Kleider machen Leute II – oder die Odyssee geht weiter

… und weil es so schön ist, wurde es heute umso deprimierender:
Wir fanden uns also, wie vorgenommen, im Naturkaufhaus ein; fanden dann auch die Etage mit dem biologisch korrekten Schuhwerk, und von der Pracht der unzähligen Damenschuhe ausschließlich der Firmen, an denen ich mich optisch totkaufen könnte, erschlagen, entdeckten wir dann auch den um die Treppe herum übersichtlich angeordneten Herrenschuhbereich. Nun gut, fanden wir weiter, ein Paar würde für Martin ja auch reichen (zumal bei den nicht ganz so übersichtlichen Preisen). Aber wir FANDEN dann keines…!
Auch im Naturkaufhaus gab es nämlich nicht EIN einziges Paar Herrenschuhe, bei dem uns ein Mitglied des vorhandenen Personalbestands glaubhaft hätte versichern können, dass es unter humanen Bedingungen produziert wurde (also das Paar Schuhe, nicht das Personal natürlich). Bei fast allen vorrätigen Modellen ließ sich als Produktionsland irgendwo im tiefsten Versteck ein Billiglohnland-Verweis finden – oder ansonsten, wie auch im „normalen“ Schuhhandel, gar keiner, was unserem Empfinden nach nicht unbedingt ein besseres Licht auf die Produktionsstätte werfen musste.*
Okay, Timberland investiert, wie uns bekannt ist (im Gegensatz zum Personal, welches uns zur Begründung, warum sich selbige Marke denn überhaupt im Sortiment befindet, nicht wirklich weiterhelfen konnte) zum Beispiel in irgendwelche Sozialprojekte, aber davon bleiben die Schuhe laut Innenzunge trotzdem Made in China, und das ohne jeglichen Kommentar zu besonderen Sozialbedingungen vor Ort. Auch bei Clarks, Ecco und Co, die man ja ebenfalls (und teilweise in größerer Auswahl) auch in „Standard-Schuhläden“ findet, gab es nur fragwürdige Etiketten (wenn überhaupt), aber nichts weiter. Das ansonsten sehr nette Personal wirkte ob unseres Anliegens auch recht irritiert – scheint also der sonst zu besohlenden Bio-Klientel nicht allzu wichtig zu sein, dieses Ansinnen.

Schuhpolitisch gesprochen war das heute jedenfalls ein ausgesprochener Plattler. Gekauft haben wir schließlich – in einem anderen Schuhladen – ein Paar von GEOX (fabriqué en Indonésie) und ein Paar von Rieker, bei dem an Etiketten nichts weiter als „reines Schurwollfutter“ zu finden ist. Nun ja – auf alle Fälle sind das, wie Martin mir glaubhaft versicherte, zwei äußerst bequeme Paar Schuhe; qualitativ scheinen sie auch völlig okay. Und bei der ersten Inaugenscheinnahme klebt auch weder Blut noch Eiter dran, also werden die Produktionsbedingungen doch wohl nicht soo schlimm… na, ich mag jetzt lieber nicht mehr daran denken, nach allem, was ich dazu so die letzten Tage gelesen habe… (gruselig)

Wir haben uns jedenfalls echt bemüht und uns auf der Schuhjagd nach bestem Wissen und Gewissen die Sohlen heiß gelaufen. Aber das war es denn auch – und die nächsten Schuhe kaufen wir vermutlich dann doch wieder im Schuhgeschäft „umme Ecke“, denn weite Wege ohne sinnvolles Ziel beanspruchen nur unnötig die Sohlen unserer bewährten Treter. Oder, wie Moritz inzwischen schon fleißig mitsingt:
Un, deux, trois,.. kilomètres à pied, ça use, ça use les chaussures…!


*Jetzt gerade hab ich noch mal online nach Think!-Schuhen, von denen ich selbst welche habe, geschaut (die gab es -für Frauen in unübertroffen großer, für Männer wie üblich ungefähr auf ein Hundertstel reduzierter Anzahl- auch im Naturkaufhaus; in dem „reichhaltigen Angebot“ sah Martin seinen sportlichen Charakter dann aber nicht ausreichend wiedergespiegelt…) – angeblich kommen die wohl nur aus Österreich, aber das wusste in den aufgesuchten Läden irgendwie auch keiner. Wie kann es denn sein, dass man selbst in angeblichen Fachgeschäften keine Auskunft zu so etwas bekommt, egal, wen und wo man fragt – und vor allem: dass das augenscheinlich wirklich NIEMAND auch nur ’nen Furz interessiert?!

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