Orangefadeout

Im Frühjahr vor fünf Jahren ging ich zu meinem ersten Piratenstammtisch. Ich weiß nicht mehr, wie die Kneipe hieß, ein Astra-Schild hing draußen, sie lag an der Viadukt-Trasse der U1 irgendwo Nähe Schlesisches Tor. Da war ich dann ziemlich schnell öfter, und kurz vor der Bundestagswahl entschloss ich, gebranntes SPD-Ex-Mitglied, mich doch auch zu einer neuen offiziellen Partei-Liaison.

25.09.2009 steht als Eintrittsdatum auf meiner Mitgliedskarte. Ein Feld für den Austritt ist natürlich nicht vorgesehen, so hackt sie sich ihre Austrittsmarkierung mit Edding selbst. 11.07.2014 steht da nun, es ist ein letzter Schritt des Abschieds, nach einem längeren Rückzug in die immer größere Distanz. „Orangefadeout“ weiterlesen

Fahnenmeer

In dem Land, in welchem ich aufwuchs, hatten die Balkone an der großen, breiten Paradestraße, an welcher unser modernes Hochhaus stand, vorinstallierte Fahnenhalter. Das waren kurze Rohre, in die die Familien, die dort wohnten, zu entsprechenden Anlässen Winkelemente stecken sollten. In Kindergärten und Schulen wurde dazu aufgerufen, die Republik zu schmücken, und ich wollte das auch. Unser Fahnenhalter war aber kaputt, schade. So gab es für mich keine Fahne am Tag der Republik, aber auch keinen Ärger für meine Eltern, falls in der Schule jemand gefragt haben sollte, warum denn bei uns keine Fahne am Balkon wehe.

Heute, da sogar hier in Pankow an der Prenzlberggrenze aus Fußballanlass aus unendlich vielen Fenstern angeblich ach so unpolitisch motivierte Fahnen wehen, ohne Hammer und Sichel diesmal, frage ich mich, ob wohl in Lichtenberg, Am Tierpark 7 in der 8. Etage, noch der Fahnenhalter an der Brüstung verschraubt ist. Und ob jemand sich die Mühe gemacht hat, den Korken, den Papa dort hineinstopfte und obendrüber weiß lackierte, zu ziehen, um im Fußballwahn mitwalzen zu können. Oder ob stattdessen vielleicht jemand auch heute ganz froh ist, allen neuen Moden trotzend ein ganz einfaches Argument zu haben gegen das Fahnenaufhängen.

Von Tororisten, NSA, Boing Boing und zu wenig Zeit.

Heute Abend muss ich Koffer packen, weil ich bald wieder das mit der relativ internetfreien Zeit mache, ihr wisst schon, Zeltlager und so, und mein Zeug soll mit in den LKW mit den Zelten und Bänken und Tischen und Jongliersachen und Töpfen… Genau. Aber das hier muss trotzdem kurz raus, also schnell und unsauber und dreckig, einfach so hingeschrieben, weil ihr das lesen sollt, dürft, müsst, weil es einfach so f***king nicht unerwartet ist und so war ja klar und dabei so skurril und nichtlustig und ich-weiß-nicht-was, dass. Einfach, dass. Das Kind, gerade Cory Doctorows Little Brother in Buchformat lesend, fragte heute, wann das eigentlich genau spiele, das Buch, weil „also ist das jetzt wirklich so mit der Überwachung oder nicht, also SO stark ist es doch nicht?, oder doch? Oder wird das so oder war das mal?“.. große Verwirrung.Und das ist es ja auch.

