Macht euch nackig!

Hach, wie schön: Da sollen Nacktscanner neudeutsch „Körperscanner“ eingeführt werden und zuerst regt sich noch etwas Protest. Doch dann gibt es plötzlich ein Attentat, der sich medial herrlich pushen lässt, und schon ist die allgemeine Angst so groß, dass von Hinz bis Kunz plötzlich Einigkeit besteht: Klar, für unsere Sicherheit machen wir uns natürlich nackig! Zumal, wie uns alle großen Nachrichtenmagazine zeigen, die Bilder ja auch gar nicht mehr auf die Körperproportionen bezogen sind. Ach so?Ich erlaube mir, an dieser Stelle einmal dezent darauf hinzuweisen, dass die Scanner natürlich weiterhin scannen, was da ist. Mittels eines -auch abschaltbaren- Programms werden anschließend nur die dargestellten Bilder verfremdet, die Daten werden aber trotzdem festgestellt. Auch sehr private Details wie eine Insulinpumpe, ein künstlicher Darmausgang, Nabel- oder Intimpiercings, … bleiben, Verfremdung hin oder her, erkennbar. Und speichern lassen sich all diese Daten dann auch, personenbezogen.

Immer noch einverstanden?

Ich nicht. Vor allem, wenn ich mir dann noch überlege, dass von den sowieso schon unglaublich wenigen Unfällen im Zusammenhang mit Flugzeugen gerade mal rund drei Prozent auf vorsätzliche Ursachen zurückführbar sind. Damit ist es statistisch etwa zwanzig Mal wahrscheinlicher, vom Blitz erschlagen zu werden, denn in eine solche Situation zu kommen.

Was hier einmal mehr geschieht, ist das Schüren von Angst und als Antwort darauf das Versprechen von Sicherheit, obwohl es um ganz andere Dinge geht: um das Durchsetzen einer mehr als umstrittenen Technik, um die Speicherung persönlicher Daten, um das Erstellen von Personenprofilen.

In Anlehnung an den Security-Nightmares-Vortrags auf dem CCC-Kongress 26C3 wünsche auch ich dann mal einen guten Rutsch ins Jahr 1984.

Weiterlesen? z.B. hier:

Heise.de: Meinungsumschwung bei Nacktscannern
Zeit.de: Wir sind doch längst nackt
Spiegel Online: Flugsicherheit. Niederlande führen Nacktscanner ein.
taz.de: Revival der Nacktscanner

1 Gedanke zu „Macht euch nackig!“

  1. Ja, und im Urinsäckchen für den künstlichen Darmausgang versteckt der Attentäter dann seinen Plastiksprengstoff – Al-Quaida rekrutiert neuerdings vorwiegend in Seniorenheimen, habe ich gehört …
    Die müssen doch den ganzen Tag lachend auf dem Boden liegen da in Pakistan oder im Jemen, wo immer sie gerade sitzen, wie wir uns hier in die Hose machen.

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