Neusprech

Mich regt da etwas auf. Ein Wort. Ein Wort, welches es eigentlich gar nicht gibt, welches sich aber still und heimlich irgendwie etabliert hat. Scheinbar hat es etwas mit dem Prenzlauer Berg zu tun und mit Bugaboos, die es dort in vergleichsweise hoher Anzahl auf vergleichsweise geringer Fläche gibt.

Bugaboos, dass sind diese Hightech-Kinderwagen, die die, die als die hippen urbanen Eltern aus den Hochglanzmagazinen gelten, un-be-dingt haben müssen, und gegen die die, die prinzipiell was gegen den Prenzlauer Berg haben, wettern. Ich habe nichts prinzipiell gegen Bugaboo-Kinderwagen. Die sind mir recht egal, aber trotzdem sind wir mit dem zusammengesetzten Substantiv nun beim Thema:
Es heißt -wie auch immer vorne- hinten Kinderwagen. Wagen. Wie Kraftwagen. Personenwagen. Lastwagen. Einkaufswagen. Krankenwagen. Rettungswagen. Feuerwehrwagen. Polizeiwagen. Leichenwagen.

Schon mal was gehört von Kraftwägen? Personenwägen? Lastwägen? Einkaufswägen? Krankenwägen? Rettungswägen? Feuerwehrwägen? Polizeiwägen? Leichenwägen?

Das gibt’s doch gar nicht? Das meine ich auch. Es heißt, egal, wie viele davon durch den Prenzlauer Berg (oder wo auch immer) gefahren, geschoben oder gezogen werden, Wagen. Mit a.

Und darum bitte ich alle, vor allem aber die über Berlin und bestimmte Kieze berichtenden Journalisten und anerkannten Buchautoren(!), zu bedenken, dass ein ä auch im Prenzlauer Berg nichts in Kinderwagen zu suchen hat. Egal, wie viele davon herumgeschoben werden.

(…und sollte ich da jetzt total falsch liegen, dann bitte ich einen guten aufklärenden Geist, mir die entsprechende Duden-Stelle nahezulegen, damit ich auf ewig meiner Besserwisserei abschwöre und mit einem grübelnden „Ääääh“ von diesem Blogeintrag Abstand nehme.)

6 Gedanken zu „Neusprech“

  1. Soweit ich weiß, ist das tatsächlich süddeutsch. Ob das nun eine zugelassene Variante ist oder nur dialektal, gucke ich morgen tatsächlich mal im Duden nach. Nun haste mich angepiekst. :)

  2. Im Duden steht:

    Wagen, der; -s, Plur. -, südd. auch Wägen

    Vielleicht fahren in Prenzl’berg besonders viele „Neigschmeckte“ (Schwäbisch für Zugezogene, Fremde) mit Kinderwagen rum. 😉

    Viele Grüße,
    Claudius

  3. Der Neigschmeckte, vulgo Schwabe, ist ja eh schon Hassobjekt in Prenzlauer Berg. Da können wir ihm ruhig auch noch die KinderwÄgen unterschieben. Da, wo ich herkomme, heißen die Dinger übrigens Schääsewähnsche. Das ist aber eindeutig Dialekt. Und bevor einer nach dem Ursprung fragt: Der erste Teil kommt von Frz. Chaise, das heißt also: kleiner Stuhlwagen :-)

  4. Ich hab auch noch was anzubieten. Auf gut Norddeutsch sagt man Karre. Plural: Die Karren. Allerdings weiss ich nicht, was der Bayer im hohen Norden daraus machen würde.

    1. Karre kenne ich auch, aber das steht dann (in der mir bekannten Interpretation jedenfalls) eher für Gefährte, die in Babykatalogsprache als Buggy bezeichnet würden. Worterweiterung daher auch „Kinderkarre“.
      Nun, eine Karre, viele Karren dürfte zumindest grammatikalisch korrekt sein, oder?

      Aber was des nu a wieda auf Bayrisch.. keene Ahnung 😉

  5. Öh, ehrlich, Kinderwägen ist nicht korrekt? Siehste, so geht’s mit Wörtern, die man nie liest (weil in der Literatur im Plural kein Thema) und nur aus dem sprachlichen Umfeld der eigenen Kindheit kennt. Wo ich aufgewachsen bin, war der Plural von Wagen Wägen. Karre war da übrigens ein Auto.

    Jetzt musst Du mir nur noch erklären, ob Du generell gegen Dialekt-Einsprengsel bist oder ob Du meinst, im Prenzlauer Berg darf man nur berlinern (und was wäre dann mit den Prenzlauer-Berglern mit süddeutschem Migrationshintergrund, die versuchen zu berlinern – dürfen die das überhaupt?)

    😉
    Iris

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