Laterne, Laterne

Eine Tradition, die es in meiner Kindheit eigentlich nur zu Kindergeburtstagen gab, die sich aber inzwischen standort- und religionsunabhängig offensichtlich zumindest auf alle Kindergärten Deutschlands ausgebreitet hat, ist die des herbstlichen Laternenumzugs. Wahlweise, je nach Traditionsbewusstsein, mit Sankt Martin und Esel oder Pferd und entsprechendem Lied oder ohne (das eine, das andere oder beides). In jedem Fall aber: mit Laternen.

Was braucht nun aber eine solche Laterne (natürlich, engagierte Haushalte, wie alle es sind, selbstgebastelt!) UN-BE-DINGT? Genau: Eine Kerze und einen Holzstab. Oder doch besser einen elektrischen Leuchtstab?

Dies ist, auch wenn Nichteltern es vielleicht unvorstellbar finden, eine durchaus ernstzunehmende Frage, die Jahr für Jahr aufs neue ausgefochten ausdiskutiert werden muss. Von Eltern, natürlich.

Hier einmal, dem allgemeinen Amusement gewidmet, ein völlig fiktives Streitgespräch.In Lampions gehören Kerzen. Das war schon immer so, das ist eine Tradition und die sollte auch weitergegeben werden.

Ach, Tradition, Tradition. Hier in der Gegend ist das überhaupt keine Tradition, und hätte es früher schon solche elektrischen Leuchtstäbe gegeben, wären die garantiert auch genutzt worden.

Aber das ist doch viel romantischer, so ein Flackerlicht-Kerzen-Umzug…

Ja, da tappen dann permanent alle im Dustern. Mit heulenden Kindern: Oder zeig mir doch mal die Kerzen-Laterne (getragen von einem vierjährigen Kind, welches seinen Lampion auch gerne mal auf dem Boden aufditscht) die nicht permanent ausgeht. Das Problem besteht bei Leuchtstäben nicht.

Auch so ein Leuchtstab kann ja wohl ’nen Wackelkontakt haben, oder die Batterien können leer sein! Bei einer gut gebauten Laterne geht das Kerzlein nicht ständig aus, auf die Konstruktion kommt es eben an. Und für alle anderen gibt es ja auch Feuerzeuge oder Streichhölzer.
Das Kerzenwachs riecht außerdem besser, besonders, wenn man ein Bienenwachs-Teelichtlein nimmt.

Ja, sicher. Mitten in der Großstadt ist der Kerzengeruch bestimmt bis weit in die Hinterhöfe riechbar. Die verbrannte Kinderhaut aber auch!

Ach was, Eltern sollten ihren Kindern etwas zutrauen, bei einer gut gebauten Laterne ist das nun wirklich nicht gefährlich. Und die Kinder sind ja nicht allein unterwegs.
Außerdem sind die Batterien in den Leuchtstäben ja auch nicht ganz unbedenklich. Und die Weichmacher und Chemikalien, die in diesen Plastikstäben drin sind!
Nun ja: Wenn die Stäbe der elektrischen Lichter nicht so grellbunt wären, wäre es ja schon etwas weniger furchtbar.

Den bunten Stab sieht man im Dunkeln sowieso nicht.

Ja, aber dafür dann zukünftig den noch mehr erhöhten Plastikmüllberg umso mehr. So ein Holzstab ist demgegenüber voll recyclingfähig. Und die Kinder haben ein tolles haptisches Erlebnis.

Genau, besonders dann, wenn sie sich einen schönen Holzsplitter mittig in die Handfläche gerammt haben. Wunderbar.

Die sind doch rundgeschliffen! Und hernach kann man sie noch prima zum Basteln weiterverwenden!

Das mag ja sein, aber mit den Leuchtstäben kann man dafür praktisch alles in eine Laterne verwandeln, sogar ’nen stinknormalen Luftballon. Zeig mir mal, wie du mit einer Kerze ’ne Luftballonlaterne baust!

Schon mal was von Pappmaché gehört?

So war das nicht gemeint, es ging mir um den Ballon als selbständiger Leuchtkörper!

(…)

Ja – so kann letztlich alles zur Wissenschaft werden. Und was meinen eigentlich die Kinder?

5 Gedanken zu „Laterne, Laterne“

  1. Großkind versichert sich am Vorabend des Laternenfestes (damit es keine Kollisionen zu Gemeinde-Martinsumzügen gibt, dieses Jahr auf den 10.11. vorverlegt… aber komplett mit St. Martin… bei 2 katholischen Kindern von 60 schon nett… – ach ja, die evangelische Nachbargemeinde war auch auf den 10.11. ausgewichen, wollten die heute alle nochmal bei den Katholiken mitgehen?) – also, Großkind versichert sich, dass Papa auch ausreichend Ersatzkerzen eingesteckt hat. Die brennen nämlich schnell runter, wenn man schon so groß ist, dass man sie nicht durch Laterneschütteln ausmacht.

    Kleinkind vermeldet: „Angst-de Feua! Kannste Kerze auspusten?!“, pustet nach erteilter Erlaubnis die Kerze aus und will nach Hause.

    In der Kita sind elektrische Laternen übrigens Babykram, das bekommen nur die ganz Kleinen…

    :-) Iris

  2. Also ich fand Kerzen als Kind besser… das war quasi so genau richtig gefährlich, also ein kleines bisschen, dass es Spaß machte. Ist auch nie was passiert bei meinem Bruder und mir, weder eine Laterne abgebrannt noch ein Splitter in der Hand noch Verbrennungen. Das hat man uns schon beigebracht (Man muss seinen Kindern eben auch mal was zutrauen). Naja, irgendwann in der Grundschule hatte ich mal eine elektrische Birne, weil von der Bauform her eine Kerze wirklich nicht gut ging. Das war dann auch okay. Aber da mein Vater schon der totale Geek war, bevor es das Wort überhaupt gab, war das Ding natürlich nicht gekauft, sondern an einen Holzstab wurde eine Birne und ein Kabel gebasteln. Mit Akkupack in der Jackentasche. Those were the days…

    1. Unsere Kleine bestand heute auf Leuchtstab UND Kerze, die innen einfach zur Deko dabeisein musste ;-).
      Das mit dem Splitter in der Hand und so war natürlich scherzhaft gemeint(!), ich kann ja durchaus beiden Seiten was abgewinnen. Find für Durch-Den-Park-Horsten Leuchtstäbe praktischer, für ruhiges Spazieren gerne Kerzen. Die dürfen meine aber dann eher in Kürbissen durch Omas Garten tragen oder so, auch ne schöne Herbstbeschäftigung :-)

      Die Papa-Geek-Glühbirnen-Konstruktion kann ich mir bildlich vorstellen. Aber – fandste das, so allein auf weiter Flur, eher cool oder peinlich? ^^

      1. Von beidem ein bisschen. Zuerst eher peinlich, aber nach der Schrecksekunde dann doch eher cool 😉 Solche Sachen müssen mich auch ein bisschen geprägt haben, da ich, noch dazu als Frau, durchaus auch einige entsprechende Tendenzen entwickelt habe.

  3. Wer ihn findet, sollte unbedingt einen elektrischen Fackelstock von Elfasto (klingt spanisch, ist aber die Abkürzung von ELektrischer FAckelSTOck) kaufen. Leider etwas schwerer, weil die dicken Babyzellen reinkommen, dafür aber solide gebaut und nicht gleich nach dem nächsten Fackellauf kaputt (wenn er überhaupt je richtig funktioniert hat). Wie es scheint, werden die Dinger nicht mehr hergestellt, aber sie sind ihr Geld echt wert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *