Das kleine s möchte in der Garderobe abgeholt werden. ;-)

Vergangene Woche fand in Berlin zum zweiten Mal die Diversity-Konferenz statt. Zum ersten Mal gab es dort einen „Diversity Slam“ – 4 Organisationen, die in einem komplizierten Bewerbungsverfahren ausgewählt worden waren, traten jeweils mit einem max. 10minütigen Slam-Vortrag gegeneinander an. Ich wurde hierfür vom Deutschen Juristinnenbund zu dessen Projekt „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“, für welches ich diesen Sommer mehrere Wochen durch deutsche Lande tingelte, mit einer aus Zitaten erarbeiteten szenischen „Hauptversammlungs-Lesung“ ins Rennen geschickt. War das ein Spaß! Zehn Minuten durfte ich in verschiedenen Stimmlagen als „multiple Persönlichkeit“ auftreten: Ich wechselte zwischen den Rollen des Vorstandsvorsitzenden Dr. Mann, des Personalvorstands Will Vor, diversen weiteren Board-Mitgliedern, der Rechtsanwältin Iuris Prudentia, mehreren Aktionären und, natürlich, der allwissenden Erzählerin. Ich bewarf das Publikum mit Erdnüssen, durfte schimpfen, fluchen, jubeln und zum Mitmachen anstiften, und erhielt am Ende zwar nicht den ersten Platz (ich war der in der Vortragsreihung letztausgeloste Beitrag; die Schauspielerin vor mir hatte in allen Kategorien volle zehn Punkte abgegriffen, insofern war das Rennen schon vor meinem Beginn im Prinzip gelaufen), aber frenetischen Applaus und guten Zuspruch. Alles sehr schön, sehr lustig und auch sehr ernst. Herrlich wurde es für mich persönlich aber: an der Garderobe.

Frau Schauerhammer, erfreut ob all dieser positiven Resonanz, möchte am fortgeschrittenen Abend ihren Mantel, ihr langgesuchtes, seitdem vorsichtig gehegtgepflegtes Lieblingskleiderstück, abholen. Mehrere Menschen sprechen sie während der kurzen Wartezeit an, loben den witzigen Beitrag, wollen mehr zum Projekt wissen. Frau Schauerhammer ist durchaus stolz und erfreut. Charmantes Honigmaul-Garderobenleichtgeplänkel.
Die netten Hostessen, diverse Jacken und Mäntel auf dem Tresen ablegend, setzen dem Gespräch hinzu: Wir haben Sie schon gegoogelt!“
Frau Schauerhammer ist das fast ein bisschen peinlich – nicht wegen der zu findenden Inhalte, aber das ist ja Zuspruch zum Rote-Ohren-Bekommen, denkt sie.
„Echt schön!“…
„So elegant!“…
„Und so weich!“

Wovon in aller Welt sprechen die Damen? Was haben sie gegoogelt? ‚Mich ja wohl nicht!‘, nein: Der wahre Star des Abends war stofflicher Natur. Sie hatten sie, die Jacke, den Mantel, das Lieblingskleiderstück, gegoogelt. Ist doch klar! Denn wer jedes „s“ persönlich nimmt, der ist der Eitelkeit bestimmt. 😉

1 Gedanke zu „Das kleine s möchte in der Garderobe abgeholt werden. ;-)“

  1. Ich schrieb in anderem Zusammenhang hier im Blog schon davon: Für den im Rahmen der Diversity Konferenz 13 von der Charta der Vielfalt zusammen mit dem Tagesspiegel organisierten „Diversity Slam“ beauftragte mich im Herbst der djb, eine Projektbewerbung z

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