Kasperletheater selber bauen

Man nehme:
Materialien: Bilderrahmen (in meinem Fall 50x70cm), Holzbrett in entspr. Länge, Winkel, Schrauben, „Tellerhalter“ von Ikea, Farbe, Handy (optional)
Werkzeuge & Co.: Schleifpapier, Holzbohrer, (Akku-)Schrauber, Hammer, Holzleim, ggf. Möbeltacker, Küchenrolle, Verbandskasten, Malerplane, Stoffreste

Idee:
Als passionierte Geschichtenerzählerin hatte ich schon lange Lust, mit meinen Kindern Kasperletheater zu spielen. Nun gibt es im Handel zwar die unterschiedlichsten Ausführungen derselben zu kaufen, aber die, die mir gefielen, waren immer viel zu sperrig oder / und zu teuer. Als ich in Frankreich ein Puppentheater aus Holz sah, welches nicht wie ein festes Möbelstück in den Raum gestellt werden, sondern wie ein Rahmen auf den Schrank geräumt werden kann, kam mir die Idee: Mit einem normalen Bilderrahmen müsste man so etwas doch auch ganz einfach selbst herstellen können! Und so tat sie.
Schwierigkeitsgrad:
Wenn man es sachlich betrachtet, ist die Operation Kasperletheater wohl handwerklich gesehen eher eine der leichteren Übungen. Es geht darum einen Bilderrahmen mit zwei oder drei Winkeln an ein Brett zu schrauben, das Ganze dann anzumalen und nen Vorhang dranzutackern. Hört sich jetzt nicht sooo wild an. Ich gebe es ja auch zu – und doch: Die Herausforderung liegt im Detail, und ich bin ganz froh, dass ich mich nicht gleich zum Eigenbau einer Kugelbahn oder ähnlicher Dinge entschieden habe 😉

Zeitplan:
Keine Ahnung, wie viel Zeit ein passionierter und geübter Handwerker brauchen würde – ich habe einen Abend gewerkelt, einen Mittagsschlaf genäht und getackert und einen weiteren Abend Figuren gebastelt, außerdem noch einen halben Tag bei Ikea verbracht zwecks Erwerb der Ausgangsmaterialien (und anderem Beiwerk…). Ist ja alles auch eine Frage der handwerklichen Ausgangssituation…

Durchführung:
1) Man schicke Kind Eins zu Oma und Kind Zwei ins Bett. Dann suche man sich ein lauschiges Arbeitsplätzchen – bei mir die Küche mit großer Arbeitsplatte und gutem Oberlicht- und los geht’s.

2) Zunächst habe ich Rahmen und Tellerhalter provisorisch aufs Brett gestellt und alles markiert. Dabei fiel mir auf, dass der Rahmen an der Rückseite doch leider nicht so schön glatt war wie vorn, und ich ihn also

3) erst einmal mit Schleifpapier (erst mit grobem, dann mit feinem) ordentlich abschleifen musste. Man will sich ja später keine Splitter einziehen, und die Kleinen erst recht nicht.

4) Dann wollte ich die Tellerhalter, auf denen man später die Handpuppen unterbringen oder aber an denen man Kulissen befestigen kann, am Brett fixieren, sprich: anschrauben. Dafür wurden im Brett die entsprechenden Löcher vorgebohrt. Das danach eigentlich geplante Vorbohren der Tellerhalter entfiel, weil ich schwaches Weib leider beide Hände für das Führen des Akkubohrers/-schraubers benötige und daher leider keine Hand mehr verfügbar war um das Werkstück zu fixieren… (Die Beschwerung beim Brett erfolgte mittels verschiedener schwerer Kochbücher und Lexika).

5) Nun sollten die Tellerhalter an den Seiten des Brettes angeschraubt werden. Dies stellte sich wiederum als schwierig dar, weil meine Hände nicht größer und meine Arme nicht stärker geworden waren und ich daher leider nicht mit einer Hand die Bauteile aneinander halten und mit der anderen schrauben konnte. Eine Schraubzwinge, mit der sich dieses kleinere Problem recht einfach hätte lösen lassen, war nicht vorhanden, bzw. war von meiner handwerklich äußerst begabten besseren Hälfte zur Fixierung der Position unserer Satellitenschüssel zweckentfremdet worden.

6) Nach mehreren missglückten Schraubversuchen, die schon fast zum ersten Einsatz des unentbehrlichen Verbandskastens geführt hätten, entschied ich mich dazu die Teile erst einmal mit Holzleim aneinander zu kleben und dann später zu verschrauben. Ich bohrte hierfür mit dem in den Akkuschrauber eingespannten Holzbohrer das völlig verklebte Loch der Holzkleberflasche auf, trug dann den Expressleim auf und bappte die Tellerhalter auf das Brett.
Während ich mich mit der korrekten Platzierung der Tellerhalter beschäftigte, zog der Leim in der Flasche schon wieder schön an, und das Loch war wieder zu. Sehr zu meinem Ärger, denn ich hatte nun vor, die Metallwinkel am Bilderrahmen zu befestigen, aber der Kleber war wieder nicht benutzbar… Man kann nun auch einfach den Dosierdeckel von der Kleberflasche abschrauben, etwas Klebstoff mit einem Pinsel entnehmen und diesen auf das Holz und die Winkel aufbringen.

