Provinzstadtplakate vom Ordnungsamt

Eben auf Twitter entdeckte ich folgenden Tweet von @rhotep:

So stellt sich das Ordnungsamt „saubere“ Berliner Parks vor: bit.ly/Nj6alm Glückliche weiße Heteropärchen. Mehr: http://bit.ly/OHmqAL

Die Links führen zu einer Plakatkampagne des Berliner Ordnungsamtes. Und so sehr ich der von @rhotep geäußerten Kritik zustimme, und zwar sowohl vom Ansatz her, dass entsprechende Darstellungen im Sinne von Diversität keinesfalls zu unterstützen sind, als auch vom Ansatz her, dass das der Situation in Berlin keinesfalls entspricht, so sehr fragte ich mich beim Betrachten der diversen Plakate aus der Serie auch: Was an dieser Kampagne ist denn ÜBERHAUPT Berlin?!Bis auf die in den Hintergrund eingepflanzten Wahrzeichen, meine ich?

Die Häuser auf vielen der Bilder sind höchstens dreigeschossig, da wirkt der hohle Zahn wirklich albern, der doch in Wirklichkeit eigentlich in alle Richtungen (abgesehen vom Zoo mit den Tiergehegen) von alten und neuen mind. 4-5-geschossigen Stadthäusern bis zu Hochhäusern umbaut ist (hier noch so ein Kleinstadtberlinbild). Oder dieses Plakat mit dem Markt – okay, wenn das im Hintergrund die S-Bahn-Brücke vom Hackeschen Markt sein soll, schön und gut, davor ist wirklich öfter Markt. Aber wo kommt denn da plötzlich dieser Supermarkt her?!

Oder hier, Thema Straßenfeste, von den Hintergrundgebäuden her der Potsdamer Platz: Hmm, aber da sind die Straßenfeste doch immer auf dem Platz an S-Bahn und historischer Verkehrsampel, und entsprechend ist die Perspektive hier total falsch (und btw., wieder die heteronormative, von @rhotep angemahnte Perspektive eingenommen).

Und es wird nicht besser, sondern bleibt auf ebenso dämlichem Niveau, wenn die Goldelse im Hintergrund auftaucht. Habt ihr im Tiergarten schon mal so einen eigenartigen Ort hier – ne Mischung aus Tierheim, Zirkus und Freilaufende-Hühner-Farm – gesehen? Ich nicht…

Und beim Roten Rathaus sieht das Nikolaiviertel jetzt so aus, mit Zone 30, Schule und niedlichem Zebrastreifen (Perspektive hin oder her, die andere Seite dahinter kann ja nicht gemeint sein, da sind bis zur Stadtmitte fast nur mind. 11-Geschosser und noch höhere Hochhäuser…).

Ach ja, und der Pariser Platz wurde mittig freigegeben für den Bau eines Flachdachrestaurants – aufgrund der Ausrichtung der Quadriga ist ja eindeutig, wo das hier gezeichnete Resto sich befinden muss, da gibt es kein Vertun.

Kein Vertun? Oh doch. Bei dieser Kampagne für eine „schön saubere Stadt“ wurde anscheinend einfach mal alles falsch gemacht. Oder richtig, von dem- oder derjenigen, derdiedas da vermutlich für gar nicht mal so wenig Geld dem Land Berlin ne unglaublich schlechte Imagekampagne für Hinterposemuckel leicht umgewandelt zweitverkaufen konnte. Oder wie ist das passiert? Anders kann ich mir diese Fail-Kette jedenfalls nicht erklären.

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