Ach ja, hier die Links, um die es eigentlich wohl geht in diesem Blogbeitrag, am Rande erwähnt – wenn ihr die Artikel lest, seid ihr dann wohl im besten Fokus der NSA (aber das seid ihr vermutlich eh, wenn ihr auch nur hier auf diesem ultralinksradikalfeministischenfantinösen Quarkblog rumgammelt und einige meiner Tipps der vergangenen Jahre irgendwie in die Tat umgesetzt habt..):

Von der NSA als Extremist gebrandmarkt

If you read Boing Boing, the NSA considers you a target for deep surveillance

Tor-Netzwerk: Aktivisten trotzden der NSA

Hach. Noch 1 1/2 Wochen hier rumarbeiten, und dann häng ich zwei von drei Zeltlagerwochen mit Kindern ‚rum. Dieses Jahr les‘ ich den Größeren eher nicht „Die Wolke“ vor. Ich hab da andere Bücher im Sinn. Schauen wir mal…

PS: Briefe ins Zeltlager braucht ihr mir nicht schicken, im Sinne der Transparenz: Schickt Postkarten!

An: @manubloggt – Kolonie Kinderring
Osrodek Turystyczno – Wypoczynkowy „GIERET“
PL – 16-506 Giby 111
Polen

Wie der Löwe zu seinem Schwanz kam.

Eigentlich wollte ich vielleicht mal Schriftstellerin werden. Tatsächlich bin ich nun unter anderem PR-Frau und Onlinetexterin, habe es zudem zu ein paar Sachtextveröffentlichungen gebracht und einigen Webseiten und noch zu einigem anderen, und das ist fein und prima und ich will mich freuen über dieses wirklich schöne und immer wieder neu bereichernde unentschiedene Arbeitsleben. Aber ein Teil mein Herzens, ja, schlägt gerade wieder laut in meiner heimlichen Schreibtischschublade, in der die Kurzgeschichten und halbfertigen Kinderbücher und sonstiges liegen, was ich vielleicht, ja vielleicht einmal… und immer diese Angst, ich könnte vorher tot sein und alle Texte verloren.

Nun will ich anfangen, irgendwann muss es ja sein, und wo fängt man denn an? Ja eben, am Anfang. Und der war vor ein paar Jahren, einige Jahrzehnte sind es genau genommen schon, denn ich war 8, und ich liebte Fabeln.

Herbst 1988: Wie der Löwe zu seinem Schwanz kam. „Wie der Löwe zu seinem Schwanz kam.“ weiterlesen

Noch was zur Zentralbibliothek

Ach ja, mit der Tempelhofer-Feld-Entscheidung ist ja – zumindest für diesen Standort – das Projekt Riesenzentralbibliothek jedenfalls erst einmal ebenfalls vom Tisch. So sehr ich unserer Stadt eine niegelnagelneue, supermoderne Zentralbibliothek, idealerweise noch mit spannender Architektur, gönne: Ein bisschen bin ich ja auch froh. Denn das heißt dann ja wohl, dass die Kiezbibliotheken, die seit Jahren bekanntlich immer wieder heftig von Mittelkürzungen bis Schließungen bedroht werden, noch ein paar Jahre länger an Ort und Stelle niederschwellige Angebote für die kleinen und großen Menschen vor Ort machen dürfen. Da man sich in Berlin ja so ziemlich jedes Buch in die eigene Filiale vor Ort bestellen kann, aber nicht alle Menschen in der Lage sind, sich allein und selbständig bis zum Tempelhofer Feld (oder wo auch immer sonst zu einer zentralen Stelle hin) zu bewegen, erscheinen mir persönlich die vielen kleinen dezentralen Bibliotheken ja auch irgendwie bedeutsamer als so ein schickes Riesendings. Und wenn – wovon in Knappe-Kassen-Zeiten ja nun mal auszugehen ist – eben alles nicht geht, dann.. Genau. Dann ist zumindest meiner Wahrnehmung nach die Berliner Entscheidung am Wochenende doppelt richtig gewesen.

