SCHEISSE im Wohlstandskiez. Ein Rant.

Nebenan in den Spielzimmerhochbetten liegen gerade zwei Kinder, die lange nicht einschlafen konnten heute. Weil sie über Reichtum und Armut nachdachten, über Teilen und Nichtteilen, über Helfen und Nichthelfen, über Kindsein und Erwachsenensein und über diese Welt. Und hier, an diesem Rechner, sitze ich. Die Frau, die sich noch immer nicht beruhigt hat nach diesem Tag, der einfach zu viel war. Nach diesem Tag, in dem sie vielleicht eine Spur zu laut in der Tram verkündete, dass „ihr“ (die Kinder) so nicht aufwachsen sollt“, und dass diese „SCHEISS Wohlstands-Wir-Teilen-Nicht-Mentalität nicht das ist, was ich euch mit auf den Weg geben will für euer Leben!“. Empörte Blicke anderer Fahrgäste. Hat sie eben wirklich SCHEISSE vor den Kindern gesagt?! Steigerung galore. Aber von vorn.

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Aufreger: „Verschlüsselte Mails“ im Radio

Der Liebste fuhr gestern zwischen diversen Terminen durch die Stadt. Radiohörend. Irgendwann rief er mich an, sozusagen schon durchs Telefon puterrot bellend, ob ich auch diesen PR-Scheiß gehört hätte auf radioeins, und dass er es ja nun wirklich nicht fassen könne. „Die sind doch sonst nicht so doof!“ Hilfe!, so aufgebracht hab ich ihn selten erlebt, und das heißt wirklich was – ihr müsst wissen, schon als Kind im Ferienlager beim Neptunfest bekam er, wie mir zugetragen wurde, mal den Titel „ruhigstes Eichhörnchen des Jahres“ oder so ähnlich… Jedenfalls hat er dem Lieblingsradiosender abends ’ne gepfefferte Mail geschrieben. Und mir eine Kopie davon mit der Erlaubnis des Verbloggens soeben freundlich zur Verfügung gestellt.

Hallo,
könnt Ihr bitte aufhören, den PR-Blödsinn, dass die Telekom, GMX usw. in Deutschland jetzt verschlüsselt und damit sicher anbieten, über die Nachrichten zu verbreiten. Das ist ja wohl nicht Euer Ernst, dass Ihr
dass in die Welt posaunt, ohne es zu hinterfragen. Durch die angekündigten Maßnahmen wird technisch nichts sicherer, außer der Kommunikation zwischen den beteiligten Unternehmen, die E-Mails selbst werden aber nicht verschlüsselt, nur die Kommunikation der Mailserver. Die Mails liegen dann immer noch unverschlüsselt auf den Servern von Telekom & Co. Das ist pure PR, die sich in Zeiten der zunehmenden Überwachung prima unter die Leute bringen läßt.
Vergleiche auch hier: http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-08/email-telekom-gmx-verschluesselt

Diese Kritik hätte ich mir auch von Radio1 gewünscht!
Vielen Dank

Fell

„Warum rasierst du dir eigentlich die Beinhaare ab?“ Liebe Tochter, das ist eine der schwereren Fragen an eine Mutter, die sonst vieles nicht so macht wie „die anderen“. Die euch Kindern vorzuleben versucht, dass ihr euch nicht nach dem richten sollt, was andere euch vorgeben, sondern nach dem, was euch euer Herz sagt. Ich könnte antworten mit „weil ich das so schöner finde“, aber ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt. Genau genommen weiß ich nämlich gar nicht mehr, wie meine Beine mit ausgewachsenen Haaren aussehen würden. Obwohl, ich erinnere mich durchaus, als ich ungefähr so alt war wie du, liebe Tochter, so mit sieben oder acht, da fand ich bereits in dem DDR-Ferienlager, in das ich immer fuhr, und in dem sich vermutlich weder Erzieherinnen noch Erzieher die Beine oder die Achseln oder sonstewas rasierten, also da fand ich bereits: Ich hab ganz schön viele Haare an den Beinen. Es war damals wohl nur so eine Feststellung, genau wie deine diesen Sommer, nachdem du anscheinend von anderen Kindern darauf gebracht wurdest: „Mama, im Zeltlager haben welche gesagt, ich hätte ganz schön viele Haare an den Beinen.“ Noch scheint es dir nichts weiter zu bedeuten, aber ich ahne, dass die Haare schon in zwei, drei Jahren ein umfassenderes Thema sein werden. So wie bei der Tochter einer Freundin, elf oder zwölf gerade, die sich jetzt auf jeden Fall auch die Beine rasieren will. „Das machen eben alle.“ Alle Mädchen. Aber warum? Und was macht das mit dir? Mit euch? Mit uns?

