharfen Blick aus dem Kopf getrieben.

Ihr Unmut darüber, dass die Kollegin der Frühschicht überhaupt am Telefon eine Eintragung in dem Kurs für uns vorgenommen hatte, war so deutlich, dass ich mich überprivilegiert nicht einmal mehr getraute, auch nur mit dem Mundwinkel zu zucken. Fragen nach einem anderen Kurs? Undenkbar. Nach einigem Augenbrauenhochziehen, Kopfschütteln und wichtigen Papierrascheleien händigte sie mir schließlich mit einem knappen „Also bei mir hätte es das nicht gegeben“ zur verbindlichen Eintragung die Kursliste aus, verbunden mit der zeitgleich durch die Zähne gepressten Zahlungsaufforderung: „Das Geld haben Sie jetzt aber dabei. ja?!“

Schnelles, vehementes Kopfnicken meinerseits. Hektisches Kramen nach dem Portemonnaie. Blick auf die Kursliste: Mit seinem charmanten Fingerwickelanruf vom Morgen hatte uns Schwiegervater tatsächlich den drittletzten Platz auf der Liste beschert.

Wohlgemerkt, ich wiederhole: Den drittletzten Platz – am ersten Tag der Vorverkaufsfrist. Mit einem Anruf um zehn vor acht. Die anderen Familien mussten dann ja entsprechend früher… Nun ja, für die sportliche Ausbildung des Nachwuchses kann man wohl nicht früh genug aufstehen.

Wie gut, dass unser Kind sich wenigstens auf die Großeltern verlassen kann – wir unsererseits hätten wohl sonst nur weiterhin Schwimmflügel aufgepustet.

3 Gedanken zu „Schwimmen im Osten“

  1. ach manu, so sind se die berliner… 😉
    wir hatten vor 1 1/2 jahren auch grad noch glück, dass wir den netten vorsitzenden des schwimmvereins am telefon hatten… der meinte nämlich auch, eigentlich sind wir schon voll, aber es kommen meist eh nicht alle und ihren zwerg bekommen wir auch noch rein. 😉 ich bin wirklich froh, bei diesem schwimmverein gelandet zu sein… stine geht da nach erfolgreichem seepferdchenabschluss nun einmal die woche zum training.
    bis denne und viel spaß eurem großen!

  2. Ja, das kenne ich auch nicht viel anders. Falls es dich tröstet: In der Seestraße ist der Umgangston teilweise nur unwesentlich milder und was den chlorgeschwängerten Charme angeht … alles noch wie damals irgendwie, als ich selbst Kind war. Ich glaube, ich bringe Yannick das Schwimmen doch lieber selbst bei. :)

  3. Neulich gesehen in der Schwimmhalle Europasportpark am S-Bahnhof Landsberger Allee: Da hängt, wohl damit die Damen und Herren um Kassenhäuschen nicht ständig von Nachfragen genervt werden, ein Aushang, auf dem steht in dicken Lettern: Der Vorverkauf fü

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