Plateauschuhe verbieten. Bärte verbieten. Für die liebe Sicherheit.

Da ist sie wieder mal, die Forderung nach NOCH mehr Kontrolle: Wegen potenzieller Schuhbombenattentate in Flugzeugen. Hats ja alles schon gegeben, die Bedrohung ist aktuell seit einem verhinderten Schuhbomben-Flugzeug-Attentat 2001. Deshalb sollen nun wohl die Sicherheitskontrollen an Flughäfen noch weiter verstärkt werden, noch mehr Schuhausziehen, Gürtelablegen, Mantelausforschen. Zahnpastascannen. Spiegel online schreibt: „Eine konkrete Bedrohung gebe es zwar nicht, die Kontrollen sollen trotzdem schärfer werden.“

Alles für das liebe Sicherheitsgefühl.Ach, liebe Leute: Das Spiel mit der Angst. Die vermittelte Sicherheit. Sicherheit? Wer auch immer mir jetzt wieder sagt: „Für meine Sicherheit zieh ich gerne mal meine Schuhe aus“, dem antworte ich: Dann brauchen wir auch Sicherheitskontrollen vorm Einsteigen in Züge. Denn in so einen ICE mit 750 Sitzplätzen passen bis zu ca. 1500 Leute. Oder am besten auch Sicherheitskontrollen am Eingang von Bahnhöfen. Den Berliner Hauptbahnhof z.B. passieren täglich ca. 300.000 Menschen. Alle anderen Bahnhöfe, von denen man zu solchen „Brennpunkten“ reisen kann, sowie die Bahnhofsvorplätze sollten wir natürlich gründlichst mitkontrollieren. Und für diese wie für alle anderen Plätze muss gelten: Videoaufnahmen, wie sie heute sicherheitsbeschwörend schon (nicht nur in Berliner) Bussen und Bahnen stattfinden, reichen uns allen zur Absicherung natürlich keinesfalls aus. Wenn die Innenminister seit Jahren für unsere Sicherheit an öffentlichen Plätzen zumindest mehr Überwachungskameras fordern, müssen wir mehr fordern: Für unsere Sicherheit müssen wir endlichdarauf drängen, dass die Zuwegungen zu ebendiesen überall mit Metallschranken und Gepäckscannern ausgestattet werden, damit nicht plötzlich jemand ’ne Schuhbombe VOR dem Flughafen, VOR dem Bahnhof oder auch auf dem Alex zünden kann. Denn wir wissen doch schon seit Jahren aus London, der Hauptstadt der Videokameras, dass dies allein keineswegs reicht:

Jetzt also wieder mal Schuhbomben. Angespannt denke ich an all diese gefährlichen Berliner Freaks, die wieder oder immer noch Plateauschuhe tragen! Was da an Sprengstoff ‚reingeht! Plateauschuhe verbieten. Freaks verbieten. (Für die gefährliche Kombination von Plateauschuhen und Bomben genügt uns ein Zeitreiseblick nach Nordkorea.) Ach, und da ja Terroristen bekanntlich üblicherweise Bärte tragen: Verdächtige Bartträger ausgrenzen! Bärte verbieten!. Mehr geht immer. Besser geht immer. Viel hilft viel. Wirklich?

Ich für meinen Teil glaube nicht an diese „unsere“ Sicherheit. Ich für meinen Teil fühle mich vielmehr bedroht durch das immer schnellere Zuziehen des Überwachungsnetzes. Jeder ist verdächtig. Alle werden kontrolliert. Mehr und mehr, überall. Und wofür? Was ist das Ziel dahinter? Verschwörungstheoretiker der Welt, vereinigt euch? Ja, vielleicht gehöre ich eben dazu, wenn ich protestiere. Aufbegehre, innerlich wie äußerlich, gegen den permanenten Scan meiner Person. Gegen das Durchleuchten meiner pazifistischen Absätze. Gegen eine überwachte Gesellschaft. Diese nämlich halte ich für gefährlich, nach wie vor, und wir sind ja, das ist nach den Erkenntnissen der letzten Monate wohl relativ jedem klar (und sonst könnt ihr es hier noch mal gesammelt nachlesen), schon mittendrin. Und trotzdem, was gibt dieser Gesellschaft Sicherheit? Das Durchleuchten ihrer Absätze am Flughafen?! Menschen, Menschen. I just don’t get it.

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