Liebe Tochter, deine Kopfhaare sind schon heute nicht strohblond. Deine Körperhaare werden es wohl also auch nicht sein, meine jedenfalls sind recht dunkel. Wie unfair, wirst du vielleicht eines Tages einmal denken, und vielleicht wirst du dann auch mal, wie ich, probieren, sie zu blondieren. Bei mir hat das nicht funktioniert, meine Haut hat es nicht gut weggesteckt. Genauso wenig wie all diese Enthaarungscremes, die Elektroepilierversuche, die Klebewachsstreifen. Rasieren bleibt mein Mittel der Qualwahl. Oder die Pinzette – so manchen freien Nachmittag habe ich schon damit zugebracht, sie einzeln mit einer Pinzette in Wuchsrichtung aus der Haut zu ziehen, das tut dann nämlich fast nicht weh. „Aber das dauert ewig, was du in der Zeit sonst noch alles hättest machen können,..“, würdest du vielleicht antworten, wenn ich dir all dies erzählte, und dann würdest du vielleicht noch ein weiteres Mal nach dem ‚Warum‘ fragen, und ich hätte weiter keine bessere Antwort als „Das machen eben alle“. Entschuldige meine Unzulänglichkeit.

Ich frage mich ja auch Dinge, zum Beispiel, wie es wohl sein wird, wenn das in deinem Umfeld auch alle machen, all deine Freundinnen, Bekannten, du. Werden wir dann Rasieraufklärungsgespräche führen, in denen ich dir am lebenden Beispiel nicht nur die Narben vom Draußentoben als Kind, sondern auch die vielen kleinen Schatten von ehemaligen Schnittwunden zeige und eine sinnvolle Rasiertechnik, damit du dich vielleicht von Anfang an nicht so oft schneidest? Vielleicht wäre es dann gut, dir auch zu erklären, dass enthaarte Beine nicht immer schön und glatt aussehen, sondern von all den guten oder schlechten Behandlungen auch pickelig und wund werden können. Viel lieber aber würde ich dir sagen: Tu’s nicht. Sei, wie du bist. Es wäre nur bei dem unzulänglichen Beispiel, das ich dir biete, allzu unglaubwürdig. Du weißt schließlich schon heute, dass ich nicht ins Schwimmbad gehe ohne kritischen Blick auf meine Körperbehaarung und gegebenenfalls einen dir vermutlich völlig bescheuert erscheinenden Rasierduschgang in der heimischen Badewanne genau vor dem Losgehen. Dir ist schon seit deiner Kleinkindzeit bekannt, dass Frauenbeine pieken, jedenfalls meine, wenn ich die Stoppeln nicht ordnungsgemäß im Griff behalte, und schon als kleines Kind wolltest du sommers deshalb manchmal nicht auf meinen nackten Schenkeln sitzen. Es machte mich traurig, aber dennoch blieb da der Anspruch an die Norm, und es überwog am Ende unfassbarerweise „Das machen eben alle.“ Unbegreiflich, findest du? Entschuldige meine Unzulänglichkeit.
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Upcycling: Omablusen zu Kinderröcken!

Kinder, die in Bastelhaushalten aufwachsen, scheinen ziemlich bald auch selbst einen Blick dafür zu entwickeln, welche Dinge sich dafür eignen, zu etwas anderem umgewidmet zu werden. Sohn fand neulich irgendwo ein Knäuel alter Gummibänder und baute sich daraus mit einer Plastikschnalle einen ziemlich umwerfenden Gürtel.

Tochter entdeckte vor kurzem in einer Kleiderkiste eine alte Bluse aus einem schönen schwarzen Stoff mit Blümchen und Punkten. Brachte ihn mir, meinte: „Hab schon nachgeguckt. Der Stoff hat keine Löcher, und es gibt viel Fläche ohne Nähte. Daraus hätte ich gerne einen Rock!“

Erbeten, getan. Ein vielleicht zum Nachmachen animierender Blogpost‘.

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Pimp your Fahrrad

Eine Ära ist zu Ende: Am Wochenende hab ich den Fahrradkindersitz auf dem hinteren Gepäckträger abgebaut. Dem hinteren, denn vorne hatte ich mir auch mal einen draufgebaut, und Fußstützen (die ich nun morgen früh noch abschraube, hab ich vergessen vorhin), denn eine Zeitlang fuhr ich mit zwei Kindern auf diesem Rad, behelfsmäßig. War lustig. Aber vorbei – auf dem Gepäckträger vorne thront schon eine Weile ein etwas überdimensionierter Korb, in den auch ein Schulranzen, eine Notebooktasche und ein halber Einkauf passen (oder zur Not doch (getestet ;).. ein müdefaul zusammengekauert sitzendes Kind).

