Kleiner Abschied – ein sehr persönliches Protokoll

Ostseestrand

Am Dienstag vor zwölf Tagen saß ich bei Freunden am Küchentisch und sie klatschtratschfragten mich fröhlich: Manu, weißt du schon das Neueste?

Weißt Du, wer SCHWANGER ist?

Fast wäre ich geplatzt, aber ich biss mir in die Wangen, um mich nicht aufgeregt-kichernd zu verplappern mit Ja, ICH!, Anfang achte Woche!, denn wir wollten es ja vor der vielbewarnten vollendeten 12. Woche noch nicht so sehr herumerzählen… Nur einige besonders enge, langjährige Freundinnen, mit denen ich seit Jahren überall da, wo es Internet gibt, fast jeden Tag in Kontakt stehe, wussten bereits von unserem Projekt Nummer Drei.

Dies ist das Protokoll einer kleinen Geburt¹ Anfang der neunten Schwangerschaftswoche.

Es ist auch und vor allem eine mich mit großer Dankbarkeit erfüllende Sprachfetzen-Nacherzählung vieler Nachrichten eines mich seit langem tragenden Freundinnen-Netzes, das es ohne das Internet überhaupt nicht gäbe und das durch die vielen neuen technischen Möglichkeiten und Dienste, die in den letzten Jahren quasi drumherum gewachsen sind, noch viel stabilere Fäden zum Fortspinnen dieser Freundschaften bekommen hat.

Und es ist sicherlich einer der persönlichsten Beiträge dieses Blogs. So sei es.


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Einiges vorab:

OMFG, warum stellst du so was derart krass Persönliches ins Internet??!!

Weil ich es kann.

Ich habe selbst in den vergangenen Tagen nicht nur von den mich direkt unterstützenden Menschen, sondern auch und in ganz besonderer Weise von vielen unbekannten Frauen in unzähligen Internetforen dieser digitalen Welt profitiert, die ihre Erlebnisse und Erfahrungen, ihre Ängste, Sorgen und Nöte im Netz und damit auch mit mir teilten. Ich konnte schöpfen aus ihrem Erfahrungsreichtum, aus ihren Schmerzen und auch aus ihrer Hoffnung. Und ich möchte meinerseits hier nun für andere etwas beitragen. Auch – und deshalb ist dies hier auch gleichzeitig eine Triggerwarnung – mit einigen wenigen Fotos am Ende dieses Artikels.

Perspektiven

Wann ist ein Kind ein Kind? Ab welcher Schwangerschaftswoche ist Trauer legitim? Darf man oder muss man traurig sein, und warum und wie lange? Wer entscheidet das eigentlich und was, wenn es bei mir anders ist? Ich habe keine allgemeingültigen Antworten auf diese Fragen – und ich glaube auch nicht, dass es sie gibt. Jede Frau, jede Familie ist anders, ein Leid ist nie mit einem anderen Leid gleich „klein“- oder „groß“zurechnen.

Bei meiner ersten Fehlgeburt vor 13 Jahren – ganz am Anfang meiner allerersten, so ersehnten Schwangerschaft und wirklich sehr früh, nämlich in der sechsten Woche – fühlte ich mich mutterseelenallein und trauerte voller Angst. Ich studierte in Frankreich, wusste nicht, was ich tun sollte, wurde in einem kalten Krankenhaus von einer desinteressierten Krankenschwester mit den Worten begrüßt, ob ich die sei, die heute wegen der Abtreibung komme – und musste antworten: Nein, ich bin wohl die mit der Fehlgeburt, um mir dann noch anzuhören, dass eine so frühe Fehlgeburt ihnen ja auch nicht oft unterkomme und man da ja noch nicht mal richtig was erkennen könne. Es war einfach unfassbar.

Es ist nicht so, dass ich mich nun über diese erneute Erfahrung freuen würde – ich habe viel geweint in den letzten Tagen und die Traurigkeit holt mich vielleicht auch in den nächsten Tagen noch immer wieder einmal ein, wenngleich ich mich wirklich schon ziemlich stabil, normalisiert und realistisch fühle. Meine Perspektive – mit zwei Kindern an meiner Seite – ist heute natürlich eine ganz andere als damals. Und die Erfahrung der letzten Woche war bei aller Traurigkeit nicht nur Pein und Elend, sondern am Ende auch eine sehr würdevolle: Ich war schwanger, ein kleines Wesen hatte begonnen, in mir Gestalt anzunehmen. Es musste nun zwar leider schon wieder gehen, aber ich durfte es zumindest gebären, selbstbestimmt, durfte es sehen, so winzig, wie es war, und ich durfte es in aller Stille und Verbundenheit loslassen. Ich bin dankbar dafür. Und zuversichtlich für alles, was da kommt.

