Karnickel

Kann mir bitte mal jemand sagen, warum auf der Chausseestraße in Berlin-Mitte, so auf der Höhe zwischen Liesen- und Wöhlertstraße, jede Menge Messingkaninchen in den Fahrbahnasphalt eingegossen sind?

Soll das vielleicht Scharfsinnig-Satirisches bedeuten, à la „Achtung, da vorne ist bald der neue schicke Hauptsitz des BND, das sind die mit den großen Lauschern!“?
– Ich vermute ja, dafür gibt es doch eine andere, längst nicht so frappierend logische Erklärung. Wer weiht mich ein?

—–
Update:
Selbst ist die Frau. Hab sie gefunden, die Antwort! Naheliegend, historisch gesehen – aber ich finde, dass auch meine Interpretation mit den langen Lauschern der Installation einen sozusagen aktuellen, neuen Bezug gibt (und der historische Verweis steckt da gegebenenfalls irgendwie auch wieder mit drin…).

„Kaninchenfeld“, Karla Sachse, 1999
Laufende, hockende, springende Kaninchen – einhundertzwanzig Silhouetten in Form lebensgroßer Bodenintarsien bezeichnen die Fläche des ehemaligen Grenzübergangs an der Chausseestraße im Wedding. Sie sollen an die friedlichen Bewohner des Todesstreifens erinnern, die Menschen diesseits und jenseits der Mauer als „Projektionsobjekt“ dienten.
„Die Arbeit entfernt sich zunächst scheinbar von der Ernsthaftigkeit der Wettbewerbsaufgabe. Der Bezug auf die Kaninchen, die kleinen Verwandten der stolzen Hasen, als friedliche und subversive Bewohner des Todesstreifen legt eine Fährte, die in der ornamentalen Behandlung des Straßenraums wieder aufgenommen wird.
Die Arbeit behauptet überzeugend ihre Autonomie gegen die Zumutungen der politischen Didaktik.“
(Auszug aus dem Protokoll des Preisgerichts, September 1996)

Aus: Kunst im Stadtraum. 21 Kunstprojekte im Berliner Stadtraum, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Kunst im Stadtraum, Berlin 2002

Hier im Internet gefunden

1 Gedanke zu „Karnickel“

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