Aus dem Nähkästchen. Oder: Schwiegermutters Kleiderschrank

Schwiegermutters Kleiderschrank ist mein Hobby. Oder anders gesagt: Schwiegermutters Merinowollteilchen, ihre weichgekämmten Baumwollshirts, ihre Berliner Geheimtippboutiquenauswahl. Dann nämlich, wenn sie wieder findet – Minimalismus ist ihr Trumpf und Ass – , dass das seit einem Jahr in ihrem Schrank hängende Blusenkleid ersetzt werden könnte. Weil es doch zu zipfelig, zu bunt, zu einfarbig, zu gewagt, zu puristisch, zu eng oder zu weit geworden ist. Ich danke herzlich!, denn mein Kleiderschrank besteht inzwischen zu großen Teilen aus ihren Teilen, in von mir abgewandelter Form.

Aus ihrem beim Waschen leicht verfilzten petrolgrünblauen Wollteilchen machte ich mir gerade heute, nach dem Frühstück und vor der Arbeit, mit der wunderbaren alten Pfaff ein mir genau passendes Kühler-Apriltag-Kleid mit Pippi-Langstrumpf-Tasche. Aus ihrer zarten Biesenbluse bekam Töchterchen ein Blusenkleid. Meine weiße Tunika war einst ein Schwimu-T-Shirt, unsere Kissen kleiden sich in berlinmoderne Ringelpullis, und als die Kinder noch kleiner waren, ließen sich aus den übrig gebliebenen Pulliärmeln genau passende Minileggins machen. Dafür sind sie nun zu groß, also die Kinderbeine, jedoch: Die Kinderpuppe nicht, und so zieren die grünen Punkte des sonst dunklen Etuikleids nun den Mantel des Puppenkindes. Das schräge Shirt hat sich gestern die groß gewachsene Freundin der Tochter als Kleid ausgesucht – einmal kurz die Schultern verschmälert, passte sie zackhoppi schon wunderbar hinein – , und so mancher Rock auf meiner Hüfte wurde ebenfalls aus Schwimu-Stoffen zugeschnitten.

Auch in Schwiegervaters Jackentasche hat sie sich versteckt – nachdem diese bei seiner seit vielen Jahren Heißgeliebten (gemeint ist hier die Jacke, nicht die Schwiegermutter) aus allen Nähten ging, durfte ein einst der sicherlich mindestens ebenso Heißgeliebten, also der Schwiegermutter diesmal, gehörendes Oberteil ein Stoffstück für sein morsches Täschchen spenden. Dieses wärmt nun seine Hände und trägt mit ihm seine Schätze spazieren, und vielleicht auch manchmal heimlich ihre Hand in seiner. Gar nicht mal schlecht, oder?

Einfach loslassen.

„Denn von den Kindern lernen wir.“
„20 Minuten Stillsitzen.“
„5 Meter.“
„Immer an der Wand lang.“
(…)

So viele Titelideen, und doch habe ich mich anders entschieden. Für den Titel nämlich, der wohl am besten beschreibt, was das höchste Mantra zu sein scheint bei dem, was ich derzeit übe. Heimlich, heimlich, im stillen Dachbodenkämmerlein, denn die Einräder sind ja noch im Osterhasenversteck (psssst..!). Die Ideengeberin, das liebe Töchterlein, die familiäre Sportskanone, hat schon einigen Vorsprung, denn sie ging in den vergangenen Monaten einige Male zu einem wochenendlichen Turnhallentreff. Scheute sich nicht, ohne Können zu üben, es schwer zu finden und dennoch immer wieder aufzusteigen. Hätte ich als Kind schon nicht so gemacht, ich wollte immer alles gleich können, und, Erfahrungen prägen ja, ich tue es auch heute noch nicht, jedenfalls, wenn ich es vermeiden kann. Dumm natürlich, falscher Stolz oder dämliche Peinlichkeit oder Was-Auch-Immer.

Nun habe ich aber zumindest eines von ihr gelernt, „denn von den Kindern lernen wir“: Nämlich den Biss zu behalten, zumindest übers erste innere Geht nicht! hinweg. Und übe also, angefangen bei den ratsamen ersten „20 Minuten Stillsitzen“, damit sich
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Minecraftdenke meets real Berlin City Life

Neulich hat sich Tochter auf dem Weg zur Musikschule verfahren. Ist ne Station zu früh ausgestiegen in der großen breiten Straße mit dem U-Bahn-Viadukt. Da sieht es zugegebenermaßen, zumindest in dem Wollen, dass man doch richtig ist, richtig sein muss, schon so ähnlich aus wie eine Station weiter – aber eben nur _ähnlich_. Nicht gleich. Und vor allem nicht richtig. Sie suchte trotzdem und gerade deshalb bei den aus ihrer Sicht infrage kommenden Häusern nach dem richtigen Eingang, fand ihn natürlich trotz aller guten Bemühungen nicht – aber fand schließlich mit Hilfe eines netten Prenzlbergvaters nebst Kind, die beim Heimweg halfen, zumindest unbeschadet wieder nach Hause. Die Pointe folgt aber noch: Auf meine Frage, ob sie denn nicht gemerkt habe, dass das die falsche Station sein muss, meinte sie mit großen Augen:

„Na ja, ich hab eben gedacht, die haben die Kreuzung UMGEBAUT!“

(- Nichts ist für die Ewigkeit. Angesichts der uns umgebenden Berliner Wanderbaustellen und der Geschwindigkeit, mit der man auch sie schon zumindest in Minecraft ganze neue Welten schaffen kann, ist diese Vermutung in ihrer Welt vermutlich sogar recht… realistisch.)

Obstkisten-Ichhabsgleich: Baut mal wieder!! (oder kauft!)

Inspiriert von einem Freund, der für einen guten Zweck – Geld sammeln für ein soziales Kinder-Lego-Projekt im Kinderkeller in Marzahn – aus alten Europoolpaletten coooole Regale baut (KAUFT, Leute, KAUFT!, SO geht ökologischer Recycling-Sozialverträglichsei-Kapitalismus!! #werb #werb), ließ ich mir von meinem besten Paps selbst zwei Paletten hier „anliefern“. Wollte ich umbauen zu einem Küchen-Kräuter-Regal.

Nun ergab es sich jedoch, dass ich just am Tag vor der Palettenlieferung in einem Supermarkt einkaufen ging, in welchem, sieh an sieh an, Radieschen-Obstkisten weggeworfen werden sollten.

AUF DEN MÜLL! FREVEL WEGWERFGESELLSCHAFT!

Spontan nahm ich mich ihrer an, nun ja, nicht aller, aber drei Obstkisten durften mich begleiten. Schnell jeweils zwei kleine Löcher in die eh fürs Upcycling-Regal gedachte Wand gebohrt, Dübel ‚rein, da hinein jeweils ’nen geraden Schraubhaken. Obstkisten eingehängt, FEDDISCH! An den Seiten noch gebogene Haken nach Bedarf per Hand eingeschraubt, und schon hatte das seit Monaten immer ‚rumschwirrende Teesieb auch endlich einen schönen Platz gefunden. Das ging fix!! Das dritte Kistchen hängte ich an eine andere Wand – Altbau hin oder her, höher als so komm ich auch mit auf den Stuhl klettern nämlich sonst nicht mehr an meine Kräuter (und an die Berglinsen, die ich gaaaaanz oben auf die Kante gestellt habe, kihihi).

Also ick find dett echt supa so. Und aus den zwei schicken rohen Paletten bau ich dann eben.. na ja, halt was anderes. :-)

Hackts bei euch, Sanetta?!

Soeben erhielt ich eine E-Mail von einem Kinderkleidungsanbieter namens Sanetta, bei welchem ich vor Jahren mal etwas bestellt hatte. In der Mail stand mit Nennung meiner korrekten Kundennummer ein angeblicher Zahlungsausstand, den ich bitte bis zum.. auf eine angegebene Kontoverbindung überweisen solle. Keine vernünftige Signatur, die Absendemailadresse nicht überzeugend – offensichtlich gab es hier ein Problem. Meine Vermutung: Die Kundendatenbank wurde gehackt und irgendjemand versuchte hier möglicherweise eine Abzocke oder so.

Nun hätte ich diese E-Mail einfach ignorieren können, aber weil ich a) ein netter Mensch bin, welcher andere durchaus vor Schaden schützen möchte,
und weil ich b) auch meine Daten nicht in unbefugten Händen wissen möchte,

rief ich bei Sanetta an. Wies die nette Callcenter-Mitarbeiterin, mit der ich sprach, auf diese ominöse Mail hin, bat um Durchstellung an eine verantwortliche Person und/oder um direkte Auskunft. Was ich bekam war ein:

„Oh, Sanetta hatte vor zwei Monaten einen Dienstleisterwechsel. Wenn Sie in den vergangenen Monaten nicht bei Sanetta bestellt haben, können Sie die Mail einfach löschen. Das ist der alte Dienstleister, die hatten ein technisches Problem. Wir hatten heute schon mehrere solcher Anrufe.“

Auf erneute und erneute Nachfrage wurde mir nur noch mitgeteilt, dass der alte Dienstleister wohl „fortuna global“ hieße. Was die nun genau vertraglich mit Sanetta zu tun haben, mit wem ich nun sprach, warum mir dieser alte Dienstleister über eine ominöse help@sanetta-shop.de Mails schickt mit Zahlungsaufforderungen, denen ich aber nach Callcenteraussage nicht nachkommen muss, was das Unternehmen Sanetta hierzu selbst erklärt und ob meine Kundendaten nicht doch in falsche Hände geraten sind und das alles nur ein schlechter Versuch der Ruhigstellung ist, konnte ich leider nicht erfahren. Ich könne, wenn ich wolle, aber an die Absendeadresse der Mail schreiben, dass ich keine offene Rechnung habe. Dann bekäme ich vermutlich auch eine Bestätigung.

