Brecht mal wieder.

Gestern Abend in einem Kneipengespräch hatte ich eine Diskussion über den Sinn oder Unsinn des Lernens (nicht nur Lesens) von Lyrik. Man könne doch alles nachlesen, wozu auswendig lernen? Mein Argument: Müssen sollte man sowieso nichts (vor allem anderen nur _das_ sollte meiner Meinung nach jedes Kind lernen..), aber es sei doch manchmal schön und auch wertvoll, Texte im Herzen bei sich zu tragen.

Welche Texte ich denn so wertvoll fände, dass sich diese Art von Rumtragen lohne? Ich erwähnte als Beispiele Kaléko, Fried, Brecht, hätte gern auch noch Tucholsky, Heine oder Kästner dazugesetzt, da hieß es schon: Na dann solle ich doch jetzt bitte mal ein Gedicht von Brecht rezitieren, so auf die Schnelle!

Um mal spitzfindig zu sein: Ich hatte ja nicht behauptet, Brecht gelernt zu HABEN, sondern nur gesagt, es wertvoll zu finden, dies zu tun;)
Aber in jedem Fall, das muss ich zugeben, war ich doch so überfahren von der Forderung, dass in meinem Kopf so plötzlich (außer – immerhin – dem W aus seinem bemerkenswerten Alfabet) kein lange gelernter Brecht mehr aufzutreiben war – Mackies Messer steckte sozusagen tief in meinem Rücken, außer so’nem bisschen Liedtexte war da nicht viel zu erwühlen. Nach einer halbwach-nachgedachten Nacht ist mir dann eines eingefallen, das ich tatsächlich schon als Schulkind gelernt habe. Auch, wenn ich es erst mal aus dem Internet herauskramen musste, so kam die Erinnerung doch wenigstens nach dem Lesen der ersten Zeile komplett wieder. Es sind Brechts Bitten der Kinder: „Die Häuser sollen nicht brennen. Bomber sollt‘ man nicht kennen. Die Nacht soll für den Schlaf sein, Leben soll keine(..)“ – na, wer kann es auch noch? Ich finde: Ja, es hat zweifelsohne den besprochenen Platz im Herzen verdient.

Werd‘ nun vielleicht wirklich mal wieder Gedichte auswendig lernen und oder mal auswengid gelernte rekapitulieren. Nachdem mein Herbstprojekt „Handstand lernen“ jetzt einigermaßen passabel durch ist, wäre das doch ein schönes Projekt für den Winter? Im traurigen Monat November war’s,..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *