Nachtgestalten

Neulich hätte sie eine Begegnung der besonderen Art gehabt, erzählt die Kollegin, die vom Lande kommt und immer mit dem Fahrrad fährt:
Es sei schon Nacht gewesen, in der ja bekanntlich alle Katzen und ähnliche Vierbeiner grau sind, als sie mit dem Radel von Kreuzberg nach Friedrichshain strampelte. Auf der Oberbaumbrücke überquerte ein Tier verwirrt die Fahrbahn. Die freundliche Kollegin (konsequente Vegetarierin, am Rande bemerkt) bangte ob der wenn auch vereinzelt, so doch mit ordentlichem Tempo heransausenden Autos um den armen nachtgrauen Streuner, der bei genauerem Hinsehen gar nicht mehr grau, sondern vielmehr rötlich schimmerte. Während es in ihrem Gehirn noch ratterte und sie kurz verlangsamte, tönte es von dem hinter ihr folgenden Radfahrer, seines Zeichens offensichtlich Berliner mit entsprechender Schnauze, schon freundlich: „Nu glotz doch nich so, is‘ doch bloß’n Fuchs!“

– Tja, manche Dinge gibt es eben nur in der Großstadt, in der ländlichen Heimatidylle hatte sie jahrelang keinen gesehen. Oder ist vielleicht tatsächlich die Berliner Oberbaumbrücke der ominöse Ort aus dem Märchen, an dem sich Fuchs und Hase ‚Gute Nacht‘ sagen?

2 Gedanken zu „Nachtgestalten“

  1. Oh ja, ich habe hier in Berlin auch schon wesentlich mehr Füchse gesehen als je in meiner süddeutschen Heimat. Aber wesentlich weniger Rehe…
    LG Iris

  2. Nach dem wochenendlichen Besuch der Büroputzfrau liegen mal wieder überall Schnipselchen vom Büroschredder-Inhalt herum, was die nette Kollegin zu folgender Frage veranlasst:“Haben wir eigentlich irgendwo ein Kehrblech?“

    „Was? Ach, ne Müllschippe. Neee

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