Whoot?

Ich mach das jetzt anders und erlaube mir hiermit vielmehr – auch im eventuellen Interesse all derer, die noch solche Mails bekommen haben (und vielleicht doch zahlen. Oder mindestens irritiert sind. Oder so.) – das Unternehmen Sanetta mit diesem Blogpost öffentlich um eine Stellungnahme zu bitten.

Sehr geehrte Damen und Herren, könnten Sie sich bitte erklären? Mit diesem – wenn auch wirklich sehr freundlich und höflich vom Callcenter mitgeteilten – „Löschen Sie einfach“ ist es nämlich in so einer Angelegenheit nicht getan.

Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen
manubloggt aka Manuela Schauerhammer

Vernunft

Neues Elternvergnügen: Die nicht mehr ganz so kleinen Kinder abends mal allein zu Hause lassen, auch ohne Not. Neulich mit den zu Weihnachten geschenkt bekommenen Theaterkarten getestet. Natürlich mit allen komfortablen Schikanen für die liebe Brut – lecker Essen inkl. Süßkram, ne für einen Abend mehr als ausreichende Filmauswahl zu ihrer Verfügung, alles schick.

Als wir kurz vor Mitternacht zurückkamen, fanden wir sie (wie zu erwarten) schlafend auf der Couch.

So weit, so gut. Sie schafften es aber doch noch, uns zu schocken: Als sie nämlich am nächsten Tag auf unsere Frage hin, wie viele Filme sie denn geguckt hätten, meinten: „Ach, nur einen. Dann waren wir doch recht müde. Haben noch Zähne geputzt und dann einfach geschlafen.“ Ich wette, das Erste, was die mit 18 machen, ist, einen Bausparvertrag abzuschließen…

P.S.: Immerhin hat eines der Kinder einigermaßen unangepasst mit aktuell nicht wegzudenkender, quasi am Kopf angewachsener Neonmütze geschlafen. Das ist doch sowas wie… ein zarter Keim von Revoluzzerhaltung. Oder? ;-))

Karten über Karten

.., weils bei so schönen Ideen echt Spaß macht. Statt Mittagspausen digitalbastelte das Mutti (also ich) dem Kinde (also nicht ich, auch wenn ihrs mir nicht glauben werdet. Ist in diesem Fall aber schlicht die Wahrheit.) eine Einladungskarte. Wollta die Vorderseite sehen? Voilà. Ick finds schick, Kind ooch. Alle glücklich. Hach!

Weihnachtspost

Inspiriert von den Enthüllungen (nicht erst) seit Herbst 2013 gestaltete ich 2013 unsere Weihnachtskarten, die ich selbstverständlich eigentlich auch euch, meiner lieben Blogverfolgungsschar, als freundlichen Gruß zu Heiligabend einstellen wollte. Nun mit leichter Verspätung, aber nicht minder herzlich. Klick aufs Bild machts groß, kennta ja..

Innentext:

Lieber guter Weihnachtsmann,
schau mich nicht andauernd an.
Steck dein Fernglas wieder ein,
lass das Spionieren sein.

Ach, wie wär es doch schön gewesen, wenn all mein weihnachticher Textquatsch nur Phantasie und Märchenlandgefasel gewesen wäre, oder? Vielleicht fange ich 2014 tatsächlich intensiver mit dem Gärtnern an. Ach, Frank Rieger. Ach, Voltaire.

SCHEISSE im Wohlstandskiez. Ein Rant.

Nebenan in den Spielzimmerhochbetten liegen gerade zwei Kinder, die lange nicht einschlafen konnten heute. Weil sie über Reichtum und Armut nachdachten, über Teilen und Nichtteilen, über Helfen und Nichthelfen, über Kindsein und Erwachsenensein und über diese Welt. Und hier, an diesem Rechner, sitze ich. Die Frau, die sich noch immer nicht beruhigt hat nach diesem Tag, der einfach zu viel war. Nach diesem Tag, in dem sie vielleicht eine Spur zu laut in der Tram verkündete, dass „ihr“ (die Kinder) so nicht aufwachsen sollt“, und dass diese „SCHEISS Wohlstands-Wir-Teilen-Nicht-Mentalität nicht das ist, was ich euch mit auf den Weg geben will für euer Leben!“. Empörte Blicke anderer Fahrgäste. Hat sie eben wirklich SCHEISSE vor den Kindern gesagt?! Steigerung galore. Aber von vorn.

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