Mutter 2.0

In Pankow ist derzeit Schienenersatzverkehr. So etwas kann das eigenverantwortliche Leben eines Neunjährigen ganz schön auf den Kopf stellen – und so erreichte mich heute Nachmittag an entferntem Orte via Handy die aufgelöste Kinderstimme, die mir in verworrenen Sätzen kurzgefasst mitteilte, sich verfahren zu haben. Nach einigen beruhigenden Nettigkeiten versuchte ich das liebe Kind dazu zu bringen, mir seinen aktuellen Aufenthaltsort zu beschreiben. „Also, hier sind viele kleine Läden und die Adler-Apotheke, und ich sehe noch diese Kirche, wo immer die Kunstdinger vor stehen.“ Okay, damit war die Sache eingegrenzt. Ich versuchte nun herauszufinden, in welche Richtung das Kind wohl schaute, denn hierauf mussten sich meine Versuche, es in die richtige Wegspur zurückzulenken, ja beziehen. Nach verschiedenen Formulierungsansätzen scheiterte ich und riet dem Kind: „Frag doch einfach jemanden, wo der S-Bahnhof ist. Das ist ganz nah. Geh halt in die Apotheke und frag! Vom Bahnhof aus findest du den Weg doch ganz leicht.“

Das Kind hörte auf zu schluchzen, sofort. Es schien irritiert-brüskiert angesichts meines Vorschlags. Und mit ernstlich entrüsteter Stimme antwortete es dann: „FRAGEN? Kann ich dir nicht einfach schnell ein Foto von hier schicken und DU erklärst mir das dann?!“
Jau. (Und nein, das alte Handy des Kindes kann kein Streetmap, egal ob von Google oder Open. Und zuerst bin ich mal dran mit nem neuen mobilen Endgerät, da muss das Kind sich im Falle des Falles halt noch ein Weilchen mit solch kreativen Notlösungen behelfen..)

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