Ergebt euch: Der Duden macht Sinn

Eben aus anderen Gründen mal kurz online was zum Thema Sinn beim Duden geschaut und das hier gefunden:

5. Ziel und Zweck, Wert, der einer Sache innewohnt
Beispiele
[…]
etwas macht keinen/wenig Sinn (umgangssprachlich; hat keinen/wenig Sinn; nach englisch it doesn’t make [any] sense)

Okay, dahinter steht sauber kurz der Hinweis „umgangssprachlich“ und unter (4.) findet sich auch ein Verweis auf „Sinn ergeben“. Aber warum nun eigentlich die eine Formulierung im Deutschen (nur) umgangssprachlich genutzt werden sollte und die andere nicht, und warum man Sinn auch im Englischen nicht „machen“ kann, lässt sich mit Dudens Hilfe hier nicht herausfinden.

Aber hier! Für alle, die das auch endlich mal genau(er) wissen wollen, empfehle ich diesen lesenswerten belleslettres-Artikel mit Videotutorial. Sehr aufschlussreich!

Brecht mal wieder.

Gestern Abend in einem Kneipengespräch hatte ich eine Diskussion über den Sinn oder Unsinn des Lernens (nicht nur Lesens) von Lyrik. Man könne doch alles nachlesen, wozu auswendig lernen? Mein Argument: Müssen sollte man sowieso nichts (vor allem anderen nur _das_ sollte meiner Meinung nach jedes Kind lernen..), aber es sei doch manchmal schön und auch wertvoll, Texte im Herzen bei sich zu tragen.

Welche Texte ich denn so wertvoll fände, dass sich diese Art von Rumtragen lohne? Ich erwähnte als Beispiele Kaléko, Fried, Brecht, hätte gern auch noch Tucholsky, Heine oder Kästner dazugesetzt, da hieß es schon: Na dann solle ich doch jetzt bitte mal ein Gedicht von Brecht rezitieren, so auf die Schnelle!

Um mal spitzfindig zu sein: Ich hatte ja nicht behauptet, Brecht gelernt zu HABEN, sondern nur gesagt, es wertvoll zu finden, dies zu tun;)
Aber in jedem Fall, das muss ich zugeben, war ich doch so überfahren von der Forderung, dass in meinem Kopf so plötzlich (außer – immerhin – dem W aus seinem bemerkenswerten Alfabet) kein lange gelernter Brecht mehr aufzutreiben war – Mackies Messer steckte sozusagen tief in meinem Rücken, außer so’nem bisschen Liedtexte war da nicht viel zu erwühlen. Nach einer halbwach-nachgedachten Nacht ist mir dann eines eingefallen, das ich tatsächlich schon als Schulkind gelernt habe. Auch, wenn ich es erst mal aus dem Internet herauskramen musste, so kam die Erinnerung doch wenigstens nach dem Lesen der ersten Zeile komplett wieder. Es sind Brechts Bitten der Kinder: „Die Häuser sollen nicht brennen. Bomber sollt‘ man nicht kennen. Die Nacht soll für den Schlaf sein, Leben soll keine(..)“ – na, wer kann es auch noch? Ich finde: Ja, es hat zweifelsohne den besprochenen Platz im Herzen verdient.

Werd‘ nun vielleicht wirklich mal wieder Gedichte auswendig lernen und oder mal auswengid gelernte rekapitulieren. Nachdem mein Herbstprojekt „Handstand lernen“ jetzt einigermaßen passabel durch ist, wäre das doch ein schönes Projekt für den Winter? Im traurigen Monat November war’s,..

Lieblingslyrik: Wer kommt mit zur Mascha-Kaléko-Lesung?


