Dornröschen

… und sie stach sich an einer Spindel und fiel in einen hundertjährigen Schlaf.

Manchmal fühle ich mich hier wie in einem Dornröschenschloss, mit meinem wuchernden Knöterich auf dem Balkon und den vielen Kinderbüchern überall verteilt. Als ob mir der Knöterich auch alle Gehirnwindungen zuwucherte und keinen Platz mehr ließe für Themen jenseits der Märchen- und Windelfront. Ich habe eigentlich keinen Grund mich darüber zu beklagen:
Mit relativ geringem Aufwand meinerseits ließe es sich schließlich ändern, und irgendwie scheint mir das im Moment ja nicht allzu wichtig zu sein, sonst würde ich doch wohl entsprechend mehr Energie in dieser Richtung investieren.

Aber, eigene Entscheidung hin oder her, manchmal wird dieses Informationsleck dann doch peinlich. So zum Beispiel gestern, als (natürlich bei einem Spielplatzdate *gg*) ein befreundeter Politologenpapa die studierte Frankreichwissenschaftlerin zu ihrer fundierten Meinung nach dem vermutlichen Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen fragte, und diese nicht einmal genau wusste, ob es dieses oder nächstes Wochendende soweit sei mit der Wahl…

Soll ich in diesem Zusammenhang tatsächlich eingestehen, dass ich meinen informationshungrig bestellten täglichen Libération-Newsletter allabendlich ungelesen im virtuellen Papierkorb versenke und der pflichtbewusst abonnierte Tagesspiegel in ähnlichem Rhythmus fast jungfräulich in der Papierkiste landet?…

Insgesamt, und das finde ich am erstaunlichsten, lebt es sich auch uninformiert wahrlich nicht schlecht. Ausschlafen auf andere Art, sozusagen. Aber irgendwann muss Dornröschen doch auch mal wieder aufwachen?! Ihren Prinzen hat sie ja schon, und der küsst auch weiterhin erbaulich gut, daran kann es nicht liegen ;-). Jedoch – ihre Gehirnzellen (wieder) zu erwecken wäre wirklich eine ziemlich gute Tat…

Kann mal bitte jemand einen Wecker stellen?

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