Wie dem auch sei: Hinten… da sitzt seit heute eine übriggebliebene Fleischerkiste. Ha!, Drahtesel, du bist und bleibst ein liebes Lastentier.
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Blutspenden ist raus.

Vor 12, 13 Jahren wollte ich mal Blut spenden gehen. Durfte ich aber nicht. Wurde gleich wieder weggeschickt, weil ich damals die obligatorische 50kg-Marke nicht geknackt hatte (mit gerade mal gut anderthalb Metern Körperlänge ist diese Marke nicht so weit weg von aller Logik wie für größere Menschen). Dann kamen die Kinder, die Stillzeiten,.. Immer wieder Ausschlusskriterien. Alles inzwischen lange vorbei, Gewichtsschallgrenze denn doch auch nach oben durchbrochen. Diesen Frühling wollte ich dann nun endlich, endlich spenden – aber da war noch Heuschnupfenzeit, Ceterizin-Behandlung, wiederum Ausschlusskriterium. Und heute? Ich hab’s probiert. „Blutspenden ist raus.“ weiterlesen

Ohne Vorwarnung

Da sitzt du gerade noch da und hängst deinen Gedanken nach, und dann kommt eine Nachricht, und BÄMM, erscheint alles in einem anderen Licht. Deine Sorgen, deine Freude, dein Glück, dein Stress, dein Was-Weiß-Ich werden vom Tisch gefegt. An den setzt du dich kurz darauf, nachdem jemand Gutes dir auf deine kleine Bitte hin sofort stillschweigend ein Nähmuster vor die Tür gestellt hat, und tust etwas gegen die Ohnmacht, nämlich Mützen nähen, sieben Stück, weil sieben doch eine Glückszahl ist und die Freundin, die gerade bösekrank ist, Glück wohl gerade brauchen kann, und Mützen auch.

Und dann denkst du, du kannst an gar nichts anderes denken als daran, doch das Leben belehrt dich schon wieder neu.

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Kopfbaustellen

Wenn der Kopf so voll ist, dass du aufgrund all deiner tollen Ideen ständig andere Ideen verdrängen musst, dann könnte ja vielleicht aufschreiben helfen. Ich versuch das jetzt mal und hab mir heute aus ein paar alten Leisten und mir freundlicherweise überlassener Leinwand eine für den Anfang hoffentlich ausreichend große Projektwand gebaut, die nunmehr die Innenseite meines Werkstattbüros ziert. Theoretisch ist die Leinwand natürlich direkt beschreibbar, aber ich muss das erst noch auf mich wirken lassen und ein bisschen testen, daher hab ich einen ersten kleinen Teil meiner derzeitigen „Projektziele“ vorerst mal auf nach Themen einigermaßen geordnete Zettel geschrieben und angepinnt. Bereiche bisher: Krea (von Musikkram über Töpfereisachen bis zu Raumgestaltung), Welt retten – ein bisschen (Blutspenden, Verschenkekisten und so Gedöns)), Sport (von Holz machen über besser schießen über Rettungsschwimmkurs fertig machen bis 5 Knoten für immer lernen), KFZ („Alles, was der Führerschein hergibt“), Elektronik/Mechanik und sonstiges (von „besser löten“ über sinnvolles Schrottsammeln bis schweißen lernen). Mal sehen, wie sich das entwickelt. Ich berichte!

Vom richtigen Leben im richtigen

Wieder einmal ist ein Zeltlager vorbei. Wieder einmal habe ich drei tolle, anstrengende Wochen mit tollen, anstrengenden Menschen verbracht, kleinen und großen, vielen jüngeren, einigen älteren. Mit ihnen gelacht, gelästert, gelernt, gelebt. In Schweden ein Drei-Wochen-Zeltlagerleben mitgestaltet, so aufrichtig und richtig, so gemeinsam und ehrlich und unmittelbar, wie das eben möglich ist mit in diesem Jahr insgesamt über 140 Menschen auf einem wilden Naturzeltplatz in der mir seit unfassbaren zwanzig Jahren bekannten Weite am südschwedischen Bolmensee.

Damals wie heute bin ich bewegt: Von den Kindern mit ihren so unterschiedlichen Geschichten und Charakteren. Von der Gemeinsamkeit, oder manchmal auch von dem immerwährenden Versuchsprojekt, aus Gegeneinander Gemeinsam wachsen zu lassen. Von den vielen Aktivitäten, die ich vorurteilsfrei ausprobieren durfte ebenso wie von all denen, die ich beisteuern, weitergeben konnte an andere.

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