HandVerLesen – ein Mascha-Kaléko-Abend am 01.10.2015

Die Bibliothek am Wasserturm lädt am Donnerstag, dem 1. Oktober 2015 um 20 Uhr in das Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner in der Prenzlauer Allee 227, 10405 Berlin, zu einem Mascha-Kaléko-Abend mit der Berliner Künstlerin Cathrin Alisch (voc,viol,acc.), ein.
Die Dichterin Mascha Kaléko wurde als Tochter eines russischen Vaters und einer österreichischen Mutter 1907 am Rande der damaligen Donaumonarchie geboren. Sie war im Berlin der 1920er Jahre zu Hause und galt als ein außergewöhnliches literarisches Talent. Wacher Verstand verband sich bei ihr mit weiblichem Charme, politische Schärfe mit Witz und romantischer Ironie. Kalékos Sprache ist musikalisch und erlaubt ein Spiel mit den Rhythmen in Text und Ton. Cathrin Alisch gehört zu den Grenzgängerinnen zwischen Kunst und Wissenschaft. Sie studierte Literatur- und Musikwissenschaft und absolvierte parallel dazu ihre künstlerische Ausbildung. Als Bühnen erfahrene Musikerin vertonte sie zum 100. Geburtstag der Lyrikerin Mascha Kaléko einige ihrer schönsten Gedichte – zeitlose Lieder über die Liebe und das Leben zwischen Trauer, Hoffnung und „aufgeräumter Melancholie“. Dabei konzentrierte sich Alisch auf die paar leuchtenden Jahre der jungen Mascha in Berlin.
Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen bei Anne Rüster, Tel.: 030 90295-3921, anne.ruester@ba-pankow.verwalt-berlin.de .

Noch was zur Zentralbibliothek

Ach ja, mit der Tempelhofer-Feld-Entscheidung ist ja – zumindest für diesen Standort – das Projekt Riesenzentralbibliothek jedenfalls erst einmal ebenfalls vom Tisch. So sehr ich unserer Stadt eine niegelnagelneue, supermoderne Zentralbibliothek, idealerweise noch mit spannender Architektur, gönne: Ein bisschen bin ich ja auch froh. Denn das heißt dann ja wohl, dass die Kiezbibliotheken, die seit Jahren bekanntlich immer wieder heftig von Mittelkürzungen bis Schließungen bedroht werden, noch ein paar Jahre länger an Ort und Stelle niederschwellige Angebote für die kleinen und großen Menschen vor Ort machen dürfen. Da man sich in Berlin ja so ziemlich jedes Buch in die eigene Filiale vor Ort bestellen kann, aber nicht alle Menschen in der Lage sind, sich allein und selbständig bis zum Tempelhofer Feld (oder wo auch immer sonst zu einer zentralen Stelle hin) zu bewegen, erscheinen mir persönlich die vielen kleinen dezentralen Bibliotheken ja auch irgendwie bedeutsamer als so ein schickes Riesendings. Und wenn – wovon in Knappe-Kassen-Zeiten ja nun mal auszugehen ist – eben alles nicht geht, dann.. Genau. Dann ist zumindest meiner Wahrnehmung nach die Berliner Entscheidung am Wochenende doppelt richtig gewesen.

Nachricht vom Verkäufer

„Sehr geehrter Kunde, Vielen Dank für Ihre Mitteilung. Wir fühlen uns wirklich leid für die Lieferung Problem. Wir versendeten das Einzelteil zu Ihnen am 12. Mai, von der Deutschen Post versendet werden, dauert in der Regel 2-5 Werktage für die Lieferung. Ist es möglich, dass Ihre Familie oder Ihre Nachbarn erhielt sie für Sie? Könnten Sie bitte überprüfen Sie Ihre Briefkasten oder auf der lokalen Post, um es zu überprüfen? Wenn Sie immer noch nicht Nachricht über sie erhalten, wenden Sie sich gerne an uns wenden, können wir erneut senden Sie das Einzelteil, oder wir können Sie für die Zahlung zurückerstatten, bitte keine Sorge. Hoffnung können Sie sie bald erhalten. Mit freundlichen Grüßen“

– Nein, ich habe nicht im Ausland bestellt, sondern bei einem Online-Shop in Bawü. Wie war das noch gleich mit „wir können alles – außer Hochdeutsch!“? 😉

„Alta, gehst du Buchhandlung?“ „Deine Mudda!“

UPDATE: HIER könnt ihr euch eine (wie ich finde) ganz nett gegliederte, in einigen Sätzen noch leicht angepasste Version des Artikels als pdf downloaden, falls euch das zum Lesen angenehmer ist.

Vor einigen Wochen bin ich vom Orgateam der Konferenz E:PUBLISH für einen Vortrag angefragt worden – Themenbereich Kinder, Jugendliche, Digitalisierung und Leseverhalten. Spannende Herausforderung dabei war die gewünschte Ausrichtung: Ich sollte nicht nur über Kinder und digitale Medien sprechen, sondern vor allem auch „neue Perspektiven für Verlage“ aufzeigen.

