Glaube, Liebe, Hoffnung

(… oder der immer wiederkehrende Traum von einer besseren Welt)

Wer einen mit unerschöpflicher Neugier auf die Welt ausgestatteten Dreieinhalbjährigen zu Hause hat, dem stellen sich die Fragen, die die Welt verändern, täglich neu, und provozieren immer wieder das eigene gesellschaftlich-ökologisch-politisch-gesundheitlich-und was-nicht-alles-korrekte Bewusstsein.
Wir kaufen nun noch überzeugter Biowurst und -fleisch, weil sich dann der Frageblock „Mama, was essen wir da gerade für ein Tier?“, „Maman, qu’est-ce qu’il a mangé, lui?“ (Was hat dieses Rind gegessen?), „Papa, darf man Tiere schlachten?“, … doch mit einem zumindest besseren Gewissen beantworten lässt.
Zumindest bei Lebensmitteln achten wir mehr und mehr auf Siegel wie TransFair und Co., die Vorstellung von auf verseuchten Plantagen arbeitenden Kindern ist nämlich noch viel unerträglicher, wenn man selbst welche hat.
Aber wie unzulänglich Aber wie unzulänglich man selbst ist in dieser krummen Welt, merkt man dann doch ständig.
Zum Beispiel bei Söhnchens Frage am ersten Juni, warum eigentlich Kindertag gefeiert wird. Ich wollte korrekt antworten, begann mit einer Ausführung dazu, dass an diesem Tag an alle Kinder gedacht wird, auch an die vielen Kinder, denen es nicht so gut geht – und erntete darauf einen so entsetzt-verwunderten Blick, dass ich froh war, das Thema nicht ausweiten zu müssen.
Was hätte ich als Antwort schon zu bieten gehabt? Nicht viel, außer meines schlechten Gewissens, dass vermutlich mindestens an der Hälfte meines H&M-C&A-und-sonstige-gefüllten Kleiderschranks irgendwie auch Kinder „produktiv“ beteiligt waren…
Genauso das Thema Öko: Klar, wir bemühen uns, unseren Kindern Recycling, die Vorstellung von „Verschwendung“ (und dass das nicht gut ist), Wasser- und Strom sparen beizubringen. Haben Ökostrom (okay, ab August), trennen den Müll einigermaßen, kaufen Pfandflaschen und Energiesparlampen. Aber ja, ich gebe zu,
– dass wir die Erfindung des elektrischen Wäschetrockners schon ziemlich praktisch finden, wenn die Wäschetruhe mal wieder überquillt und abends um elf die Motivation zum Wäsche aufhängen nicht mehr sooo groß ist…
– dass wir es mit den StandBy-Geräten längst nicht so genau nehmen, wie wir es könnten.
– dass wir mit dem Auto zum Einkaufen fahren, und zwar manchmal sogar in den Bioladen.
– dass wir den Tag im Tropical Islands, einer künstlichen Badewelt irgendwo hinter Schönefeld, wirklich und echt genossen haben, obwohl dieses Teil garantiert eine Mega-Energieschleuder ist.
und so weiter und so fort.
Oder die Frage nach dem Sozialen im Kleinen. Was, wenn das liebe Kind mal fragt, WIESO wir eigentlich nicht jedem Obdachlosen was geben? (Wieso tun wir es eigentlich nicht?…) Überhaupt ist es ganz furchtbar, dem eigenen Kind so etwas wie Obdachlosigkeit, Armut und Co. erklären zu müssen. Und aber gleichzeitig zu fühlen, wie trivial dieser Schock doch eigentlich ist – im Vergleich mit all dem, was andere Menschen auf dieser Welt Tag für Tag tatsächlich erleiden…

Was muss man tun, um die Welt zu verändern? Wie prinzipientreu muss man sein? Wie sehr darf man ein Schwein sein? Ich will ja gern weiches Wasser sein, aber viel zu oft gehöre ich doch leider auch zum Stein.

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