Kleider machen Leute: CLEAN CLOTHES CAMPAIGN

Nun wissen wir ja alle eigentlich, wie es mit dem Welthandel steht. Wie unsere Klamotten hergestellt werden, verdrängen wir, soweit es uns gelingt, genau wie die Frage danach, ob das saftige Schnitzel in der Pfanne schon mal eine ebenso saftige grüne Weide gesehen hat.
Dass mir diese Verdrängung -glücklicherweise?- nicht mehr so wirklich gelingt, dürfte dem aufmerksamen Blogleser durchaus schon aufgefallen sein. Doch was heißt das nun? Was fange ich mit diesem unruhigen Gewissen nun an? Konsumboykott?
Ich habe es ernsthaft in Erwägung gezogen, aber das funktioniert nicht. Jedenfalls nicht völlig. So wollte ich zum Beispiel auf Bitte meines Göttergatten ein Paar sozialverträglich produzierte Schuhe für ebendiesen kaufen. Was für ein Akt! Bei Deichmann ist so ziemlich die gesamte Kollektion aus China und Co., ohne, dass dies übrigens auf irgendwelchen Verpackungsmaterialien vermerkt wäre, und zu den Produktionsbedingungen zuckte die 400€-Fachkraft nur resigniert die Schultern. Bei Leiser erklärte mir die mich beratende Azubine, dass sie in einer Ausbildungsschulung gelernt hätte, dass die im Unternehmen verkauften Schuhe gewissen Standards entsprechen müssten und daher nicht in Billiglohnländern produziert werden dürften, schon wegen eventuell hierzulande unzulässiger Chemikalien. Bei genauerer Betrachtung des geheimen, erst auf den zweiten Blick ersichtlichen Innenlebens der Schuhe fanden sich dann aber zu ihrer und meiner mehr oder minder großen Überraschung doch fast überall Aufnäher mit der Aufschrift Made in China. Bei Dockers, Skechers und Co. irritierte mich das nicht sehr; ein Paar Clarks-Schuhe, bei denen ich mir recht sicher war, dass die „sauber“ wären, trug dann aber auch eine Markierung Made in Vietnam, was mich insgesamt doch recht stark verunsicherte. Rieker und Seibel seien aber auf jeden Fall hier produziert, versicherte mir daraufhin die angehende Verkäuferin. Meinen Internetrecherchen nach produziert Seibel aber, ohne Angaben zu den Arbeitsbedingungen vor Ort zu machen, hauptsächlich in Osteuropa und auch in Asien, und Rieker schreibt online gleich mal gar nichts dazu. Mal sehen, was beide Firmen auf meine Nachfrage per Email antworten.

Ich habe ja beim besten Willen nichts gegen Produkte aus anderen Ländern, ob nun aus Osteuropa, Asien oder auch sonstewoher. Ich hätte nur gern, dass die Produktionsbedingungen nicht industrialisierter Sklaverei entsprechen! Das zu finden ist gar nicht so einfach, im konventionellen Handel meiner Meinung nach sogar regelrecht ausgeschlossen (oder jedenfalls die Suche nach der Nadel im Heuhaufen). Wegen der Schuhe fahren wir nun heute nach Steglitz ins Naturkaufhaus, da sollten wir wohl fündig werden. Und vielleicht finde ich dort auch jemanden, der mir mehr erzählen kann zur Kampagne für saubere Kleidung (CLEAN CLOTHES CAMPAIGN).
DAS könnte ja -bei entsprechender Verbreitung- die Lösung sein!

In der Schweiz und in den Niederlanden beteiligen sich wohl schon mehrere größere Unternehmen an diesem Projekt, welches unter anderem einen Produktions- und Verhaltenskodex in den Fabriken und dann vor allem auch dessen UNABHÄNGIGE Überprüfung vorsieht – im Gegensatz zu den angeblichen Sozialstandards, die Karstadt, Puma, Adidas, Nike und Konsorten angeben, aber nur selbst -und damit nicht transparent- überprüfen.
Ich bin gespannt, ob ich zur CCC dort mehr erfahre, und ehrlich gesagt auch, wie sehr ich meine guten Vorsätze zukünftig auf meinen Shoppingtouren berücksichtigen werde.

Für die Beruhigung des ganz schlechten Gewissens heißt es übrigens bei der CCC, dass ein vollständiger Boykott bestimmter Unternehmen nicht unbedingt hilfreich ist, sondern eher die immer wieder laut und deutlich geäußerte Forderung nach besseren Produktionsbedingungen, die Nachfrage im Geschäft, die Informationsweitergabe an Freunde, Bekannte,… und natürlich auch die finanzielle oder persönliche Unterstützung von entsprechenden Hilfsorganisationen (z.B. Terre des femmes). Und das mache ich. GANZ LAUT.

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