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28. Januar

Am Donnerstag, heute vor zehn Tagen, endlich der erste Gyn-Termin bei der befreundeten Ärztin: Ein Mini, in der Gebärmutter installiert, wo es hingehörte, und ja, mit Herzschlag. Ein bisschen klein allerdings, aber das war K1 auch gewesen, da gab es auch gleich am Anfang eine Rückstufung um eine ganze Kalenderwoche – kontrollwürdig, aber grundsätzlich kein Drama. Statistik.
Pass auf dich auf!, Schönen Urlaub!, Kontrolle in drei Wochen.

Mit dem Minifoto in der Hand ab nach Hause. Dem Liebsten eine Textnachricht geschickt von unterwegs: „Alles gut, eins, sitzt!“
Nach einigem Hin- und Herüberlegen in den Tagen davor, ob dies wirklich schon der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch mit unseren großen Kindern sei, abends gemeinsam „Wir wollen euch da mal was sagen!“ ausgesprochen. Sie reagierten so wunderbar, wie wir es uns nur hätten erträumen können. „Aber ihr müsst wissen: Am Anfang einer Schwangerschaft kann immer noch ganz viel schief gehen. Wir hoffen natürlich, dass alles gut ist, aber außerhalb unserer Familie wollen wir es erst in einigen Wochen sagen, wenn wir sicherer sein können.. Oma und Opa aber dürft ihr es sagen.“

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31. Januar

Am Sonntag, heute vor sieben Tagen, sollte es endlich losgehen an die Ostsee: Einige Tage Pause nach vielen schönen Jobstressangelegenheiten der letzten Wochen und Monate, die ersten Urlaubstage zusammen mit meinen Eltern, danach nur unsere kleine Familie. Wie hatten wir uns darauf gefreut.
Schon die Hinfahrt jedoch war unerwartet unbequem – und ich meinte bald zum Liebsten: „Du, das mit dem Frankreich-Familienabstecher im Frühling überlegen wir noch mal. In der Schwangerschaft mit K2 war Autofahren ja gar kein Problem, aber ich find schon die kurze Strecke bis zur Ostsee irgendwie anstrengend…“
Sitzen fühlte sich unbestimmt falsch an, auch am Abend. Na ja, schwanger halt, der Bauch wird wohl heimlich schon wachsen, was man so denkt, keine Sorgen. Im Rückblick? Nun ja. Meine Eltern jedenfalls freuten sich sehr mit uns über die ihnen an diesem Abend verkündete Nachricht.

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01. Februar

In der ersten Urlaubsnacht der Schreck: Ganz leicht, ganz zart, nur ein rosa Schimmer, eine feine Blutung, aber ich war doch recht aufgeregt. Ich wusste, dass das in bis zu circa 25% der Schwangerschaften durchaus ohne weitere Probleme vorkommt, aber dennoch..

09:35 Uhr, ich schreibe auf dem Smartphone eine Freundinnen-Nachricht:

Hatte heute Nacht ne Schmierblutung. Weiß ja, dass das vorkommen kann, bin aber trotzdem total durch den Wind. Will nur in ein Schneckenhaus und mich schonen. Sorge ist ein schlechter Urlaubsauftakt..

Liebste Antworten. Ach du, nicht verrückt machen, ruhiger treten,…

12:24 Uhr, ich:

Ich trete auf jeden Fall kürzer – ich glaube, die Fahrt gestern mit vorher schnell Packen usw. waren etwas zu anstrengend. Liege jetzt im Bett und trinke Malzkaffee, der Liebste ist mit den Kindern ohne mich gerade in das kleine Schwimmbad. Wollten heute Nachmittag alle bowlen gehen, da gehe ich nicht mit.

