Wo die Seele wohnt.

Neulich in Berlin: Geplant ist eigentlich ein Stadtparkausflug. Doch, ach, auf dem Weg durch den fremden Stadtteil rufen die Kinder: „Da ist ja ein Loch im Zaun!“, „Ha, da klettern wir jetzt durch“, und schon laufen sie nach kurzem Bücken in den grünen Kreuzberger Friedhofspark hinein.

Ich, die Mutter, krieche hinterher, denke ‚was ist schon dabei, gehen wir halt auf ’nem Friedhof spazieren‘. Er ist aber viel größer als die, welche die Kinder bisher kennen, kein alter Bauerndorffriedhof aus dem Urlaub, auch nicht vergleichbar mit dem Uraltfriedhof mit den moosbewachsenen Grabsteinen in Pankower Daheimnähe. So laufe ich ihnen hinterher, zügiger, um sie noch einzuholen, spreche doch lieber kurz an, dass ein Friedhof – jedenfalls hierzulande – eher ein ruhiger, besinnlicher, für manche auch trauriger Ort sei, dass sie bitte respektvoll mit anderen sein sollen,… Es wäre nicht nötig gewesen. Welch beeindruckende Auseinandersetzung.

„Wo die Seele wohnt.“ weiterlesen

Mangel: Ware – Suche Fairtrade-Kinderjeans

Das gibt’s nicht..: Ich suche jetzt seit einer Stunde (in der ich eigentlich arbeiten wollte) nach fair hergestellten Kinderjeans. Denkt ihr, ich wäre fündig geworden? Ich habe alles Mögliche herausgefunden, aber Hosen: Null. NULL!

Ökotest beschreibt im Kinderjeans-Test alle möglichen Standards und Normen, auf die man achten kann. Empfohlen werden letztlich Produkte mit dem Label „Fairtrade Certified Cotton“. Tja – nur: Wo gibts die denn bitteschön? Ich habe inzwischen etliche Online-Shops abgeklappert, kenne die schönsten Kinder-T-Shirt-Motive, weiß, wer aus welchen mir von Selbstmach-Stoffmärkten bekannten Biostoffen Kinderleggins näht, die ich auch selbst nähen kann, und auch, wo es gerade Jeans aus Biobaumwolle rabattiert gibt. DIE WILL ICH ABER ALLE NICHT!

Ich wollte ne FAIR hergestellte Jeans kaufen, möglichst (okay, ja..) die günstigste dieser sicherlich nicht ganz so günstigen Kategorie. Aber heilige Sch….: Es gelang mir nicht mal, herauszufinden, wo es denn überhaupt entsprechende Jeans GIBT. Oder besser: OB es entsprechende Jeans gibt. KINDERjeans. Ganz normale 5Pocket-Jeans, ohne irgendwelche Aufdrucke, und okay, das wäre schon wichtig, ohne superspezielle Seiteneinsätze, Rüschen oder superkreativ bei Dawanda aufgebrachte Borten mit Eulen und Hühnchen. Einfach nur Jeans, für Kinder, fair produziert.

Aber allem Anschein nach gibts die einfach nicht. Jedenfalls nicht in meinem Google. Wenn ihr das besser wisst, lass ich mich außerordentlich gerne von euch belehren. Da unten, in den Kommentaren. Ich hoffe, das bleibt nicht bei (0) (ihr dürft da auch Beileidsbekundungen zur erfolglosen Suche reinschreiben. Gnarf.)

Aufwachsen in Digitalistan: Vortragsdokumentation re:publica13

Realität: Das Internet ist.

Realität: Kinder tun Dinge.

Realität: Dinge tun findet überall statt – auch im Netz. Egal, was Experten glauben und / oder erlauben.

ZUM GLÜCK!

Hier zum Anschauen mein Talk auf der re:publica 2013:

Wie versprochen, stelle ich euch hier auch die Folien zum Vortrag zur Verfügung: Ich habe mir noch die Mühe gemacht, euch diverse Kommentare ‚dranzuschreiben – die Textbildchen dienten ja nur der „Hintergrunduntermalung“; nun scheinen sie mir auch einzeln recht nützlich. Aber natürlich können sie niemals nicht so nackt und ganz allein den Vortrag aufwiegen 😉 – also, klickt mal oben auf Play. Und wenn ihr diesen Eintrag ausklappt, findet ihr unten auch die ganzen Videos, die ich im Vortrag anspreche. Es lohnt sich wirklich, die Kinder und Jugendlichen anzuhören – um die ging es ja eigentlich und ganz besonders.

