Busfahrer und andere Ärgernisse

Berliner Busfahrern wird ja so einiges an Unfreundlichkeit nachgesagt, und doch: Bisher bin ich davon eigentlich immer verschont geblieben. Dafür kam es neulich denn janz dicke, wie man hier so schön sagt:

M, m und m steigen wie gewöhnlich morgens in den Bus, grüßen wie jeden Morgen freundlich (der Busfahrer, den sie noch nicht kannten, reagiert nicht), und nehmen ihre Plätze ein. Die Kinder unterhalten sich (in relativ normaler Lautstärke) über das, was sie draußen sehen. Nach einer zackig-kurvig gefahrenen Station ranzt der Fahrer laut nach hinten: „Jeht ditt ooch n bisschen leisa?! Is ja uuunaträglich!“ M antwortet lautstark zurück: „Ach, jetzt erlebe ich endlich mal das Klischee vom Berliner Busfahrer. Ist ja auch mal schön.“
„Wolln se mir jetze pampich komm’, oda wat? Haltnse die Jörn ruhig!“
„Wissen Sie, ich könnte mich über Sie auch beschweren. Aber jeder hat ja mal nen schlechten Tag, also lassen wir es dabei.“

Doch – und jetzt kommts – da schwappt auf einmal aus dem Off die große Solidarisierungswelle durch den Bus:
Die Dame auf dem Fensterplatz hinten links ruft laut: „Au ja, beschwern Sie sich mal. Meinen Segen haben Sie. Kann ja wohl nicht sein, so ne Unfreundlichkeit!“

Die Omi zwei Reihen weiter mischt sich auch ein: „Ja, ich unterschreib auch eine Zeugenaussage, wenn Sie wollen!“

Die andere Dame fällt wieder ein. Wie unmöglich sie das fände, im vorherigen Bus hätte der Fahrer auch eine Mutter mit Kinderwagen angeranzt, sie solle sich mal ein bisschen beeilen. „Ja, wo leben wir denn bitte? Das ist ja wohl die Höhe! Und jetzt der hier auch noch, eine Beschwerde reicht da gar nicht! Lassen Sie sich das nicht gefallen, junge Frau!“

„Na ja, die Busfahrer auf dieser Linie sind sonst ja eigentlich immer nett und kennen uns auch schon, ist nicht so schlimm. Morgen geht es dem Herrn sicher wieder besser.“

Busfahrer, wütend: „Ja, morjen is’ bessa. Weil, da muss ich nich diese Linie mit det Volks chauffiern!“

„Na sagense mal“, ruft wiederum die Oma, „was erlauben Se sich eijentlich?“ Und lauter werdend: „Sie, das steht doch in allen Zeitungen mit der Kinderfeindlichkeit! Und das Volk sind ja wohl immer noch –WIR!“

Bevor die regenbeschirmten älteren Damen den Busfahrer lynchen, mischt sich recht schüchtern ein netter bärtiger Alter ein und fragt den (natürlich nicht reagierenden) Busfahrer offensichtlich in ablenkender Absicht nach der Uhrzeit. Auf den hinteren Bänken präparieren sich zwei Ommas zum Angriff.

Halt.

Beim Aussteigen rufen die kleinen ms fröhlich Tschühüß, die große M ruft „Einen schönen Tag“ – und in die sich schließende Tür sicherheitshalber hinterher: „Das mit dem schönen Tag meinte ich ernst!“

Auf dem Weg zum Kinderladen meint dann ein kleines m, dass der Busfahrer bestimmt einfach Bauchschmerzen hatte. Oder Hunger. Denn vielleicht hätten ihm seine Kinder das Frühstück weggegessen. Oder…

Hmm – mich hätte viel mehr interessiert, wie sich die Geschichte mit den beiden älteren Damen noch entwickelt hat. Ob sie den Busfahrer…?
Na ja, wie gesagt: Jeder hat mal ’nen schlechten Tag, oder?

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