Osterbunte Ohrläppchen

Zu Ostern stellen sich zumindest Kinder eiertechnisch wohl vor allem die Frage nach dem Wo, und dann vielleicht noch die nach rot, blau, grün oder gelb, und nach der Füllung (schnödes Hühnerei oder leckeres Schokoteil…).
Mir selbst als färbender Ostereiermama mit gewissen Qualitätsansprüchen stellt sich aber bei der ganzen Eierlegerei vor allem eine Frage: Was machen eigentlich die Hühner mit den weißen Bio-Eiern das ganze Jahr, wenn nicht gerade Ostern ist?
Hierzulande scheint es offenkundig so zu sein, dass die Verbraucher braune Eier als gesünder, ökiger oder was weiß ich nicht ansehen – sozusagen die ungebleichte Variante des immer noch häufig weißen Käfighuhneis. Daraus folgt logischerweise: In der Regel bekommt man in hiesigen Einkaufsmärkten Eier in der Bio-Ausführung fast das ganze Jahr über ausschließlich in braun zu kaufen. Doch wie immer, sitzt auch hier der Teufel im Detail, und dieser steckt in jenem klitzekleinen Wörtchen. Nach der Fastenzeit kommt nämlich Ostern, und in den letzten Jahren konnte ich genau in dieser Zeit regelmäßig ein erstaunliches Phänomen beobachten: Kurz vor Ostern sind auch die Bio-Eier (zumindest viel häufiger) weiß. Färbt sich halt besser. Doch – wie kommt das?

Für die Frage nach der Eierfarbe ist, wie ich nunmehr weiß, die Farbe der Ohrscheiben, sozusagen die Ohrläppchen des Geflügels, ausschlaggebend: Hühner mit weißen Ohrscheiben legen demnach weiße, solche mit roten Ohrscheiben braune Eier, und zwar immer. Damit scheidet also die Theorie, dass das Federvieh einfach nur mal lieb bezirzt werden muss und ‚zack‘ ändert es freundlich die Eierfarbe, aus. Auch die Variante eines Einflusses der gefütterten Nahrung während der bereits erwähnten Fastenzeit entfällt demnach, und selbst meine nette Idee, nach der ein gewisser Hase in den Wochen vor dem heiligen Feste dem Geflügel die Ohrläppchen je nach Wunsch weiß oder auch gleich mal farbig (für die regenbogenbunten Supermarkteier…) betupft, muss wohl leider verworfen werden.

Wie erklärt sich das Ganze denn dann? Werden die rot beohrscheibten Hühnchen für zwei oder drei Wochen zum Bräunen auf die Malediven gechickt? Erscheint mir an sich schon einmal recht unwahrscheinlich, aber noch unwahrscheinlicher ist die logische Folge, nach der die weiß bescheibten Hühner sich dort dann entsprechend fast das ganze Jahr in der Sonne brutzeln lassen dürften (und vor allem: nach einer solchen Prozedur dann kurz vor Ostern körperlich noch imstande seien Eier zu legen…).

Bleiben wir realistisch: Vermutlich ist es vielmehr so, dass die ganze Sache eine Züchtungsfrage ist und die Suppenhühner, die wir nach Ostern kaufen, vermehrt weiße Ohrscheiben aufweisen – ob bio oder nicht.
– Ich glaube fast, ich will es dann doch so genau gar nicht wissen und finde die Variante mit den vom Osterhasen weiß betupften Ohrläppchen irgendwie peotischer…

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