Hierbei sollte man jedoch beachten, dass die Klebstoffflasche hernach tunlichst wieder zu verschließen ist, außer, man möchte

7) die fakultative Versauung eines Handys mit nachvollziehen. In diesem Falle stelle man die Klebstoffflasche in offenem Zustand auf die Arbeitsfläche, lege sein Handy daneben, und schubse nun zielgerichtet mit den soeben am Brett festgeklebten Tellerhaltern die Klebstoffflasche um. Der austretende Flüssigleim soll dabei eine Pfütze bilden, die sich genau um das Telefonteilchen ergießt. Nun nehme man die bereits fachmännisch bereitgestellte Küchenrolle, reinige die Arbeitsplatte und das Telefon, und freue sich dann (oder auch nicht, je nach Ausführung), dass das Telefon offensichtlich doch noch funktioniert…

8) Zeit für einen Tee (oder, für die Nicht-Stillenden, für einen Schnaps…)

9) Inzwischen sollte ein Tellerhalter wieder vom Brett abgefallen sein und (nach Abschleifen der getrockneten Expressleimreste) nochmals mit einem Rest Klebstoff fixiert werden.

10) Während der Leimtrocknungszeit der Tellerhalter entschied ich mich dafür die Winkel schon mal am Bilderrahmen festzumachen. Mangels ausreichend kurzer Schrauben wurde dies zunächst einmal eine kleine Perlenfädelaktion, da ich nämlich jeweils drei kleine Unterlegscheibchen auf jede Schraube tüddeln musste, sodass diese dann durch den zusätzlichen Abstand ausreichend kurz war um nicht auf der anderen Seite des Rahmens wieder herauszustieksen.

Das Anschrauben klappte dann erstaunlich gut, nachdem ich die schlaue Idee hatte Trick 17 anzuwenden: Die blöden Schrauben, die mir immer wieder abrutschten, wurden erst mal mit einem nicht allzu zarten Hammerschlag auf ihren Hinterkopf im Holz fixiert und so bewegungsunfähig gemacht. Erst danach drehte ich sie mit dem Akkubohrer in den Rahmen – handwerklich vielleicht keine saubere, aber zumindest eine effektive Taktik..

11) Nun endlich konnte ich die Tellerhalter anschrauben. Mangels Vorbohren derselbigen war natürlich mit einem vermehrten Ausreißen des Holzes zu rechnen, was aber nur an einer Stelle geschah und sich dann auch leicht mit Schleifpapier beschönigen ließ.

12) Bei der letzten Schraube gelang es mir dann auch noch den Verbandskasten mit in die Arbeit einzubinden, indem ich mir mit dem abrutschenden Schraubenkopf den Fingernagel blau schlug, aber alles halb so wild.

Trotz allem: befriedigendes Zwischenergebnis! :-)

13) Nun galt es eine Malerplane im Wohnzimmer auszubreiten und das Theater farblich zum Spielzimmer passend zu lackieren. (Wer nicht von der letzten Hausgeburt noch eine Plane bei sich zu Hause herumliegen hat, kann sich diese problemlos und billig im nächsten Baumarkt kaufen, oder aber auch einfach Zeitungsblätter o.ä. als Unterlage benutzen, was ich dann allerdings umgekehrt für eine Geburt eher nicht empfehlen würde.) Beim Farbkauf auf den blauen Engel achten, wenn man drinnen lackiert und das Gerät ein Spielzeug sein soll!


14) Wenn alles trocken ist (nächster Tag), näht man aus Stoffresten Gardinen; nähtechnisch gar nicht versierte können z.B. auch bereits fertig umnähte Küchenhandtücher nehmen, das dürfte von der Größe ungefähr hinkommen.

Ich habe die beiden Vorhangteile jeweils breiter gelegt (je 2/3 der Rahmenbreite) und dann von dem Stoffüberschuss Falten eingenäht, das fand ich persönlich hübscher. Beide Vorhangteile wurden dann nebeneinander gegen einen schmaleren Streifen roten Stoff genäht.

15) Mit dem bekannten Holzkleber wurde der fertige Vorhang dann schließlich an der Rückseite des Theaters angeklebt und ich habe noch vor, ihn zur besseren Fixierung mit meinem Möbeltacker anzutackern. Dazu hatte ich bisher allerdings noch keine Gelegenheit – und was soll ich sagen: Trotz bereits ordentlicher Bespielung hält der Stoff bisher bombenfest.

Mit dem Ergebnis bin ich echt zufrieden, und den Kindern scheint es auch zu gefallen. Die erste Aufführung war ein voller Erfolg, und das Theater selbst ist äußerst flexibel einsetzbar. Es dient z.B. auch hervorragend als Kaufmannsladen, als Hexenhäuschen-Fenster etc.

Und was baue ich jetzt?

7 Gedanken zu „Kasperletheater selber bauen“

  1. Für mich unglaublich, aber wahr: Die meisten Hits bekommt mein Blog wegen meiner Kasperletheater-Bauanleitung. Nun ja – Heimwerken steht offensichtlich wieder hoch im Kurs! Und wenn entsprechende Themen von so hohem Interesse sind, dann muss irgendwer die

  2. Hallo Manu,

    ich habe den Blog auch ergoogelt, möchte für meine Tochter zum 3. Geburtstag ein Kasperletheater selber bauen. Und da sind deine Tipps sehr hilfreich, hoffe ich.

    Viele Grüße aus Bad Oeynhausen/Westfalen
    Jan Schneidereit

  3. Echt starke Idee!!!!!

    Und gute Unterhaltung, hab echt gut gelacht. Sorry aber superlustig geschrieben. Wir sind auch auf der Suche nach einem Puppentheater und haben das gleiche Problem ( sperrig bzw. zu teuer), aber Dank Eurer Anleitung werden Wir dann auch bald ein Theater haben .

    Vielen Dank aus Berlin

  4. selber gebaut find ich immer noch am schönsten. es ist nicht so teuer und es ist immer was besonderes:-)

    lg julia aus bremen

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