Und noch als Nachtrag um 12:31 Uhr:

Blutung ist übrigens nicht stärker geworden, sondern fast ganz weg, aber ich merke schon, dass mir das ziemlich nahe geht. Meine Freundin und Färztin meinte heute früh (haben telefoniert) auch: Ich kenne dich Manu, und in deinem Fall würde ich daher ausdrücklich zu Entschleunigung raten soweit möglich – dann bist du auf Durchschnittslevel..

Der Zweifel nagte, fraß sich leise in mein Gehirn.
Unruhe, Sorge, Kummer, dann wieder Hoffnung, Aufatmen, Entspannung.
Schöne Momente mit Mann, Mäusen und Eltern, viel Ruhe, wenig Aufregung. Ich lag den halben Tag warm eingemummelt bei offener Verandatür im Liegestuhl der Ferienwohnungs-Glasveranda an der Seepromenade, lauschte dem nahen Meer, den kreischenden Möwen und den vorbeiwehenden Klängen eines Akkordeonspielers.

Konnte ich in mich hineinspüren, Kontakt aufnehmen?
Was fühlte ich?
Fühlte ich was?

Abends, 19:57, ich an die Freundinnen:

War ein schöner Tag, ganz ruhig. Bis jetzt gibt’s Entwarnung, hoffe, das bleibt so. Danke euch noch mal.


20:36 Uhr, Antwort:

Manu, das ist ja schön! Und jetzt bitte weiterhin schonen, ja?

21:01 Uhr, ich:

Schonen läuft. War den ganzen Tag ruhig und bin schon wieder müde. Und da ja jetzt Urlaub ist, gehe ich auch jetzt schlafen – um NEUN! Bin schon im Bett. Das ist jetzt echt löblich, oder?

Lob, gute Wünsche. Schlaf.

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02. Februar

Geschlafen, nachts mehrfach wach geworden mit einem Ziepen hier, einem Zuppeln da. Mutterbänder oder Probleme? Keine Ahnung. Weitergeschlafen.
Wenig Veränderung am 02. Februar. Verhaltene Freude, mehr Hoffnung. Spaziergänge, Elternverabschiedung, Ruhe.
Alles gut? Vielleicht ja doch.

Ab dem späten Nachmittag nicht mehr. Immer wieder ein Stechen, kurz, aber umso schmerzlicher. Gemein. Und Ziehen, krampfartig, ein Kommen und Gehen. Wie auch die gerade wieder zurückgekommene Hoffnung. Am Abend lässt sie mich wohl endgültig im Stich:

19:03 Uhr, ich:

Jedes Ziepen macht Sorge. Jede neue zarte Blutspur verstärkt sie. Jede Stunde mehr, in der es so oder noch ruhiger bleibt, nährt die Hoffnung. Ein bisschen ist es ein Schrecken ohne Ende – aber ein Ende mit Schrecken ist ja keineswegs der Wunsch. Ach, ach..

19:04 Uhr, Antwort:

Verstehe so gut deine Nervosität! Was macht ihr am Abend?

19:06 Uhr, ich:

Eben haben wir einen Film geguckt. Jetzt weine ich heimlich ein bisschen, der Liebste bereitet Raclette vor. Und nachher werde ich versuchen, früh ins Bett zu gehen und schlafend alles auszublenden.

19:07 Uhr, Antwort:

Schwanger sein heißt auch viel: warten. Und guter Hoffnung sein.

19:08 Uhr, ich:

Ist gerade schwer (hab ich den ganzen Tag gut hinbekommen, aber gerade ist wohl die Kraft weg)

19:09 Uhr, Antwort:

Und mit dem schönen Essen wird es vielleicht wieder besser. Erst mal stärken.

19:10 Uhr, ich:

(Hab gar keinen Hunger)

22:07 Uhr, ich:

Ich glaube, es wird jetzt schlimmer. Hab auch mehr und mehr Bauchweh. Und ich hab vor lauter positiver Anstrengung heute nicht mal daran gedacht, Binden oder so zu kaufen und hab sowas auch nicht mit. Was mach ich denn jetzt nur, wenn es losgeht?

22:38 Uhr, ich:

Eben der Schwiemu geschrieben:

‚Es scheint doch nicht ganz so zu klappen mit dem mchen, ich denke, es verabschiedet sich wohl gerade wieder. Ich möchte jetzt wirklich nicht telefonieren, freue mich aber über tröstende Gedanken ohne Worte. Mir geht es ansonsten gut, ist halt nur echt traurig gerade. Montagfrüh in B gehe ich noch mal zur Färztin, aber bis dahin wird es wohl weg sein. Traurig, Manu‘

02.02. 22:55 Uhr / 23:03 Uhr / 23:12 Uhr / 23:48 Uhr, Antworten:

Ach Manu, was für Sorgen..