„Aufwachsen in Digitalistan: Vortragsdokumentation re:publica13“ weiterlesen

Kinder, Freiheit, Ferien

Ich mach das mal wieder mit dem Ehrenamt im Sommer und fahre als Teamerin ins Zeltlager. Wieder mal nach Südschweden, auf den Platz mitten im Wald am Ufer des Bolmensees.

Dorthin, wo ich selbst als Kind schon Ferien machte. Im Kinderrat Tagespläne entwarf. Am Lagerfeuer diskutierte. Körbe flechten und Brausekiosk selbst betreiben lernte. Stelzenlaufen hätte lernen können (hab ich bis heute ausgelassen). Schnitzte, spielte, Kanu fuhr, nächtelang wach blieb, blödelte, lachte. Ernst genommen und nicht ausgegrenzt wurde. Für mich geschätzt wurde. Meine Meinung sagen, mich einbringen durfte. Freiheit erlebte.

Tja, genau, das Zeltlager gibts immer noch, organisiert nach wie vor vom Kinderring Berlin e.V. und von einer Berliner Falken-Gruppe. Wie seit ehedem findet es statt in den ersten drei Wochen der Berliner Sommerferien. Und es sind tatsächlich auch noch Plätze frei, für Kinder von (ca.) 8 bis 14 Jahren. Den Flyer gibts hier als pdf.

Zusammen statt gegeneinander: Politladen

Das ist ja mal eine gute Initiative: In der Thermometersiedlung in Berlin Steglitz-Zehlendorf haben sich – offenbar schon im Dezember 12, die Seite ist aber jetzt erst online – die vier in der BVV vertretenen Parteien zusammengetan und gemeinsam einen „Politladen“ eröffnet.

„Alle Bürger des Bezirks können sich hier jederzeit über politische Fragestellungen informieren und ihre Anliegen einbringen. Über mangelnden Winterdienst, schlechte Müllentsorgung, fehlende Beleuchtung oder nicht gewährleistete Barrierefreiheit – die ersten Sprechstunden haben bereits gezeigt, dass es Bedarf zur Lösung ganz praktischer, alltagsnaher Probleme gibt. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Parteien und ihrer Vertreter beschränkt sich dabei aber nicht nur auf die gemeinsame Anmietung und Nutzung des Ladens. Probleme, die von den Bürgern in den Politladen getragen werden, werden dort auch gemeinsam besprochen und an diejenige Person weitergegeben, die aus ihrer jeweiligen Position heraus zur Lösung etwas beitragen kann. Ein solcher Raum bietet allerdings auch Nutzungschancen über die „klassische“ Parteiarbeit hinaus. So steht der Politladen gerade im Kontakt mit der Verbraucherzentrale Berlin, die sich tatsächlich vorstellen könnte, an einem Tag in der Woche den Politladen zu nutzen, um hier ihre aufsuchende Beratung im Rahmen des „Kieznahen Verbraucherschutzes“ anzubieten. „

„Zusammen statt gegeneinander: Politladen“ weiterlesen

Einsatz mit Folgen. Klasse!

Quelle: Wikimedia Commons

Erinnert ihr euch noch an den Vorweihnachtsaufruf diverser Frauenhäuser? Vor Weihnachten hatte ich einerseits etwa 60 kleine und größere Päckchen für die Aktion organisiert; da für Berlin neben Kinderspielzeug etc. vor allem Bedarf und Wunsch nach Handtüchern und Besteck bestand, dachte ich mir: Kontaktiere doch einfach mal die Geschäftsleitung eines großen Einrichtungshauses. Vielleicht geht da ja was. Und siehe da, heute erfuhr ich, dass mein Einsatz sich tatsächlich gelohnt hat: Eine Mitarbeiterin des Frauenhauses konnte auf diese Initiative hin wirklich einen Batzen Handtücher und Besteck abholen. Manchmal ist es so einfach..

Ich bin erfreut darüber, wie positiv diese kleine Aktion verlaufen ist. Das gibt doch wirklich Mut für viele weitere „unwichtige“ kleine Schritte!

Bestattungen: Hier!

Straßenrandsfund. Falls ihr noch was Schnelles für die Mittagspause sucht..

