Erster My

Meinen ersten Wasserwerfer sah ich mit dreizehn oder vierzehn, an einem Dienstag jedenfalls, als ich angeblich mit Freunden im Kino und eigentlich mit anderen Freunden in Kreuzberg war. ‚Bildet Ketten‘ war ein wichtiger Satz, ‚kein Gesicht zeigen‘, ‚vermummen‘. Aufregend war das, und immer war ich darauf bedacht zur richtigen Zeit davonzukommen.
Nun, wieder an einem Dienstag, war ich seit langem mal wieder in Kreuzberg. Unglaublich aber wahr – allen jugendlichen Verrücktheiten und Überzeugungen zum Trotz zum ersten Mal an einem ersten Mai. Myfest mit Kindern, Kinderwagen, Babytrage und Ehemann, bunten Luftballons, Zuckerwatte und Liebesäpfeln.
Der Tagesspiegel kommentierte am Folgetag:

Auf Kreuzbergs Straßen waren tagsüber mehr Kinderwagen zu sehen als Polizei-Wannen.

Leider widerlegen die Geburtenzahlen hierzulande wohl doch die daraus leichtfertig ableitbare Überlegung eines späten Triumphes von ‚Make love, not war’…

Babel

Müde Eltern, viel zu wache, nervende Kinder. Augenrollen auf der einen, Quietschen auf der anderen Seite des Tisches.
Söhnchens Brötchen fällt runter; nach dem Aufheben ist irgendwo eine Mini-Staubfluse dran.
Mama, da ist Staub auf meinem Brötchen! MACH DAS WEEEEGGGGG!!!
Tu peux me le dire en frc?
Maman, tu peux… aber du sprichst doch auch manchmal Deutsch!
Mais pas avec toi! Je te parle toujours en frc.
Warum denn?
Parce que je voudrais que tu comprennes les deux langues. Tu te rappelles nos amis en France? Ben, ils ne parlent pas allemand, et pour pouvoir communiquer avec eux, tu dois pouvoir parler frc. Ou p.ex. quand nous allons en France, pour les vacances: les enfants là-bas ne comprennent pas forcément l’allemand.. et tu veux quand-même pouvoir jouer avec eux, leur parler,..?!

Söhnchen, genervt grinsend:
Aber ich KANN doch französisch sprechen..!

(Den Krümel auf dem Brötchen – oder was immer das war – hatte der gute Göttergatte während dieser sozusagen metasprachlichen Familiendiskussion dann übrigens unauffällig entfernt..)