Ach herrje, ich denke an dich..

Das tut mir sehr leid, ich denke an dich

Liebe Manu, ich schicke dir ein paar tröstende Gedanken

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03. Februar

01:05, Twitter, ich:

himmelhochjauchzendzutodebetrübt #Status

Mitten in der Nacht einige flauschige Favs, ne Reply und vor allem Tröst- sowie Hilfsangebot-DMs ohne, dass ich das in irgendeinen Zusammenhang hätte stellen müssen. Einfach so, weil. Unbezahlbare Streicheleinheiten aus Digitalistan – wow.

08:10, Nachricht an mich:

Oh Manu, das tut mir so leid. Ich drücke dich ganz fest!

09:43, an mich:

Manu, wie geht es dir heute?

09:54 Uhr, ich:

Rationaler – außer, wenn sie wie eben im Frühstückssaal ‚Raindrops keep falling on my head‘ spielen.. Hab K2 (die um fünf aufsteht) schon beim unglaublich süßen Singen auf der Glasveranda belauscht, ihr die Sache ruhig und ohne viel Tamtam erklärt (dem Großen eben auch, der hat aber meine emotionale Berg- und Talfahrt der letzten Tage nicht so mitbekommen wie sie und hat es so hingenommen). Ablenkung und Kinderbeschäftigung im ‚echten Leben‘ sind schön: Hab K2 von 7 bis 8 beim Toben in der Schwimmhalle beaufsichtigt, viele Runden Vier gewinnt gespielt und ‚Ich sehe was, was du nicht siehst‘..
Immer noch nur (recht viel) helles Blut, aber mit echt heftigen Regelschmerzen – nein, ich gehe (auch und gerade wegen der Schmerzen) nicht davon aus, dass das nur so eine ‚Kann-passieren-Blutung‘ ist.

Fühlt sich sehr zu Ende an.

Gehe jetzt mit dem Liebsten am Strand entlang spazieren bis zur Drogerie an der Promenade, praktisches Denken und Handeln erscheint mir jetzt am sinnvollsten.

Kopf ist / bleibt oben.

Schön, dass es euch gibt – danke!

11:44 Uhr, ich:

Hoffe, dass ich um eine Ausschabung herumkomme – das Internet ist sehr widersprüchlich. Vor einer solchen und dem ganzen Drumrum mit KH etc. hab ich ziemliche Angst. Hoffe, es blutet einfach ab und am Montag heißt es, dass mir jedenfalls das erspart bleibt..

12:25 Uhr, ich:

Hier keine Entwarnung, sondern immer wieder Regelschmerzen und seit gestern Abend mehr und mehr helles Blut. Hoffe sehr, dass es nicht zu schmerzhaft wird, nun bald selbst abgeht und du mich Montag nicht noch zu einer furchtbaren Ausschabung schickst.. (schon das Wort!) Quel dommage. Gehe jetzt ein bisschen an den Strand, Gedanken auslüften und Möwen füttern.

12:36 Uhr, Antwort:

Ach Mann! Aber wenn Du es aushalten kannst, kann man abwarten, so schnell verblutet man nicht, wir sehen uns Montag. Du bist ja Gott sei Dank noch jung und hast 2 gesunde Kinder zur Welt gebracht… da bin ich doch sehr zuversichtlich! LG

Möwen füttern, ein bisschen spazieren, den Kindern beim Toben zusehen. Sie lassen mir Raum, sind betroffen, aber nicht entsetzt. Leben ihren Urlaub weiter – gut so und schön. Der Liebste macht viel mit ihnen, damit ich auch Zeit für mich haben kann, zum Ausruhen, zum Klarkommen..

Die brauche ich auch nach dem Spaziergang, ich bin erschöpft. Er nimmt sie mit ins Schwimmbad, ich habe zwei, drei Stunden für mich. Welche Erleichterung.

Ich liege im Bett, will mich ausruhen, kann jedoch nicht schlafen. Surfe durchs Internet, will wissen, wie es jetzt wohl weitergeht. Suche nach den Geschichten anderer Frauen, lese, hake mich fest. Dann verändert sich etwas. Ich fühle es genau, erkenne es wieder, auch wenn 9. Woche und 9. Monat nicht dasselbe sind, so gar nicht dasselbe. Aber doch, ganz sicher, das sind Wehen, gezielte, kraftvolle. Ich will nicht mehr liegen, gehe ins Bad.

17 Uhr 10, ich:

Ich habe es gerade – tatsächlich mit Wehen, erstaunlich – geboren. Habe Gewebe und diesen winzigen Alienknubbel mit Millimeterbeinen abgewaschen und genau angesehen. Und werde es nachher oder morgen in die Ostsee bringen. Es musste nicht ins Klo – das ist doch schön, oder? Ich finde das sehr berührend.

17:17 Uhr, Antwort:

Ach Manu :( :( manchmal ist die Natur einfach… ****** ich drücke dich ganz feste, lass dich auffangen und lass alles raus :(

17:44 Uhr, Antwort:

Ach Du…

17:46 Uhr, Antwort:

Krass. Hast du den Embryo ernsthaft gesehen? Ich dachte immer, das sei undefiniertes Blut oder so. So fände ich es irgendwie noch schlimmer, aber klar, niemals ins Klo, immerhin hat das Herz geschlagen…

17:54 Uhr, ich:

Ich habe die Gewebeteile abgewaschen und ganz gezielt untersucht. Nein, das war dann nicht mehr schlimm. Es ist dann klar, dass es wirklich nicht mehr im Körper ist. Ich finde das für den Abschluss gut – und es war auch interessant. Ich habe es vorerst in ein abgedecktes Glas in den Kühlschrank gestellt. Und ich weiß jetzt: Heute Abend kann ich, weil es wirklich nicht mehr in mir ist, ein Glas Sekt trinken. Und morgen mit den Kindern Schlittschuh laufen.

17:55 Uhr, Antwort:

Das ist wirklich sehr beeindruckend. Dass du es abgewaschen und untersucht hast. Aber vermutlich hilft das wirklich, um besser abschließen zu können. Das machen aber sicher nicht viele.

17:56 Uhr, Frage:

Tat es eigentlich körperlich sehr weh?

18:31 Uhr, ich:

Die meiste Zeit wie starkes Ziehen bei der Mens, aber vor der Geburt (ich will es jetzt nicht zu hoch spielen, aber sonst kam halt die ganze Zeit nur Blut) waren wirklich mehrere zu veratmende Wehen, die auch deutlich weiter in Oberkörper und Beine zogen.

18:36 / 18:42 / 19:02 / 19:02 , Antworten:

Ja, das ist wirklich schön-traurig.

Sei gedrückt!

Ach je, Du Arme! Das ist wirklich traurig!

Das Seelchen kommt bestimmt bald wieder vorbei und dann geht’s gut.

19:24, ich:

Ja, das sage ich mir auch. Und es hört sich vielleicht skurril an, aber seit diesem Geburtsmoment (doch, das war wirklich so, in klein) bin ich irgendwie wieder klar und es ist gut jetzt.

19:28, Antwort:

((()))
Immerhin hat es sich die See ausgesucht zum Vorbeihuschen.

Zwei Erwachsene, die durch Ostseepromenaden-Nieselregen laufen. Ich bin traurig. Und ich bin froh. Der Liebste und ich, gemeinsam. Die Seebrücke. Ich habe alle Zeit der Welt – und weiß meine kleine Welt ganz nah bei mir.

20:13, ich:

Ein schöner Platz. Werde ich nicht vergessen.

21:55 / 23:03, Antworten:

Uff.

<3

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04. Februar

16:22 Uhr, ich:

Ich finde es schön, dass wir uns hier gegenseitig unterstützen und stärken können. Das hat mir in den letzten Tagen sehr viel Kraft gegeben.

16:23 Uhr, Antwort:

Ja. Ich war auch froh, dass Du uns mitnehmen konntest!

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05./06. Februar

12:47 Uhr, ich:

Glühwein am Strand! (Blick auf die positiven Dinge im Leben.. :))

14:12 Uhr, Twitter, ich:

Nur noch mal schnell Tschüß sagen und ein bisschen weinen, bevor ich heimfahre.

