Internet nach Ägypten. Bitte helft!

Was aktuell in Ägypten vorgeht, können wir uns hier, glaube ich, gar nicht wirklich vorstellen, ganz egal, welche Kommunikationsmöglichkeiten den Menschen vor Ort zur Verfügung stehen. Je weniger Möglichkeiten sie aber haben, um über ihre Landesgrenzen hinaus mitzuteilen, was vor Ort geschieht, desto wahrscheinlicher ist es, dass Menschen unterdrückt werden können, ohne, dass Protest hierüber eine Chance hat, wahrgenommen zu werden; dass Macht missbraucht und Gewalt ausgeübt werden kann.

Um freie Meinungsäußerung und Demokratie weltweit zu stärken, braucht es: Infrastruktur! Und einmal mehr haben wir hier ganz praktisch die Möglichkeit, diese mit relativ einfachen Mitteln zur Verfügung zu stellen.

Daher: Bitte, springt mal über euren Schatten, macht mit!

Wie’s geht, ist in einer heutigen Pressemitteilung der Piratenpartei so gut dargestellt, dass ich diese hier der Einfachheit halber einstelle. Abschalten unmöglich – Piratenpartei bringt Internet nach Ägypten
(Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: Bundespressestelle der Piratenpartei Deutschland)

Trotz der momentanen staatlichen Blockade haben es Mitglieder der Piratenpartei in Zusammenarbeit mit der Gruppe Telecomix geschafft, den Bürgern Ägyptens Internetverbindungen zur Verfügung zu stellen.

Das totalitäre Regime in Ägypten hat derzeit alle Internetverbindungen ins Ausland unterbrochen, um den Informationsfluss zu kontrollieren und zu blockieren. Seitdem sind viele Helfer Tag und Nacht damit beschäftigt, mithilfe von Technik aus dem letzten Jahrtausend diese Blockade zu unterbrechen. Die Piratenpartei Deutschland steht dabei mit Rat, Tat und Geld an ihrer Seite, um die Informationsfreiheit in Ägypten sicherzustellen. Technisch geschieht dies über Modem-Einwahlknoten innerhalb Europas. Hintergrundinformationen und Unterstützungsmöglichkeiten finden sich auf der Webpräsenz der Piratenpartei.

»Einfach das Internet abschalten – das geht schon lange nicht mehr. Digitale Informationen kann man auch anders austauschen, als über die großen Anbieter. Amateurfunk und klassische Modemverbindungen sind momentan zwei gute Alternativen«, sagt Jens-Wolfhard Schicke, Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen der Piratenpartei. »Um den Menschen in Ägypten dabei zu helfen, ihre Sicht der Dinge in die Welt hinaus zu tragen, habe ich mir vorhin ein altes Modem organisiert. Das nimmt jetzt Datenverbindungen an und leitet sie dann über einen Knoten in Amerika weiter ins Internet«, führt Schicke weiter aus. »Solange Anrufe das Land verlassen können, gilt das erst recht für digitale Daten – wenn auf der anderen Seite jemand den Empfang ermöglicht.«

»Während die deutschen Regierungspolitiker nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und große Reden schwingen, wenn sie nach Ägypten schauen, sehen wir Piraten es als unsere Pflicht an, den Bürgern des Landes mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln aktiv zu helfen. Auch wenn die Versorgung mit Internetverbindungen nur als ein kleiner Beitrag erscheint – der freie Austausch von Informationen ist heutzutage, gerade auf politischer Ebene, von großer Bedeutung, was Mubaraks Blockade beweist«, beschreibt Daniel Flachshaar, Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei, die Beweggründe für die Unterstützung der Ägypter. »Wir wissen, dass die Ägypter unser Angebot sehr schätzen und es auch nutzen und wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass Menschen nicht mittels Informationskontrolle in ihren Freiheiten unterdrückt werden.«

Unterstützungsmöglichkeiten

Die Piratenpartei und Telecomix, und damit die Informationsfreiheit, unterstützen kann jeder Interessierte, der noch ein analoges Modem besitzt. Dieses kann er neben seiner DSL-Telefonleitung und etwas Bandbreite zur Verfügung stellen. Anschließend müssen nur die eigenen Daten an Telecomix übermittelt werden, was über folgenden Chat problemlos möglich ist: http://chat.werebuild.eu/?nick=dialup..&channels=dialup&uio=d4

Alternativ wird vor allem finanzielle Unterstützung benötigt, um das Projekt am Laufen zu halten.
Spenden werden auf folgendem Konto entgegengenommen (Quittungen sind möglich):

PENG – Gesellschaft zur Förderung von Design, Kunst und Kommunikation e.V.
Kontonummer: 678430018
Mainzer Volksbank
BLZ 551 900 00

Die derzeitigen Einwahlnummern werden so lange bestehen, wie in Nordafrika und in anderen Ländern Internetverbindungen unterbrochen werden und die finanziellen Mittel ausreichen. Die Freiheit von Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten ist unbezahlbar.

Technischer Hintergrund

Um die Internetverfügbarkeit für Ägypten zu gewährleisten, wird derzeit ein Serverbund aufgebaut, der Modems und/oder Fido-Netzwerktechnologie nutzt. Dazu werden die analogen Modems an Telefonleitungen angeschlossen, während die verbundenen Computer als PPP-Server dienen. Die Einwahlnummern werden anschließend nach Ägypten weitergegeben und können von dort mit einem Modem angerufen werden. Die Verbindung zum angerufenen Server wird dann über den lokalen DSL-Zugang ins Internet weitergereicht und die Verbindung für die Ägypter steht.
Ab diesem Punkt werden dann moderne Verschlüsselungstechniken sowie Proxy-Server und VPNs genutzt. Für die Ägypter ist es damit ein „normales“ Internet, allerdings mit relativ geringer Geschwindigkeit.

Ausführliche Informationen sind im folgenden Wiki zu finden: http://werebuild.eu/wiki/Egypt/Main_Page

Eine Anleitung zum Einrichten des Systems unter Linux findet sich ebenfalls in diesem Wiki: http://werebuild.eu/wiki/Egypt/Howto_PPP/Telecomix

Die aktuell funktionierenden und verifizierten Einwahlnummern finden sich bei Telecomix: http://pastebin.com/XJHBBitX

Wir bitten darum, zu respektieren, dass diese Nummern nur von den Ägyptern benutzt werden sollen.

1 Gedanke zu „Internet nach Ägypten. Bitte helft!“

  1. Wie es heute auf Twitter so schön hieß: Und während alle auf eine Wolke starren, gegen die sie nichts machen können, fliegen in Libyen Flugzeuge, gegen die sie was machen können. Mir gehts jetzt hier nicht um die Flugzeuge, sondern um Netz-Infrastruktu

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