Ronja und Freunde

Gemeinsames Tauchen, Schwimmen, Baden. In Gefühlen, Bildern, Geräuschen, Gerüchen, in Spannung und Aufregung. Gemeinsames Gruseln, Hoffen und Bangen.
Gemeinsames Lesen.
Je mehr unsere kleinen ms zu größeren ms werden, desto besser werden die Geschichten. Nachdem wir im vorletzten und letzten Jahr unter vielem anderen schon diverse episodenhafter gestaltete lange Bücher „am Wickel“ hatten (z.B. Lindgrens Pippi Langstrumpf, Madita), so sind wir dieses Jahr in die Welt der richtig langen Geschichten eingetaucht. Was für mich anteilig sogar literarisches Neuland war – den Räuber Hotzenplotz hatte ich als Kind nämlich genausowenig gelesen wie Emil und die Detektive.

Doch wirklich bezaubert, verzaubert, waren Söhnchen und ich von dem heute Abend ausgelesenen Buch, welches meine Kindheit nur als (allerdings auch nach der Lektüre des Buches in der Erinnerung noch immer sehr gut bestehender) Film begleitet hat:

Ronja Räubertochter.

In der Nacht, in der Ronja geboren wurde, rollte der Donner über die Berge, ja, es war eine Gewitternacht, dass sich selbst alle Unholde, die im Mattiswald hausten, erschrocken in ihre Höhlen und Schlupfwinkel verkrochen.(…) Während Lovis dort lag und sang und ihr Kind gebar und Mattis die Wilddruden bändigte, so gut er es vermochte, saßen unten in der großen Steinhalle seine Räuber am Feuer (…)
und hereingestürzt kam Mattis ganz und gar von Sinnen vor Freude. Mit hohen Jubelsprüngen lief er durch die große Halle und schrie dabei ganz närrisch: „Ich hab ein Kind gekriegt! Hört Ihr, was ich sage? Ich hab ein Kind gekriegt!“(…)
Er stand da und sah mit Staunen ihre klaren Augen, ihren winzigen Mund, ihren dunklen Haarschopf und ihre hilflosen Hände, und er erschauerte vor Liebe. „Du Kind, in diesen kleinen Händen hältst du schon jetzt mein Räuberherz“, sagte er. „Ich begreife es nicht, aber es ist so.“
(…)

Mit welcher Wucht hat es mich getroffen, dieses Buch! Ergriffen hat es mich, mitgerissen, den Glupa-Wasserfall hinunter und bis ins Herz hinein. Die aufregend-berührende, archaische Geschichte, die mich schon früher filmisch beeindruckte und die nun durch die lesend viel ausgedehntere Zeit noch umso intensiver fühlbar wurde.

Und dabei diese strahlenden, unglaublich aufmerksamen, gespannt an meinen Lippen hängenden Kinderaugen stets neben mir. Dieser kleine Junge, der am liebsten bis spät in die Nacht hinein mehr von Ronja, Birk, den Räubern und dem Mattiswald gehört hätte, und der dann aber wegen der doch zu bewegenden Bilder nicht mehr so leicht einschlafen konnte. Nur in meinen singenden Armen, so wie Ronja in Lovis‘, die ihr das Wolfslied sang, vor der Bärenhöhle im nächtlichen Wald.

Das in diesem Jahr bisher ergreifendste Leseerlebnis.

1 Gedanke zu „Ronja und Freunde“

  1. Oh ja, einer meiner all time favourites. Buch und Film. Das müsste ich unbedingt mal dem Nachbarsmädchen unterjubeln, das lieber ein Junge sein möchte … es gibt (gab?) so wenige vernünftige Rollenvorbilder in der Kinder-/Jugendliteratur außer Ronja und Pippi. Das waren meine Heldinnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *