Einfach loslassen.

„Denn von den Kindern lernen wir.“
„20 Minuten Stillsitzen.“
„5 Meter.“
„Immer an der Wand lang.“
(…)

So viele Titelideen, und doch habe ich mich anders entschieden. Für den Titel nämlich, der wohl am besten beschreibt, was das höchste Mantra zu sein scheint bei dem, was ich derzeit übe. Heimlich, heimlich, im stillen Dachbodenkämmerlein, denn die Einräder sind ja noch im Osterhasenversteck (psssst..!). Die Ideengeberin, das liebe Töchterlein, die familiäre Sportskanone, hat schon einigen Vorsprung, denn sie ging in den vergangenen Monaten einige Male zu einem wochenendlichen Turnhallentreff. Scheute sich nicht, ohne Können zu üben, es schwer zu finden und dennoch immer wieder aufzusteigen. Hätte ich als Kind schon nicht so gemacht, ich wollte immer alles gleich können, und, Erfahrungen prägen ja, ich tue es auch heute noch nicht, jedenfalls, wenn ich es vermeiden kann. Dumm natürlich, falscher Stolz oder dämliche Peinlichkeit oder Was-Auch-Immer.

Nun habe ich aber zumindest eines von ihr gelernt, „denn von den Kindern lernen wir“: Nämlich den Biss zu behalten, zumindest übers erste innere Geht nicht! hinweg. Und übe also, angefangen bei den ratsamen ersten „20 Minuten Stillsitzen“, damit sich
der Körper die Sitzposition, das Ausbalancieren einprägen kann, wie in den einschlägigen Foren empfohlen (die ich natürlich alle gelesen habe, Theorie kann ich stets am besten). Fahre in den Mittagspausen tastend durchs Berliner Dachstübchen, wieder und wieder, „immer an der Wand lang“ . Schaffe es zu meiner unbändigen inneren kindlichen Freude inzwischen schon, mich die wändischen „5 Meter“ (oder so) nur noch mit zwei, drei Mal Anstupsen entlangzuhangeln. Mein Etappenziel, ab welchem ich mich dann auch auf den unweit gelegenen Spielsportplatz trauen möchte: Regelmäßig komplett durch den Raum zu kommen. Manchmal gelingt es schon ein bisschen, aber dann – doch nicht. Ständiges Scheitern. Abspringen. Runterfallen. Riefen an den Schienbeinen, ein wandgeschrammter Ellbogen und mindestens drölfzig blaue Flecken an den Oberschenkeln (fragt nicht – eigentlich ist der Sattel gepolstert, es ist auch mir ein Rätsel). Zu meinem Erstaunen bleibt alles schmerzlos. Die Blessuren sehe ich nur vorm Spiegel, aber es ist, als wären sie fast gar nicht da, denn es macht so unglaublich viel Spaß, selbst jetzt, da ich es doch noch gar nicht kann. Hatte ich noch nie.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, es zu tun; ja, ich hätte noch nicht einmal geahnt, dass ich das mal wollen würde, aber ich lerne wohl gerade tatsächlich Einradfahren. Manchmal denke ich kurz voller Freude und mit unglaublichem Bauchkribbelgefühl, dass ich es eigentlich sogar schon kann. Können könnte. Probiere wieder und wieder, ob es schon geht, allein. Ich glaube, es fehlt nur noch so viel (zeigt eine kleine Menge zwischen Daumen und Zeigefinger) – das einzige, was ich, die ich doch so gerne die Kontrolle habe, dafür noch schaffen muss, ist loszulassen. Ohne groß darüber nachzudenken.

Die Finger weg von der Wand nehmen, Gedanken und doppelten Boden ausschalten.

Einfach loslassen.

Und da sage noch mal einer, das Sport nichts für den Kopf sei.

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