FSK Mama

Kind 2 ist bei der Oma, über Nächte. Das freut auch Kind 1, denn in der Regel bedeutet das: Soloprogramm für Große. Heißt genauer: Die FSK-Grenze im heimischen Privatkino wird deutlich angehoben, relativ ganz nach Gefühl und Wunsch (relativ heißt: im Rahmen des für mich Erträglichen, und das ist wiederum eine harte Einschränkung, denn das gesamte Horror-Genre zum Beispiel fliegt wieder raus, das gibts nur, wenn auch ich abends Ausgang habe..).

Nun wünschte sich das Kind gestern Abend den stattgegebenen Harry Potter 4, und beim heutigen Frühstück überlegten wir intrafamiliär, wie es denn nun am bevorstehenden Abend weitergehen könnte. Ich schlug – relativ unmotiviert, das möchte ich hier vor der Pointe betonen, mir liegt überhaupt nichts an dem Film..! – Titanic vor. Da wurde ich aber denn auch gleich vom lieben Kind abgeschmettert mit: „Neeee, da hab ich bei Oma und Opa ne DREIstündige Reportage zu gesehen, das reicht mir völlig..“, gefolgt von etwa drölfzig weiteren Gegenargumenten.

Okay, kein Problem, weitere Vorschläge gesucht. Zwischen Brötchen und Kaffee schwarz bringt der Liebste ein „Wie wär’s mit ‚The Day After Tomorrow?‘ “ hervor.

Augenaufreißen meinerseits. Und dann wildes Aufgeplustere, ich gebs durchaus zu:
„WAAAS? NEIN. Der war SCHLECHT. Und dann war darin diese FURCHTBARE Sequenz mit den zwei dem Tode geweihten Forschern, der eine sagt zum anderen: ‚Ich werde mein Kind nicht aufwachsen sehen‘, und der andere antwortet ihm: ‚Aber die Hauptsache ist doch, DASS es aufwächst..?!‘, das VERFOLGT mich seitdem! Und dann das mit den Wölfen, da musste ich im Kino sogar mal aufs Klo, weil ich’s nicht mehr ertragen konnte!“

Belustigtes Schweigen.

„Und außerdem, was ist denn das für eine Perspektive für einen Zehnjährigen? Überhaupt, ich find das pervers, so ’nen Film einfach nur zur Belustigung ALS FILM zu gucken und dann keine Konsequenzen folgen zu lassen, angesichts der ECHTEN Erderwärmung und so! Ich mein‘, da müssten wir halt auch echt Dinge…“

Der Liebste, sicher nicht bös‘ meinend: „Na ja, man kann auch als Entwicklungshelfer nach Afrika..“

„JETZT WIRF MIR NOCH VOR, DASS ICH HIER GEBLIEBEN BIN!!!, wo du weißt, dass ich doch gar nicht gehen KANN! – WER von uns wollte denn bitte in diesem piefigen Berlin..“

Das Kind: „Also ich find‘ Berlin eigentlich ganz schön.“

Ich, ruhiger, zum Kinde: „Jaja. Ist ja auch schön hier. Piefig ist auch Quatsch. Und ist ja auch toll mit euch als Familie. Aber…“,
mich dem Mann zuwendend,
„dass ICH nicht HIER bin, weil ich unbedingt immer HIER sein wollte, sondern weil DU hier nicht weg wolltest und weil WIR inzwischen HIER Familie und ’ne Firma haben, das sollte auch klar sein.
ALSO WIRF MIR DAS JETZT GEFÄLLIGST NICHT VOR!“

Wütend-grummelig ab zur Kaffeemaschine. Schweigen.

Nach ein, zwei Minuten Lachen vom Frühstückstisch. Dann Mann und Sohn in friedlicher Eintracht:

„Okay, verstanden, also gucken wir heute einfach… TITANIC?!“

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