Glaube, Liebe, Hoffnung

(… oder der immer wiederkehrende Traum von einer besseren Welt)

Wer einen mit unerschöpflicher Neugier auf die Welt ausgestatteten Dreieinhalbjährigen zu Hause hat, dem stellen sich die Fragen, die die Welt verändern, täglich neu, und provozieren immer wieder das eigene gesellschaftlich-ökologisch-politisch-gesundheitlich-und was-nicht-alles-korrekte Bewusstsein.
Wir kaufen nun noch überzeugter Biowurst und -fleisch, weil sich dann der Frageblock „Mama, was essen wir da gerade für ein Tier?“, „Maman, qu’est-ce qu’il a mangé, lui?“ (Was hat dieses Rind gegessen?), „Papa, darf man Tiere schlachten?“, … doch mit einem zumindest besseren Gewissen beantworten lässt.
Zumindest bei Lebensmitteln achten wir mehr und mehr auf Siegel wie TransFair und Co., die Vorstellung von auf verseuchten Plantagen arbeitenden Kindern ist nämlich noch viel unerträglicher, wenn man selbst welche hat.
Aber wie unzulänglich „Glaube, Liebe, Hoffnung“ weiterlesen

Erster My

Meinen ersten Wasserwerfer sah ich mit dreizehn oder vierzehn, an einem Dienstag jedenfalls, als ich angeblich mit Freunden im Kino und eigentlich mit anderen Freunden in Kreuzberg war. ‚Bildet Ketten‘ war ein wichtiger Satz, ‚kein Gesicht zeigen‘, ‚vermummen‘. Aufregend war das, und immer war ich darauf bedacht zur richtigen Zeit davonzukommen.
Nun, wieder an einem Dienstag, war ich seit langem mal wieder in Kreuzberg. Unglaublich aber wahr – allen jugendlichen Verrücktheiten und Überzeugungen zum Trotz zum ersten Mal an einem ersten Mai. Myfest mit Kindern, Kinderwagen, Babytrage und Ehemann, bunten Luftballons, Zuckerwatte und Liebesäpfeln.
Der Tagesspiegel kommentierte am Folgetag:

Auf Kreuzbergs Straßen waren tagsüber mehr Kinderwagen zu sehen als Polizei-Wannen.

Leider widerlegen die Geburtenzahlen hierzulande wohl doch die daraus leichtfertig ableitbare Überlegung eines späten Triumphes von ‚Make love, not war’…