14:22 Uhr, Twitter, ich:

„Et d’une chanson d’amour la mer a bercé mon coeur pour la vie.“

21:02 Uhr, Frage:

Wie geht es dir heute?

06.02., 01:21, ich:

Jetzt: v.a. müde – insgesamt ganz okay. LG & gute Nacht.

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mchen war wirklich noch winzig. Ungefähr so groß wie eine Rosine. Die Scheitel-Steiß-Länge betrug bei der Messung Mitte 8. Woche noch keinen Zentimeter, sondern entsprach etwa Mitte/Ende 7. Woche – solche Abweichungen können aber z.B. auch durch einen verschobenen Eisprung u.ä. vorkommen. Bei der Untersuchung war auf dem Monitor der Herzschlag noch deutlich zu sehen. Der Embryo wurde nicht, wie von einer Freundin befürchtend gefragt, in einer undefinierbaren Blutmenge ausgestoßen, sondern nach eindeutigen Geburtswehen zusammen mit einem etwa handtellerbreiten Gewebestück. Vermutlich die in Entstehung befindliche Plazenta, die bei normalem Schwangerschaftsverlauf dann ja bald ihre volle Funktion übernommen hätte.

mchen - Abort 9. SSW EmbryoDer Embryo fühlte sich viel fester als das sonstige Gewebe an. Knubbelig-knorpelig. Trotz der Winzigkeit ließen sich schon mit bloßem Auge klar und beeindruckend die Ansätze eines Gesichts erkennen – ein bisschen wie bei einer dieser winzigen Puppenstuben-Plastik-Babyfiguren. Auf dem Foto sieht man es natürlich noch besser, da vergrößert. Die Gliedmaßen waren in Ansätzen erkennbar, aber ich fand sie noch nicht wirklich leicht zu definieren. Gummibärchenstadium halt.

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Ich fand es wirklich tröstlich, dieses winzige Alien-Gummibärchen-Baby zu sehen, zu berühren, mich damit auseinanderzusetzen. Und dann abends mit dem Liebsten zur Seebrücke zu laufen, wo ich es dem Meer übergeben habe.

Tschüß, mchen.

 

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¹Einige Links zum Medizinischen und zum Weiterlesen:

rabeneltern.org: Ausschabung oder kleine Geburt?

Hebammenblog: Die kleine Geburt.

hebammenwissen.info: Fehlgeburt ohne Ausschabung

Wachstumstabelle Embryo / Fötus

Nachtrag 10.02.2016: Eben gelesen udn für sehr verlinkenswürdig befunden – ein sehr berührender, meinem vielleicht nicht ganz unähnlicher Bericht über eine kleine Geburt und den Abschied von einem Kind in der 10. SSW, digital als Leseprobe online gestellt von der Deutschen Hebammenzeitschrift

3 Gedanken zu „Kleiner Abschied – ein sehr persönliches Protokoll“

  1. Liebe Manuela!

    Ja, ich finde auch, dass Dein Bericht und die Geschichte um mchen der Geschichte unseres Würmchens gleicht 😉
    Schön, dass Du uns daran teilhaben lässt! Ich fragte mich nämlich von Zeit zu Zeit, ob ich eine absonderliche Exotin bin diesen Weg des Abschieds für meine Familie und mich gewählt zu haben. Ich wünsche Dir viel Kraft und verständnisvolle Menschen in Deinem Umfeld! Danke für den „Tabu-Bruch“! Fühl Dich gedrückt!

    1. Liebe Lioba, ich bin sehr berührt von Deiner Antwort „ums Eck“ nach hier. Danke dafür, für die guten Wünsche und für Deine Entscheidung, die der meinen zufälligerweise so ähnlich ist, ob nun exotisch oder nicht. Herzlich, Manu

  2. Danke für diesen geraden und klaren Text. Ich finde es wichtig, darüber zu reden und es zu benennen.
    Noch ein, zwei Worte für andere Betroffene – du selbst scheinst sehr klar zu sein:
    Ihr habt Recht auf Hebammen-Begleitung bei jeder Schwangerschaft und bei jeder kleinen Geburt oder bei einem Abbruch. Das kann sehr sehr helfen, auch bei der Begleitung in der Zeit danach, um es euch und eurem Körper leichter zu machen.
    Eine Ausschabung ist kein Muss. Auch da kann euch eine Hebamme gut begleiten.

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