Mit dem Titelvorschlag „Alta, gehst du Buchhandlung?“ „Deine Mudda!“ sagte ich zu – und habe seitdem nicht nur diverse Studien zum Medien- und Leseverhalten durchgewurschtelt, sondern in unterschiedlichen Zusammenhängen vor allem immer wieder in Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen versucht, mir zu diesem spezifischen Feld umfangreiche persönliche Eindrücke zu verschaffen. Dadurch erfuhr ich zum Beispiel, dass die angeblich ach so digital kompetente Generation meines Kontaktfeldes es zwar nett findet, dass die öffentlichen Bibliotheken inzwischen auch digitale Medien online „verleihen“. Die praktische Durchführung der „Onleihe“, gerade, wenn mehrere Geräte genutzt werden, ist aber für so manche Kinder und Jugendliche ohne weitere Hilfe jedenfalls anfangs eine nicht zu unterschätzende Hürde [auch, wenn die Berliner Bibliotheken hier zumindest gute (an Erwachsene gerichtete) Hilfen zur Verfügung stellen]. „„Alta, gehst du Buchhandlung?“ „Deine Mudda!““ weiterlesen

Identität in Berlin: Eine Generalprobe

Berlinerin? Deutscher? Flüchtling? Immigiert? Hier geboren, aber andernorts aufgewachsen? Was macht uns zu Berlinern? Wer darf sich so nennen, wer nicht, wann kommt wer an, wird wieder weggeschickt, wird aus- oder eingegrenzt? Gestern hatte ich die Ehre, der Generalprobe des neuen Theaterstücks ECHTER BERLINER !!!! IHR NICHT FUCK YOU des English Theatre Berlin beizuwohnen (Fotos hier in meinem Flick-Stream). Das experimentelle Stück ist eine Art Dokumentations-Theater: Der gesamte Text ist aus Zitaten zusammengesetzt; hierfür wurden mehrere Wochen lang Interviews mit Menschen mit den unterschiedlichsten Herkunftshintergründen geführt. Deren Erfahrungen, von der Behandlung durch Behörden über Alltagsdiskriminierung und Auseinandersetzung mit Rassismus bis hin zu Sprachbarrieren und eigener wie umgebungsseitiger Infragestellung spiegeln sich nun in berührender Weise in dem sehenswerten Kunst-Stück wieder. Sie tauchen nicht nur in den Sprechtexten auf, sondern werden durch Projektionen ins Bühnenbild immer wieder auch direkt in die Aufführung einbezogen. „Identität in Berlin: Eine Generalprobe“ weiterlesen

Das Buchmesse-Kinder-Desinteresse. Nicht von Seiten der Kinder.

Die Frankfurter Buchmesse ist an zwei von fünf Tagen ihrer jährlichen Öffnung keine reine Fachmesse, sondern für die Öffentlichkeit, auch „Endverbraucher“ genannt, zugänglich. Auch für Kinder. Am Samstag begab ich mich – zunächst ganz privat – mit meinen zwei beiden ziemlich literaturinteressierten Nachwuchsleseratten während eines sowieso geplanten Frankfurt-Urlaubs in die Kinderbuchhalle ebendieser Messe – und war, gelinde gesagt, schockiert.

Das Schockerlebnis bestand nicht etwa in der Erkenntnis, dass es zur Zeit unseres Eintreffens brechend voll war, das kennt und gönnt man einer Messe ja. Auch das zu einem späteren Zeitpunkt eingenommene Messemittagessen konnte mich nicht aus der Fassung bringen (die Kinder schon, aber in so vielen schlechten Kantinen wie ich haben sie halt noch nicht gespeist, da ist noch Abhärtung erforderlich).

Nein, schockierend war die Erkenntnis, dass sich in der Kinderbuchhalle ausstellerseitig so ziemlich niemand durchgängig ernsthaft für jene interessierte, welche doch ihre ureigenste Zielgruppe darstellen: für die Kinder. „Das Buchmesse-Kinder-Desinteresse. Nicht von Seiten der Kinder.“ weiterlesen