(Btw.: Als das eine Kind neulich, ohne wirklich nach fahrenden Autos zu schauen, fast über die im Bildhintergrund verlaufende Straße gelaufen wäre, bemerkte das andere Kind trocken: „Wenn das schief gegangen wäre, hätten wir dich da gleich reinbringen können.“)

Provinzstadtplakate vom Ordnungsamt

Eben auf Twitter entdeckte ich folgenden Tweet von @rhotep:

So stellt sich das Ordnungsamt „saubere“ Berliner Parks vor: bit.ly/Nj6alm Glückliche weiße Heteropärchen. Mehr: http://bit.ly/OHmqAL

Die Links führen zu einer Plakatkampagne des Berliner Ordnungsamtes. Und so sehr ich der von @rhotep geäußerten Kritik zustimme, und zwar sowohl vom Ansatz her, dass entsprechende Darstellungen im Sinne von Diversität keinesfalls zu unterstützen sind, als auch vom Ansatz her, dass das der Situation in Berlin keinesfalls entspricht, so sehr fragte ich mich beim Betrachten der diversen Plakate aus der Serie auch: Was an dieser Kampagne ist denn ÜBERHAUPT Berlin?! „Provinzstadtplakate vom Ordnungsamt“ weiterlesen

Skurriles Theater im Abendrot

Da war ich nun also bei dieser Theaterpremiere. Hatte mich vorher belesen, drüber gebloggt – und wusste doch nicht wirklich, was mich erwarten würde. Ein multilinguales Interaktionstheater? Bewegung im Park? Verschiedene jahrhundertealte Texte, miteinander verkreuzt? Zunächst einmal erwartete mich, einen kleinen, schwarz gekleideten Kamerapunkt im bewegten Görlitzer Park, nichts und niemand. Massen von Menschen ließen mich untergehen in einer Welle von Skurrilitäten: Den Theaterausgangspunkt suchend, sah ich mich zunächst zusammenhanglos konfrontiert mit dem eigenartigen Tanz eines zwei Meter großen, flauschigen gelben Bummi-Plüschbärs und einer menschenhohen Aufziehpuppe, die fortwährend gegen einen Mülleimer lief, umgeben von Fahrräder schiebenden Menschen und Kindern mit Bällen, die sie wieder und wieder in zum Glück noch nicht angezündete Grille schossen. Irritiert-überfordert bewegte ich mich vorsichtig durch diese offenbar ortsüblichen Installationen von A nach B und wieder zurück und traf endlich, mit etwa fünfzehnminütiger Verspätung und einem Tross ebenfalls die Shakespeare-Aufführung suchender Menschen – man hatte mir mein Ziel offenbar angesehen, sodass ich kleiner, ahnungsloser Punkt zu einem Magnet für Mitsuchende wurde – am rückseitigen Parkende ein. Mich erwarteten eine Wiese, eine breite Metallrutsche, in Tischdecken und Webpelzreste gewandete Menschen und eine Mauer aus Publikum, die ich recht problemlos durchdringen konnte für einen Platz in der ersten Rasenreihe.
„Skurriles Theater im Abendrot“ weiterlesen

Die Sewing Machine. So ähnlich wie ein 3D-Drucker, nur für Stoff.

Mit einem 3D-Drucker, den so gut wie niemand hat, weil man die sich selber bauen muss (außer man hat so an die 12.500€ übrig) und das doch ein bisschen aufwändiger ist und doch auch mit an die 1000 Euronen ne Menge Schotter kostet (hier noch ne Anleitung basierend auf FISCHER-Technik, oder ihr googelt halt einfach mal selbst..), kann man aus Kunststoffen, Kunstharzen oder Metall eine ganze Menge Zeug herstellen. Ich vermute, das ist ziemlich cool, aber dennoch: Ich hab keinen. Aber eine Nähmaschine hab ich – nicht selbst gebaut, sondern irgendwann mal bei Lidlpennyaldi gekauft (und ich hab im Internet erstaunlicherweise auch KEINE Bauanleitung gefunden, wie man sich eine selber bauen kann!..)

Wenn man so ungefähr weiß, wie ein solches Nähmaschinchen funktioniert, kann man damit auch wirklich eine ganze Menge Zeug herstellen, auch ganz plastisch in 3D und so ;-). Wie bitte,ihr wisst das nicht, so ganz grundlegend? Kein Problem. Der Armin von der Sendung mit der Maus hat das mal erklärt, sehr prima:

Nun wollte ich ja, siehe letzter Post, sowieso einiges mit meiner 3D-Maschine herstellen ;-), und da das kleine Kind ist nämlich inzwischen schon ganz schön groß ist und kommt in die Schule kommt, hatte ich auch zumindest ein konkretes Projekt vor Augen:

„Die Sewing Machine. So ähnlich wie ein 3D-Drucker, nur für Stoff.“ weiterlesen