Leerstand

Johnny Häusler hat so schön geranted in seinem Post „Als ginge es nur um das Tempelhofer Feld“. Auch ich habe eine Immobilie vor der Nase, die seit Jahren leersteht, und keiner weiß eigentlich, warum – Auszug aus einer Kleinen Anfrage der SPD von 2012(pdf):

„Der LiFo will das Grundstück Berliner Straße 42 vermarkten. Der Leerstand ist in dem Verkauf des Grundstückes begründet. Für das Gebäude Berliner Straße 43 besteht ein Erbbaurechtsvertrag mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin e. V. Warum der Verein keine Nutzung aufgenommen hat, ist nicht bekannt.“

Ende 2012 sollte für das Gebäude demnach ein Bieterverfahren eröffnet werden. Es gab dem Internet nach Pläne z.B. für ein Studentenwohnheimprojekt. Ob verkauft wurde oder nicht – keine Ahnung. Passiert ist seitdem jedenfalls: genau nichts. „Leerstand“ weiterlesen

Nachricht vom Verkäufer

„Sehr geehrter Kunde, Vielen Dank für Ihre Mitteilung. Wir fühlen uns wirklich leid für die Lieferung Problem. Wir versendeten das Einzelteil zu Ihnen am 12. Mai, von der Deutschen Post versendet werden, dauert in der Regel 2-5 Werktage für die Lieferung. Ist es möglich, dass Ihre Familie oder Ihre Nachbarn erhielt sie für Sie? Könnten Sie bitte überprüfen Sie Ihre Briefkasten oder auf der lokalen Post, um es zu überprüfen? Wenn Sie immer noch nicht Nachricht über sie erhalten, wenden Sie sich gerne an uns wenden, können wir erneut senden Sie das Einzelteil, oder wir können Sie für die Zahlung zurückerstatten, bitte keine Sorge. Hoffnung können Sie sie bald erhalten. Mit freundlichen Grüßen“

– Nein, ich habe nicht im Ausland bestellt, sondern bei einem Online-Shop in Bawü. Wie war das noch gleich mit „wir können alles – außer Hochdeutsch!“? 😉

#rp14, Zeltlager und Spielefest

Mein Talk ist online!, schaut mal (mit Knopf an die Backe labern oder so ähnlch.. ;)):

Bisschen diffus, zugegeben – ich war doch recht irritiert von der Situation mit den Kopfhörern, von dem echt recht heftig blendenden Licht, stand vorher #ohschreck erst noch an ’ner falschen Bühne, weil ich zu doof war, das Programm ordentlich zu lesen und wäre also fast noch zu spät gewesen,… 😉 Na ja.

Der Vortrag war als Impuls gedacht, und ein schönes Ergebnis war für mich, dass eine Person mir schrieb, sie würde jetzt eben durch diesen Impuls tatsächlich in Konstanz versuchen, ein weiteres Coderdojo zu gründen. Wenn das kein cooles Feedback ist! Wenn sich nun längerfristig noch etwas aus dieser Idee „OneDayOfCode/Programmiertag“ zusammenfügt, wäre das natürlich umso toller. Schauen wir mal. Die Vortragsdokumentation steht hier.

Das Zeltlager, von dem ich im Talk am Rande berichtete, gibts übrigens auch dieses Jahr wieder, den Flyer dazu könnt ihr hier abrufen, und hier seht ihr meine Laune-Mach-Livebericht-Vor-Ort-Tweets vom letzten Jahr. Vielleciht wär das ja auch was für eure Kids (oder Kids, die ihr kennt)? Es sind noch Plätze frei, Reisezeit sind die ersten drei Wochen der Berliner Sommerferien.

Übrigens, falls ihr in Berlin seid und morgen (Sonntag) Zeit habt: Kommt doch mit Kind und Kegel spontan tagsüber in den Mauerpark (Seite Mauersegler), da findet morgen zwischen 11 und 16 Uhr das große Kinderring-Spielefest statt, auf dem es neben Zeltlagerinfos viele tolle Aktivitäten (Jonglage, Hüpfburgen, Kinderschminken, Kartonstadt,…) gibt. Und mich! 😉 Bis denne?