Here be Dragons. And Dragonesses ;-)

Tag 2 des CCC-Kongresses 26C3 neigt sich langsam dem Ende zu. Halbzeit also – und Zeit für mich, einige Eindrücke niederzuschreiben.

Zunächst einmal: Es ist voll. Wirklich voll. Ja, es ist wohl schon länger bekannt, dass das BCC eigentlich nicht die räumlichen Kapazitäten für eine solche Veranstaltung bietet – aber als an Tag 1 schon vormittags die Tickets ausverkauft sein sollten, war ich doch etwas schockiert. Irgendwie konnte ich dann doch noch eines der wertvollen Einlassbändchen ergattern, aber ich habe mehr als einen gesehen, der mit traurigem Dackelblick wieder abziehen musste. Auch heute, an Tag 2, gab es schon vormittags keine Tagestickets mehr, sehr zum Frust diverser extra angereister Personen.Für die, die an den nächsten Tagen noch teilnehmen möchten, sei tröstend mitgeteilt: Das Spiel beginnt täglich von Neuem. Wer morgens um acht schon vor den Türen des BCC steht, hat zumindest gute Chancen auf Tagestickets. Und ansonsten bleibt zumindest immer noch die Möglichkeit, die Live-Streams mitzuverfolgen, was ganz gut zu funktionieren scheint – zumindest gestern Abend war dies der Fall, da habe ich nämlich ein bisschen verwerflicherweise höchstpersönlich meinen Allerwertesten auf der heimischen Couch augeruht, während auf dem Fernseher ein später Stream flimmerte.

Aber klar: Die wirkliche Kongress-Atmosphäre bekommt nur, wer tatsächlich auch vor Ort dabei ist.
Es macht natürlich Spaß, Leute, die einem sonst nur aus dem virtuellen Leben bekannt sind, mal „in echt“ zu treffen. Und dass hieraus nicht nur nettes Geplänkel, sondern auch ganz konkrete Aktionen entstehen, zeigen (hoffentlich) zum Beispiel die Workshop-Treffen des AK Vorrat oder der Piraten, die am Rande des Kongresses aktuelle Themen bearbeiten und hieraus Projekte entwickeln. Dies freut mich als unter anderem gegen die weitreichende Datenerfassung durch Elena Engagierte sehr: Ich hoffe, dass hieraus außer der erwähnenswerten Online-Petition gegen das Verfahren, zu welcher ich demnächst ausführlicher schreiben werde, weitere fruchtbare Aktionen entstehen. Gerne werde ich hierzu weiter berichten, sobald es etwas Spruchreifes zu sagen gibt.

Nun aber zu den Vorträgen, die natürlich den essentiellen Teil des Kongresses einnehmen. Zu jedem einzelnen von mir besuchten Vortrag etwas zu schreiben, würde den zeitlichen und räumlichen Rahmen etwas sprengen; aber einige Eindrücke gehören einfach zu einem Zwischenüberblick.

Mein persönliches Highlight bisher war der heutige Vortrag zum Thema „Die Verwaltung rüstet auf – der digitale Steuerbürger“. Der -noch dazu witzig vorgetragene- Überblick von Kai Kobschätzki war wirklich sehens- und hörenswert. Ich würde allen, die nicht dabei waren, ans Herz legen, sich diesen Vortrag anzusehen, sobald er als Filmchen abrufbar ist (wobei die zweite Vortragshälfte zur digitalen Steuerprüfung allerdings nicht ganz so interessant sein dürfte, wie auch live am Stühleschieben und Füßescharren im Saal bemerkbar war).

Interessiert hatte mich auch der Haecksen-Mädels-Workshop. Die Vorträge selbst zu Grundlagen des Bloggens und zu Mail-Verschlüsselung boten mir persönlich zwar keine umfassenden Neukenntnisse, aber die Veranstaltung als solche hatte mich gereizt.
Letztlich war ich vor Ort dann aber doch etwas konsterniert: Für meinen Geschmack fielen in der Diskussion seitens einiger Teilnehmerinnen etwas (zu) häufig verallgemeinernde Aussagen aus der Schublade „meiner Erfahrung nach“ dazu, wie Frauen so seien. Nur – mit solchen Floskeln kommt frau meines Erachtens nach leider keinen Deut weiter… Und dabei sehe ich sehr wohl so manches gesellschaftliche Ungleichgweicht und finde es überhaupt nicht unerheblich, hier nach Gründen zu suchen und auch durch persönliches Engagement Veränderungen herbeizuführen. Aber hierzu vielleicht ein anderes Mal mehr.Die Vorträge selbst waren aber jedenfalls gut aufgemacht und offensichtlich für die Mädels, die mit Blogging und Verschlüsselung noch nicht so vertraut waren, wirklich von Interesse, weshalb der Workshop als solcher begrüßenswert war.

Begrüßenswert finde ich übrigens auch, dass der Frauenanteil an der Gesamtveranstaltung sich anscheinend mehr und mehr erhöht: Nichts mit „allein auf weiter Flur“, wenngleich trotzdem gilt: Verkehrte Welt – am Männerklo wird angestanden, das Frauenklo ist immer frei. Eine in dringlicher Situation durchaus angenehme Erfahrung, die bei mir nicht wirklich zu ärgerlichen Gefühlen führt.

Geärgert habe ich mich dafür allerdings gestern in dem Vortrag des ddp-Fotografen Axel Schmidt zum Thema „Das Recht am eigenen Bild und das Ende der Street-Photography“. Sicher, es machte schon Spaß, seinen Ausführungen zu folgen, die er mit teilweise ziemlich brisanten Bildern illustrierte. Dies bereits warf jedoch auch gleich so manche Frage auf, zum Beispiel, wenn er davon sprach, dass er das eine oder andere live gezeigte Bild ja aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes der Abgelichteten nicht veröffentlichen könne. War denn die Darstellung auf dem Kongress keine Veröffentlichung?
Wirklich etwas unangemessen fand ich dann jedoch seine Aufforderung, dass „wir“ als für Bürgerrechte Einstehende doch überlegen sollten, ob es wirklich notwendig und sinnvoll sei, sich gegen das eigene Fotografiertwerden bei Demonstrationen und ähnlichen Veranstaltungen durch entsprechende Verweigerung zur Wehr zu setzen.
Ich konnte mir nicht verkneifen, hierzu dann auch einen Kommentar abzugeben, in welchem ich insbesondere auf die Probleme des ddp-Datenpools hinwies: Wenn ein Bild sich nämlich einmal in diesem befindet, ist es nicht möglich, als Betroffener jeweils vor einer etwaigen Veröffentlichung gefragt zu werden, ob dies im konkreten Kontext im Einverständnis geschieht. Es ist, so man denn überhaupt Kenntnis von der Existenz des Fotos hat, nur möglich, es komplett herausnehmen zu lassen oder aber auch eine ursprungsentfernte Nutzung in Kauf zu nehmen. Dieses Risiko bleibt damit erheblich, was selbst bei Agenturen wie ddp, deren Bilder „zumindest“ nicht für kommerzielle Zwecke genutzt werden, mindestens einen unangenehmen Beigeschmack trägt.

Nun schließe ich diesen Blogeintrag und stürze mich wieder ins Gewühl. Heute Abend steht noch ein persönliches Treffen an, gleich sind zudem noch zwei Vorträge, bei denen ich mich noch entscheiden muss, welchen ich tatsächlich besuchen möchte. Es bleibt also spannend.

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