Im Kapitalismus gibt es keine Geschenke.

Da gehst du mit besten Vorsätzen auf eine Demo: Bringst Wasser mit, in kleinen Verschenkflaschen mit nem kreativen Protestspruch, weil es heiß ist und du das ’ne witzige Aktion findest, und schreibst das an dein Fahrrad. Und was passiert? Du triffst eine Menge schockierter Menschen. Menschen, die dich für einen kommerziellen Democaterer halten und wohl vermuten, dass du sowas öfter machst, als kleinen Nebenverdienst, mit finanziellen Ambitionen; Menschen, die erst mal irritiert wieder weglaufen, wenn du auf ihre Frage „Was bekommstn du dafür?“ mit „Ein Dankeschön“ antwortest, um dann nach ein, zwei Minuten wiederzukommen und „Echt jetzt?“ zu fragen. Menschen, die dir von einem Buch erzählen, in dem ein Banker sagt, dass es im Kapitalismus auf der Straße nie Wasser geschenkt gibt, auch nicht, wenn da jemand in Not ist, und die deshalb schmunzelnd meinen, mit dieser kleinen Aktion hätte sich die Welt ein bisschen verändert.

Ich weiß nicht, wer den Kopf mehr schüttelte, so manche Demobesuchenden oder ich. Vermutlich hätte ich ein großes „ZU VERSCHENKEN!“ mit aufs Schild malen sollen, um die Annäherung der Massen zu vereinfachen. Irgendwann ging es auch so. Nun würde ich aber doch gerne wissen, wie viele der Beschenkten, die eigentlich unbedingt etwas spenden wollten, meiner dann geäußerten Bitte nachgekommen sind, doch einfach jemand Bedürftigem heute einen auszugeben, etwas in einen Spendenbecher zu legen oder Was-Auch-Immer…

3 Gedanken zu „Im Kapitalismus gibt es keine Geschenke.“

  1. Ich wohne an einem der vielen Jakobswege in Deutschland. An einem Haus in der Nachbarschaft steht jedes Jahr im Sommer ein Kasten mit Wasserflaschen, darüber ein kleiner Sonnenschirm, auf dem Mülltonnenhäuschen. Wasserspende für die Pilger.

    Soviel zu „Im Kapitalismus gibt es kein Wasser auf der Straße.“

    (Und wenn ich endlich mal dazu komme, mein semiöffentliches Bücherregal draußen zu installieren, gibt es drei Häuser weiter auch ne Reiselektürespende…)

    Schöne Aktion, das mit den Wasserflaschen auf der Demo :-)

    1. Yepp. Das geht übrigens auch ohne Jacobswegchristenschwurbelei auf Mittelaltersonstwasveranstaltungen. Da werden Wasser, Met und anderes geteilt, solange wer was dabei und jemand anders Bedarf hat. Gut, ein bißchen Schwurbelei mag auf Mittelaltersonstwasveranstaltungen vorkommen. Aber meistens nette. 😉

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