Kunst am Ende der Welt

Da fährst du weit, weit weg, und von dort aus noch mal weiter, und dann lässt du auch noch den großen Campingplatz von Giby mit den hundert Kindern hinter dir, um mit einer noch kleineren Gruppe von gerade mal acht, neun Menschen in ein zweitägiges Außenlager zu fahren.

Und dann findest du am Außenlagerplatz, einem kleinen Nicht-Mal-Zeltplatz mit herzigem Plumpsklo und im Wasser versinkendem Steg (hier Piotrs Winterimpression von selbigem, weiter unten ein Foto von mir) am Ufer eines Flusses eine Galerie und triffst dort Menschen, die unglaublicherweise Menschen kennen, die du selbst kennst in irgendwelchen nahen oder fernen Großstädten dieser Welt, du unterhältst dich mit ihnen einen kurzen Abendmoment lang über Politik und Nationalismen und Mehrsprachigkeit und Schulsysteme – und du merkst, dass die Welt eben doch ein Dorf ist.

In Buda Ruska lernte ich den Naturfotografen Piotr Malcewski und seine Frau Anna kennen, der eben in genau dieser Weise über Ecken wieder Menschen kennt, die ich… Ihr seht. „Kunst am Ende der Welt“ weiterlesen

Zeltplatz für Hobbits

So, nun werden hier tröpfchenweise einige Reiseberichtsfetzen einkleckern – nach einem knappen Monat in den Masuren gibt es doch so einiges Berichtenswertes, was nicht verschütt gehen sollte…

Jetzt für euch: der lustigste Zeltplatz meiner Reise. Nicht, dass ich mich dort aufgehalten hätte, nein: Ich bin nur mit dem Kanu vorbeigefahren, vor mir ein dickes Kind, welches sich keinesfalls mehr bewegen wollte und sich Brause trinkend immobil übers Wasser schippern ließ. Aber der Name allein ist einen Bericht wert: Es handelt sich nämlich um den HOBBIT Campingplatz, gelegen irgendwo zwischen Wigri und Fracki am Ufer der Czarna Hancza, einem leicht vor sich hin strömenden, charmanten Flüsschen, welches ich zwei Tage lang kanufahrend erkundete.

Als ich an jenem Zeltplatz vorbeipaddelte, campierte vor Ort tatsächlich eine größere Kindergruppe, die vermutlich recht vorbildlich an den Größenvorgaben für Hobbits entlangschrammte; ich selbst entschied mich mit meinen 154cm dann doch gegen ein Anlegen, denn, wie uns die Wikipedia lehrt, gilt felsenfest:

Hobbits oder Halblinge sind fiktive, 60 bis 120 cm große menschenähnliche Wesen in der von J. R. R. Tolkien geschaffenen Fantasiewelt Mittelerde. (Quelle: Wikipedia)

Großstadtankunft

Du bist zurück in der großen Stadt, und der Himmel ist ganz grau, und die Menschen laufen so an dir vorbei, ganz ohne Stelzen und Metallbecher, und sie werfen auch keine Frisbees nach dir, und du merkst: Du bist noch gar nicht richtig wieder da. Und dann sichtest du kurz die ersten Fotos und fragst dich, warum genau du eigentlich noch mal wieder ankommen wolltest. Aber dann bringt dir jemand einen Milchkaffee mit ganz viel Schaum drauf und küsst dich in den Nacken, und du bloggst was, die Kinder spielen am Computer, die Katzen schnurren, und eigentlich ist das ja auch ganz schön alles (vor allem die Küsse in den Nacken 😉 ).

Aber trotzdem, manches wird mir fehlen bis zum nächsten Sommer. (Besonders die Frisbees. Und natürlich auch die Stelzen und die Metallbecher.)

Mein blondes Mädchen II

Hach, da lässt sich ein Kind die Haare etwas länger wachsen, und schon ist die Erwachsenenwelt fest überzeugt davon, es MÜSSE sich um ein Mädchen handeln. Neulich schon mal, ein paar Tage später im Ostseeurlaub erneut:

Auf dem kleinen, holzpfostenbelegten Weg vom Strand hinauf zur Strandpromenade sind einige Bretter lose, eines ist verschoben. Das Kind sieht es und räumt auf. Eine ältere Dame, sehr freundlich: „Hach, das ist aber aufmerksam von dir. So ordentlich bist du!“, und dann zu mir: „Da weiß ich aber nicht, ob mein Enkel das gemacht hätte. Der ist so ein Wilder. Jaja, wir Frauen und unser Sinn für Ordnung, den haben wir eben.“

Es tat mir irgendwie richtig leid, ihr so liebevoll-freundlich hervorgebrachtes Weltbild durcheinanderzubringen, und so traute ich mich dann fast (aber nur fast) nicht, ihr nach freundlichem Dank für das Lob vorsichtig mitzuteilen „Ist aber.. ein Junge..“. Sie war – irritiert 😉 (und das Kind nach Bericht über diese Anekdote höchst amüsiert)

Wasserspiele

Heute gegen halb acht, auf unserem tiefroten Wollteppich liegend und vom Meer träumend, durchfluteten mich schlaue Sprüche, die ich meiner familiären Umgebung durchaus direkt mitteilte:

„Auch große Wellen bestehen aus vielen kleinen Teilchen.“ „Jede große Welle beginnt unten.“ „Um große Wassermassen zu bewegen, müssen viele Wassertropfen mobilisiert werden.“, so in diesem Stil.

Trockene Antwort des schokobrotkauenden Liebsten: „Jaja, und alle Enten müssen auch mal pupsen.“

Na, vielen Dank 😉

Straßenhandel

Mannomann, muss ich abgerissen aussehen heute. Oder aber jung, dynamisch und intellektuell. Oder beides.

Jedenfalls weigerte sich der Verkäufer des Straßenfeger-Magazins, dem ich heute früh an der Spree ein Exemplar abkaufen wollte, den vollen Preis zu nehmen: „Nee, von arme Studenten nehm ick nur eens dreißich, keene Diskussion!“ – und drückte mir mit bestimmter Geste und freundlichem Lächeln mit der Zeitung zwanzig Cent in meine winterkalte Hand zurück.

Doch, ich bin sicher: Jung, dynamisch und intellektuell. Ganz bestimmt!

Spätsommerviertel

Altweiberspinnweben wabern durch die benzinene Stadtluft, und ein Hauch von Spree. In der morgendlichen Spätsommersonne aalt sich in einer Sandkuhle im Kanzlerviertel, inmitten einer Taubenschar, ein herrenloser Hund. Behäbige Gelassenheit. Im Hintergrund die gläserne Reichtstagskuppel, in der sich eine Menschenschlange dem blauen Himmel entgegenwindet.

Nicht mehr lange, bald schon wird es Herbst sein, und der Himmel grau.